Ein klein lustig Elflein aber zerrt den Puma, der verdutzt da kauert in der Wunderwelt, an den Ohren zu einem Marmorsockel hin. »Da lieg', du Wilder!« lacht es, und der Tiere König läßt willig sich in die Fesseln der Schönheit schlagen. –
Horch! Es geht ein Brausen durch die Lüfte, ein Singen, Klingen, lieblich Geläute: aus dem Morgengrauen erhebt sich der junge Tag, und sein leuchtendes Auge weilt liebend auf dem weißen Wunder.
Auf den blauen Fluten des Sees trieb ein zarter weißer Schaum. Ein Sonnenstrahl irrte zu ihm hin und küßte ihn bebend. Da ward er zur Leiche. Die Menschenseele war aufgestiegen aus den geliebten Wassern, um zu sterben. Der See bebt, als sei er in seinen Tiefen erschüttert. In den sprühenden Wogen aber taucht die Seejungfrau auf, an deren weißer Brust des Toten Seele geruht hat. Ihr goldenes Haar glitzert auf den Fluten. Klagend schlingt sie die weißen Arme um ihn, sein schönes, bleiches Antlitz über Wasser haltend. So gleiten sie dahin über die murmelnde, singende Fläche – weit, weit hin, den weißen Tempeln zu. Und das Licht, das die Seele getötet, liegt liebkosend auf der stolzen Stirn. – – –
Es kamen die Menschen und nahmen Besitz von der Wunschstadt in der neuen Welt.
Welt-Ausstellung im Walde.
Draußen im Wald flüstern die bunten Bäume miteinander und streuen gelbe und rote Blätter auf die braun sich färbende Erde, wie der Frühling Rosen streut; der Herbstwind rauscht und raunt in den Zweigen, und eine milde Herbstsonne glüht auf die Weinblätter am Eichenstamm, daß sie tiefrot schimmern, wie lauter Blutstropfen.
Am träge über Kiesel und trockene Aeste dahin murmelnden Bächlein nickt ein grüner Zweig – da leuchtet etwas Blaues auf, dann tönt ein Lockruf, sanft, zärtlich, dringend – jetzt die Antwort – noch etwas Blaues – – Zwei Vöglein sind's: blaue Flügel schwirren durch die Luft, und zartgrau glänzt der Leib.
»Was nur heute los ist!« sagte der eine Blauvogel zum andern, »keine Fliege, kein Käferchen läßt sich sehen, alle ziehen dort hinein in's Tannendickicht, und selbst die Mücken machen ganz ernsthafte Gesichter!«
»Guten Abend, guten Abend, meine Herrschaften,« schnarrt es über ihnen. Da hängt am Baumstamm ein goldgelbes Vögelchen. Zu welcher Klasse es gehört, das weiß ich nicht (schlagt einmal in Nehrling's amerikanischem Vogelbuch nach), aber es hämmert in die harte Baumrinde, daß es durch den ganzen Wald schallt, und so wollen wir es kühn »Gelbspecht« titulieren.
»Ja, ja, Sie haben Recht, es muß etwas im Walde sein bei dem kleinen Getier,« sagt der Specht, »ich habe schon dieselben Beobachtungen gemacht. Aber sehen Sie einmal da – die Spinne!« An einem trockenen Zweiglein hängt eine große Spinne, eifrig beschäftigt, silberglänzende Fäden zu einem kunstvollen Netz zu verweben.