Aber, ihr flinken Gesellchen – Gedanken? Ich meinte Gedanken, die hätten schwere Köpfe, und Brillen auf der Nase, und gingen mit gewichtigen Schritten in den Büchern auf und ab spazieren. Was wollt ihr im Wald mit mir?
»Wir wollen hören, was er rauscht, was die Bäume sagen, und der Wind weht. Wir wollen sehen, wo der Winter ist? – Da, siehst du.« – Mitten auf der Wiese war das lange Gras fein säuberlich zur Seite gewachsen und hatte einem grünen Moosteppich Platz gemacht, der sich glatt und fein ausbreitete: »Sieh',« flüsterte mir ein Gedanke ins Ohr, »siehst du die Elfen tanzen, und die Gnomen mit den weißen, zottigen Bärten und den spitzen, haarigen Oehrlein? Wie die weißen Leiber der Winterelfen schimmern, wie ihre flockigen Schleier wehen und wie die Lüfte aufspielen zum Tanz. – Horch! Wie Schneeknirschen klingt's, und wie die Eiszapfen, wenn sie klirrend von den Bäumen brechen. Und siehst du, da mitten im Gewirr den sonnigen Winter stehn? Seine Augen glänzen und er lacht, daß die weißen Zähne aus dem feurigen Barte blitzen.« – In den starken Armen hält er die Winde; wie sie zappeln und die Backen aufblasen vor Wut, daß sie nicht loskommen können – da schlägt er den Nordwind und den Westwind mit den Köpfen zusammen, die bösen Gesellen, und stößt sie mitten unter das Elfengesindel, das sie jauchzend mit Tannenkränzen umwindet und fesselt; oben auf des sonnigen Winters Schultern aber steht der Südwind und stößt jubelnd ins Horn, daß es von den Bergen ringsum widerklingt. Und jauchzend fallen die Gedanken um mich herum in das tolle Treiben – so daß ich mich ordentlich schäme für sie – was sollen nur die Menschen davon denken? »Ihr solltet auch nicht denken, ihr Menschen,« lachten meine wilden Gesellchen – »denn wenn ihr denkt, dann denkt ihr immer was Dummes. Es wäre überhaupt viel besser, ihr dächtet gar nicht, und überließet es uns, euch plötzlich mit etwas Gescheitem durch den Kopf zu fahren – wie ein Blitz.«
»Da sieh' hin, die zwei Bäumchen, die da angewackelt kommen,« sagte ein spöttischer kleiner Gedanke und überschlug sich wie ein Kobold im Gras vor Vergnügen. »Du denkst, es wären Fichten, aber schau sie einmal an: sie kommen in kurzem Lauf, ein wenig vornüber, dahergetrottet, ihre Nadeln stehen zierlich nach beiden Seiten, wie lauter gewichste Schnurrbärtchen, die Kronen sind ihnen ins Gesicht gerutscht, so daß es aussieht, als wenn sie die großen Hüte bis tief auf die Nase sitzen hätten, und da die Zweige just ein bischen über dem Erdboden beginnen, scheint es, als hätten sie sich die schloddrigen Hosen sorgfältig aufgekrempelt. –
»Ei! wie die Herrchen laufen,« höhnt der lustige Gedanke und zupfte an ihren Nadeln, worauf sie sich wütend umdrehen und mit den jungen Birken, die sie als Spazierstöcke mit sich schleppen, nach ihm schlagen – »sie thun, als wollten sie dem sonnigen Winter eine Referenz machen, und dabei schielen sie doch nur nach den weißhäutigen Elfendirnen.«
Nun kommen sie von allen Seiten gewandert: die breitästigen Eichen, die schlanken Birken im weißen Hemdchen, knorrige Burschen vom Geschlecht der Baumriesen; und eine nackte Trauerweide tänzelt so lustig daher, daß die langen, fast bis auf die Füße hängenden Haarsträhne im Winde flattern. – Ei, sieh', wen haben wir hier? – Eine Prozession ehrbarer Herren in dunkelgrünen Röcken, die bis zur Erde reichen; und aus den stachligen Kapuzen schauen lustige Mönchsgesichter, und die Aeuglein blinzeln über die feisten Wangen hinweg nach den schlanken, grünen Nönnchen, die ihre Kiefernkleidchen gar züchtig geschürzt haben und sittsam kokett neben der Tannenprozession einhertrippeln. Voran schreitet ein baumlanger Tannenriese, stark wie Rabelais' Mönch Johann. »Halt da!« kommandiert er, »hübsch paarweise antreten!« und er bombardiert die letzten in der Reihe mit Tannenzapfen, damit sie ihn besser verständen – »und wem's nicht recht ist, hier im Wald, dem schlage ich die Knochen im Leibe entzwei!«
Da faßt ein Mönch je ein Nönnchen bei der Hand, und, die grünen Röcke ein wenig lüpfend, tänzeln sie im Menuettschritt über die Wiese hin zum lachenden, sonnigen Winter und beginnen artig zu psalmodieren, daß es in den Wald hineinschallt:
»Ei, so hört auf zu plärren,« dröhnt Bruder Johanns mächtige Stimme dazwischen –
| »Kurze Worte dringen zum Himmel eh'r, |
| Lange Züge machen die Kanne leer – |
| Eia, Halleluja!« |
Und mit tollem Jubel drehn sie sich mit im Elfenreigen, daß die grünen Kutten im Winde wehn.