Zu Blatt 13. Der Treibeheerd.

Bei diesem Ofen werden die vorgenannten Stücke silberhaltigen Bleies auf eine vertiefte, mit einem starken Eisenhut bedeckte runde Fläche aufgetragen und durch einen daneben befindlichen Ofen, aus welchem die Flamme über diese Fläche wegschlägt, eingeschmolzen. Mit Hilfe eines Gebläses wird hierauf das Blei in Bleiglätte umgewandelt, und als solche fortwährend abgelassen, das Silber aber bleibt endlich, nachdem der bekannte Silberblick d. i. eine Erscheinung von Regenbogenfarben auf der Oberfläche des geschmolzenen Silbers, stattgefunden hat, in Gestalt eines runden Kuchens auf dem Heerde zurück. Die geringen fremdartigen Beimengungen, die es noch hat, werden durch ein nochmaliges Einschmelzen für sich entfernt, hierauf aber dasselbe sogleich an die Münze abgeliefert. Der Hüttenmann beschliesst also die sämmtlichen mühsamen und zum Theil gefahrvollen Arbeiten, welche mit der Gewinnung des Silbers aus dem Schoose der Erde verbunden sind.

Zu Blatt 14. Die letzte Schicht.

Obgleich jeder Mensch seine letzte Schicht zu machen hat, so ist doch dieses Wort für den letzten Gang aus dieser Welt vornehmlich dem Bergmannsstande eigen. Gleich viel, ob Berg- oder Hüttenmann, sie verfahren beide mit ihrem Tode ihre letzte Schicht, mag dieser ein gewaltsamer im Dienste oder ein natürlicher sein. So sehen wir denn auf diesem Bilde das Begräbniss eines Bergmanns, wie seine bergmännischen Brüder ihm die letzte Ehre erweisen und ihn dem Schoos der dunklen Erde übergeben, in welchem er seinen mühsamen Lebenslauf gefunden und überstanden hat. Ueber dem Grabe ertönt der schöne Schlussgesang des Bergmannsgrusses:

Leb wohl, leb wohl, du Bergmannskind,
Du hast vollbracht den Lauf.
Treu warest du und brav gesinnt,
Drum rufen wir: Glück auf! —


Druck von A. Th. Engelhardt in Leipzig.


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