Wenn meine Mutter hexen könnt',
Da müßt sie mit dem Regiment,
Nach Frankreich, überall mit hin
Und wär' die Marketenderin.
Im Lager, wohl um Mitternacht,
Wenn niemand auf ist als die Wacht
Und alles schnarchet, Roß und Mann,
Vor meiner Trommel säß' ich dann:
Die Trommel müßt' eine Schüssel sein,
Ein warmes Sauerkraut darein,
Die Schlegel Messer und Gabel,
Eine lange Wurst mein Sabel;
Mein Tschako wär ein Humpen gut,
Den füll' ich mit Burgunderblut.
Und weil es mir an Lichte fehlt,
Da scheint der Mond in mein Gezelt;
Scheint er auch auf Franzö'sch herein,
Mir fällt doch meine Liebste ein:
Ach weh! jetzt hat der Spaß ein End'. –
Wenn nur meine Mutter hexen könnt'!


Häusliche Szene.

Schlafzimmer.

Präceptor Ziborius und seine junge Frau.

Das Licht ist gelöscht.

Schläfst du schon, Rike? – »Noch nicht.« – Sag! hast du denn heut' die Kukumern
Eingemacht? – »Ja.« – Und wieviel nahmst du mir Essig dazu? –
»Nicht zwei völlige Maß.« – Wie? fast zwei Maß? Und von welchem
Krug? von dem kleinern doch nicht, links vor dem Fenster am Hof? –
»Freilich.« – Verwünscht! So darf ich die Probe nun noch einmal machen,
Eben indem ich gehofft, schon das Ergebnis zu sehn.
Konntest du mich nicht fragen? – »Du warst in der Schule.« – Nicht warten? –
»Lieber, zu lange bereits lagen die Gurken mir da.« –
Unlängst sagt' ich dir: Nimm von Numero 7 zum Hausbrauch! –
»Ach, wer behielte denn stets alle die Zahlen im Kopf!« –
Sieben behält sich doch wohl! nichts leichter behalten als sieben!
Groß mit arabischer Schrift hält es der Zettel dir vor. –
»Aber du wechselst den Ort nach der Sonne von Fenster zu Fenster
Täglich: die Küche pressiert oft, und ich suche mich blind.
Bester, dein Essiggebräu, fast will es mich endlich verdrießen.
Ruhig, obgleich mit Not, trug ich so manches bis jetzt.
Daß du im Waschhaus dich einrichtetest, wo es an Raum fehlt,
Destillierest und brennst, schien mir das Äußerste schon.
Nicht gern sah ich vom Stockbrett erst durch Kolben und Krüge
Meine Reseden verdrängt, Rosen und Sommerlevkojn:
Aber nun stehen ums Haus her rings vor jeglichem Fenster,
Halb gekleidet in Stroh, gläserne Bäuche gereiht;
Mir auf dem Herd stehn viere zum Hindernis, selber im Rauchfang
Hängt so ein Untier jetzt, wieder ein neuer Versuch!
Lächerlich machen wir uns – nimm mir's nicht übel!« – Was sagst du?
Lächerlich! – »Hättest du nur heut' die Dekanin gehört!
Und in jeglichem Wort ihn selber vernahm ich, den Spötter;
Boshaft ist er, dazu Schwager zum Pädagogarch.« –
Nun? – »Einer Festung verglich sie das Haus des Präceptors, ein Bollwerk
Hieß mein Erker; es sei alles bespickt mit Geschütz.« –
Schnödes Gerede, der lautere Neid! Ich hoffe mein Stecken-
Pferd zu behaupten, so gut als ihr Gemahl, der Dekan.
Freut's ihn, Kanarienvögel und Einwerfkäfige dutzend-
Weise zu haben, mich freut's, tüchtigen Essig zu ziehn. –

(Pause. Er scheint nachdenklich. Sie spricht für sich:)

»Wahrlich, er dauert mich schon: ihn ängstet ein wenig die Drohung
Mit dem Studienrat, dem er schon lange nicht traut.« –

(Er fährt fort:)