Als Präceptor tat ich von je meine Pflicht; ein geschätzter
Gradus neuerlich gibt einiges Zeugnis davon.
Was ich auf materiellem Gebiet in müßigen Stunden
Manchem Gewerbe, dem Staat denke zu leisten dereinst,
Ob ich meiner Familie nicht ansehnlichen Vorteil
Sichere noch mit der Zeit, dessen geschweig' ich vorerst:
Aber den will ich sehn, der einem geschundenen Schulmann
Ein Vergnügen wie das, Essig zu machen, verbeut!
Der von Allotrien spricht, von Lächerlichkeiten – er sei nun
Oberinspektor, er sei Rektor und Pädagogarch!
Greife nur einer mich an, ich will ihm dienen! Gewappnet
Findet ihr mich! Dreifach liegt mir das Erz um die Brust! –
Rike, du lachst! – du verbirgst es umsonst; ich fühle die Stöße –
Nun, was wandelt dich an? Närrst du mich, törichtes Weib? –
»Lieber, närrischer, goldener Mann! wer bliebe hier ernsthaft?
Nein, dies Feuer hätt' ich nimmer im Essig gesucht.« –
G'nug mit den Possen! Ich sage dir, mir ist die Sache nicht spaßhaft. –
»Ruhig! Unseren Streit, Alter, vergleichen wir schon.
Gar nicht fällt es mir ein, dir die einzige Freude zu rauben;
Zuviel hänget daran, und ich verstehe dich ganz.
Siehst du von deinem Katheder im Schulhaus so durch das Fenster
Über das Höfchen den Schatz deiner Gefäße dir an,
Alle vom Mittagsstrahl der herrlichen Sonne beschienen
Die, dir den gärenden Wein heimlich zu zeitigen, glüht:
Nun, es erquicket dir Herz und Aug' in sparsamen Pausen,
Wie das bunteste Brett meiner Levkojn es nicht tat,
Und ein Pfeifchen Tabak in diesem gemütlichen Anblick
Nimmt dir des Amtes Verdruß reiner als alles hinweg;
Ja, seitdem du schon selbst mit eigenem Essig die rote
Tinte dir kochst, die sonst manchen Dreibätzner verschlang,
Ist dir, mein' ich, der Wust der Exerzitienhefte
Minder verhaßt; dich labt still der bekannte Geruch.
Dies, wie mißgönnt' ich es dir? Nur gehst du ein bißchen ins Weite.
Alles – so heißt dein Spruch – habe sein Maß und sein Ziel!« –
Laß mich! Wenn mein Produkt dich einst zur vermöglichen Frau macht –
»Bester, das sagtest du just auch bei der Seidenkultur.« –
Kann ich dafür, daß das Futter mißriet, daß die Tiere krepierten? –
»Seine Gefahr hat auch sicher das neue Geschäft.« –
Namen und Ehre des Mannes, die bringst du wohl gar nicht in Anschlag? –
»Ehre genug blieb uns, ehe wir Essig gebraut« –
Korrespondierendes Mitglied heiß' ich dreier Vereine. –
»Nähme nur einer im Jahr etliche Krüge dir ab!« –
Dir fehlt jeder Begriff von rationellem Bestreben. –
»Seit du ihn hast, fehlt dir abends ein guter Salat.« –
Undank! Mein Fabrikat durch sämtliche Sorten ist trefflich. –
»Numero 7 und 9 kenn' ich und – lobe sie nicht.« –
Heut', wie ich merke, gefällst du dir sehr, mir in Versen zu trumpfen. –
»Waren es Verse denn nicht, was du gesprochen bisher?« –
Eine Schwäche des Mannes vom Fach, darfst du sie mißbrauchen? –
»Unwillkürlich, wie du, red' ich elegisches Maß.« –
Mühsam übt' ich dir's ein, harmlose Gespräche zu würzen. –
»Freilich, im bitteren Ernst nimmt es sich wunderlich aus.« –
Also verbitt' ich es jetzt; sprich, wie dir der Schnabel gewachsen! –
»Gut! laß sehen, wie sich Prose mit Distichen mischt!«
Unsinn! Brechen wir ab! Mit Weibern sich streiten ist fruchtlos. –
»Fruchtlos nenn' ich im Schlot Essig bereiten, mein Schatz.«
Daß noch zum Schlusse mir dein Pentameter tritt auf die Ferse! –
»Dein Hexameter zieht unwiderstehlich ihn nach.« –
Ei, dir scheint er bequem, nur das Wort noch, das letzte, zu haben:
Hab's! Ich schwöre, von mir hast du das letzte gehört. –
»Meinetwegen, so mag ein Hexameter einmal allein stehn!«
(Pause. Der Mann wird unruhig; es peinigt ihn offenbar, das Distichon nicht geschlossen zu hören oder es nicht selber schließen zu dürfen. Nach einiger Zeit kommt ihm die Frau mit Lachen zu Hilfe und sagt:)
»Alter, ich tat dir zu viel; wirklich, dein Essig passiert.
Wenn er dir künftig noch besser gerät, wohlan! so ist einzig
Dein das Verdienst; denn du hast wahrlich kein zänkisches Weib.« –
(Er gleichfalls herzlich lachend und sie küssend:)
Rike, morgenden Tags räum' ich dir die vorderen Fenster
Sämtlich, und im Kamin prangen die Schinken allein!
Selbstgeständnis.
Ich bin meiner Mutter einzig Kind,
Und weil die andern ausblieben sind, –
Was weiß ich, wieviel, die sechs oder sieben –
Ist eben alles an mir hängen blieben:
Ich hab' müssen die Liebe, die Treue, die Güte
Für ein ganz halb Dutzend allein aufessen;
Ich will's mein Lebtag nicht vergessen.
Es hätte mir aber noch wohl mögen frommen,
Hätt' ich nur auch Schläg' für sechse bekommen!