[26] In der von Prof. Ad. Wagner besorgten Ausgabe der Lassalleschen Briefe heißt es „nicht gehört”. Das „nicht” beruht aber, wie sich im folgenden zeigt, auf einem Druckfehler. Es fehlt auch in dem Abdruck des Briefes bei Rudolph Meyer (vgl. a. a. O. S. 463).
[27] D. h. als der Überschuß des Bodenertrags über einen gewissen Mindestsatz, unter dem Boden überhaupt nicht bewirtschaftet wird, weil er nicht einmal vollwertige Bezahlung für die in ihn gesteckte Arbeit abwirft.
[28] Hier nicht zu verwechseln mit den Vorschlägen von Henry George, Flürscheim usw., da Lassalle die allgemeine Verwirklichung der Assoziationen voraussetzt, ohne welche, wie wir früher gesehen haben, jede Steuerreform nach seiner Ansicht am ehernen Lohngesetz scheitern müßte.
[29] Auch war es bei solcher Auffassung nur logisch, wenn Lassalle z. B. in seiner Leipziger Rede „Zur Arbeiterfrage” den sogenannten Manchestermännern u. a. schon daraus einen Vorwurf machte, daß sie, wenn sie könnten, den Staat „untergehen lassen würden in der Gesellschaft”. Tatsächlich liegt das Bezeichnende jedoch darin, daß die Manchestermänner den Staat in der kapitalistischen Gesellschaft untergehen lassen wollen.
[30] Ich erinnere mich, obwohl ich damals noch ein Schulknabe war, noch sehr gut jener Epoche; aus ihr datieren meine ersten politischen Eindrücke. In der Schulklasse, auf dem Turnplatz — überall wurde in jenen Tagen politisiert, und natürlich gaben wir Knaben nur in unserer Art wieder, was wir im elterlichen Hause, in unserer Umgebung, zu vernehmen pflegten. Meine Mitschüler gehörten den bürgerlichen Klassen, meine Spielkameraden dem Proletariat an, aber die einen wie die andern waren gleich fest davon überzeugt, daß eine Revolution „kommen muß”, denn „mein Vater hat es auch gesagt”. Jede Äußerung der Wortführer der Fortschrittspartei, die als ein Hinweis auf die Revolution gedeutet werden könnte, wurde triumphierend von Mund zu Mund kolportiert, desgleichen Spottverse auf den König und seine Minister.
[31] So ist z. B. gleich der erste Einwurf Lassalles gegen Schulze-Delitzsch, „Bedürfnis” und „Trieb nach Befriedigung” seien „nur zwei verschiedene Wortbezeichnungen für dieselbe Sache” falsch. Beides fällt in der Regel zusammen, ist aber keineswegs dasselbe. Einige Seiten darauf macht sich Lassalle darüber lustig, daß Schulze-Delitzsch den Unterschied zwischen menschlicher und tierischer Arbeit darin erblicke, daß die erstere Arbeit für künftige Bedürfnisse sei, verfällt aber seinerseits in den noch größeren Fehler, diesen Unterschied einfach darin zu sehen, daß der Mensch mit Bewußtsein, das Tier ohne solches tätig sei. Und ähnlich an anderen Stellen.
[32] Es sei hier noch einmal an das Auftreten Eichlers erinnert. Ferner ist interessant folgende Stelle aus dem Schlußwort einer Ansprache des Herrn Herm. Wagener, Vertrauten des Herrn von Bismarck und tonangebenden Leiter der „Kreuz-Zeitung”, in einer Sitzung des konservativen preußischen Volksvereins vom 2. November 1862: „Meine Herren, täuschen wir uns nicht, lernen wir von unsern Gegnern, denn sie sagen mit Recht, wenn es Euch nicht gelingt, die soziale Frage zu lösen, so ist all Euer Laufen und Mühen umsonst. Ich schließe deshalb mit der Aufforderung, treiben wir das, was wir als die Aufgaben und Bedürfnisse der nächsten Zukunft erkennen, treiben wir das mit noch mehr Energie, treiben wir es nicht bloß für die Zeit der Wahlen.”
[33] Der Aufsatz ist in unserer Gesamtausgabe der Lassalleschen Schriften dem für das große Publikum bestimmten Vorwort Lassalles zum Franz von Sickingen angefügt (vgl. Bd. I).
[34] Die Stelle lautet: „Mit dem Trost einer möglichst baldigen gesetzlichen Regelung der Frage und dadurch Abhülfe ihrer Not entließen Seine Majestät die Deputation. Das königliche Versprechen wird erhebend und ermuthigend in allen Thälern des Riesengebirges widerhallen und vielen hundert duldenden redlichen Familien neue Hoffnung und neue Kraft zum muthigen Ausharren geben.”
[35] In einen Brief Lassalles an den Vize-Präsidenten Dr. Dammer, an den Lassalle in der ersten Aufregung zwei sich durchaus widersprechende Telegramme gesandt, hatte es wörtlich geheißen: „Die erste Depesche ... erließ ich sofort, weil mir der ganze Schleswig-Holstein-Dusel in vieler Hinsicht höchst unangenehm ist.” Der Widerspruch in den Telegrammen erklärt sich jetzt durch die widerspruchsvolle Situation, in die Lassalle geraten war. Er war, ohne es selbst zu wissen, nicht mehr frei.