Sie sagte nichts darauf. Da fing er wieder an: „Nach einem rechten Weib kann wohl ein armer Teufel heutigstags weit suchen.“

Darauf sie ihm entgegnete: „Man sucht erst einmal in der Nähe.“

Dem Seppe schossen bei dem Wort die Flammen in die Backen, als wollten sie oben zum Schornstein ausschlagen.

Die Stangen hingen alle voll, er hätte können gehen; allein der Angstschweiß brach ihm aus: er wußte nicht, wie er am hellen Tagslicht vor die Frau hintreten, noch was er weiter sagen solle. Drum nestelt’ er und ruckt’ und zappelte noch eifrig eine Weile an den Würsten hin und wieder. Auf einmal aber sprach er: „Meisterin, ich hab’ schon je und je gedacht, wir wären füreinander. Ich hätte eine Lieb’ zu Ihr und groß Zutrauen.“

„Davon läßt sich schon reden!“ sagte sie. — Nun stieg er flugs herab und stand vor ihr mit einem schwarzen Rußfleck um die Nase, darüber sie ein wenig lächelte, einen Zipfel ihrer weißen Schürze nahm und ihn abwischte. Das tat ihm ganz im Herzen wohl, er faßte ihre Hand und hatte ihren Mund geküßt, eh’ sie sich des versah. Sie aber gab ihm ein Gleiches zurück. — „So seid Ihr nicht mehr meine Meisterin, Ihr seid jetzt meine Braut!“ — Sie bejaht’ es, und waren sie beide vergnügt, schwatzten und kosten noch lang’ miteinander.

Bevor er wieder in die Werkstatt ging, sagte sie noch: „Wir wollen niemand etwas merken lassen, bis Ihr das Meisterrecht habt und wir bald fürsche machen können.“

Selbigen Abend eilte es dem Seppe nicht, wie sonst, nach dem Essen zum Bier. Er freute sich schon seit dem Morgen auf diese gute Stunde. Sobald die andern aus dem Haus, begab er sich auf seine Kammer, wusch und kämmte sich, legte ein sauberes Hemd und sein Sonntagswams an, zu Ehren dem Verspruch, und als er dann neben der Frau so recht in Ruh und Frieden saß, die Läden und die Haustür zugeschlossen waren, ein frisches Licht im Leuchter angesteckt, so legt’ er ihr zuvörderst die silberne Haube, seine Brautschenke, hin. Ja, da empfing er freilich Lobs und Danks mit Haufen. Wo bringt’s der Fantel her? mochte sie denken, da er es nicht gekauft noch hoffentlich vom Markt gestohlen hat. — Sie hätte es gar gern gewußt, doch band er sich die Zunge fest und lachte nur so.

Sie holte Wein herauf vom Keller, und er brachte den Schnitzlaib herunter. Der Leser bildet sich schon selber ein, sie werde heute schwerlich das erstemal davon gekostet haben: o nein! Den Seppe kränkte nur, daß er ihr nicht füglich Tag für Tag ein neues Stück zum Imbiß bringen konnte, indem die Meisterin schon ohnedas sich wunderte, was doch der Bursch für einen guten Döte habe an dem Stuttgarter Hofzuckerbäcken (wie er ihr weisgemacht), dem’s auf ein Laiblein alle acht Tag nicht ankomme. Denn ob es ihm schon nicht verboten war, zu offenbaren, wie es damit bewandt, so scheute er sich doch. Jetzt fühlte sie ihm besser auf den Zahn und sagte: „Gesteht’s nur, Seppe! Gelt, Brot und Haube sind aus einem Haus!“ — „Das nicht,“ erwidert’ er. „Das eine anbelangend, so will ich meine herzliebe Braut von Grund der Wahrheit berichten: denn mit dem Zuckerbäck, das war gespaßt. Habt Ihr in Ulm auch schon gehört vom Hutzelmann?“ — „Kein Wort.“ — „Vom Pechschwitzer? vom Tröster?“ — „Nichts.“ — „Gut denn!“ — Er nahm sein Glas, tat ihr Bescheid, fing an, der Frau treuherzig zu eröffnen alles, was ihm die Nacht vor seiner Reise widerfahren. Im Anfang schaute sie ihm so in das Gesicht dabei, als gält’ es eben Scherz; doch weil er gar zu ernsthaft dreinsah, dachte sie: Er ist ein Wunderlecker und ein Träumer. Je mehr sie aber zweifelte, je mehr ereiferte er sich. „Da will ich meiner Liebsten zum Exempel vom Doktor Veylland eine Geschichte erzählen, die ist gewiß und wahr, ich hab’ sie von meinem Großvater. Ihr höret sie einmal zum Zeitvertreib, nachher mögt Ihr dran glauben oder nicht!

Der Veylland war ein alter Freund vom Graf Konrad von Wirtemberg, demselbigen, welcher den Grund zu meiner Vaterstadt gelegt, und trieb sein Wesen als ein stiller alter Herr in einem einzechten Gebäu, das stand daselbst im Tal unweit dem Platz, wo dermalen das Schloß zu sehen ist. Des Doktors vornehmstes Vergnügen war ein großer Garten hinter seinem Haus, drin pflanzte er das schönste Obst im ganzen Gau; nur daß ihm alle Herbst die Bupsinger Bauern die Hälfte wegstahlen trotz einer hohen Mauer, so rings um das Haus und den Garten her lief. Dies ärgerte den Herrn, daß er oft krank darüber ward. Jetzt kommt einmal am lichten Tag, indem er eben bei verschlossener Tür in einem alten Buch studiert, der Hutzelmann zu ihm, der Pechschwitzer, der Tröster (welchen zuvor der Doktor noch nicht kannte) und bietet ihm ein Mittel wider diese Gauchen mit dem Beding, daß er ihm alljährlich einen Scheffel gute Wadelbiren liefere zu Hutzeln. Der Doktor ging das unschwer ein. Da brachte jener unter seinem Schurzfell einen Stiefelknecht hervor von ordentlichem Buchenholz, noch neu und als ein wundersamer Krebs geschnitzt, mit einem platten Rücken und kurzen starken Scheren; am Bauch untenher war er schwarz angestrichen, darauf mit weißer Farbe ein Drudenfuß gemacht. Nehmt diesen meinen Knecht, sagte der Hutzelmann, und stellt ihn, wohin Ihr wollt im Haus, doch daß er freien Paß in Garten habe, etwa durch einen Kandel oder Katzenlauf! Im übrigen laßt ihn nur machen und kümmert Euch gar nichts um ihn! Es kann geschehen, daß Ihr mitten in der Nacht hört einen Menschen schreien, winslen und girmsen: da springet zu, greifet den Dieb und stäupet ihn! Dann sprechet zu dem Knecht die Wort’:

Zanges, Banges, laß ihn gahn,