Er lief zum Krämer stracks, zu holen, was er brauchte. Daheim in einer hintern Stube setzte er sich an einen langen Tisch mit einer Halbmaß Wein, macht allda unterschiedliches Gemeng mit seinem besten Essig an zu einem schwarzen Quatsch, knetet und knauzet’s wohl unter dem Daum, probiert’s auf alle Weise, und war ihm lang’ nicht fein genug. Das dauerte bis an den andern Abend.
Wie nun der Hutzelmann auf die gesetzte Stunde pünktlich kam und ihm der Bläse mit Geschmunzel seinen Teig hinhielt, roch der daran und sagte: „Lieber Mann, da hätten wir halt eine neue Schuhwichs?“ — „Aufzuwarten, ja.“ — „Mich will bedünken,“ sprach lächelnder Miene der Kleine, „Ihr habt selbst noch weit hin, bis Ihr das Bulver find’t, und habt jetzt nur viel Arbeit, Müh und Kösten unnötigerweis gehabt mit mir. Dafür wie auch um andrer Einbuß willen soll Euch indes Vergütung werden. Ich will Euch das Rezept zu meiner Fett-Glanz-Stiefelwichsen geben, die mögt Ihr schachtelweis mit gutem Vorteil verkaufen.“
Das Männlein wußte wohl, was es hiermit verhieß: denn Meister Bläse ward ein reicher Mann mit solcher Handelschaft in wenig Jahren. Seine Erben bewahren annoch das Geheimnis, und allen feinen Leuten unsrer Tage wüßt’ ich fürwahr eine bessere Wichs nicht zu nennen, obwohl ich nicht verschweigen darf, was der Pechschwitzer dazumal eben dem Bläse gar ehrlich bekannte: „Ein Ledder, wohl zu halten nach Ledders Natur, ist das fürnehmst der Schmeer allezeit, und hat er Glanzes genug an ihm selbsten.“ Welcher Ausspruch indes hier dahingestellt bleibe.
Laßt aber sehen, was seither der Gesell in Ulm für Glückssprünge mag gemacht haben!
Zween Monat — eher drunter als drüber — kann er daselbst gewesen sein, da war er mürb und gar bereits vor Liebe zu der Meisterin, und wenn er wohl bisweilen meinte, ein wenig mehr Gespräch und Fröhlichkeit stünd’ ihr gut an, so dachte er doch immer gern eines alten wahrhaften Worts: Stille Schaf seind mille- und wollereich, wird ihnen gewartet. Alle Samstag nacht, wenn er auf seine Kammer ging, sprach er bei sich: Jetzt morgen tragst du ihr die Heirat an! Und wenn er eben drauf und dran war, ließ er’s wieder aus Blödigkeit und Sorge, sie möchte ihn zuletzt doch stolz ablaufen lassen.
Nun hatten sie einsmals ein Schweinlein gemetzelt, das zweite seitdem man den Lichtbraten hatte — es war schon im Hornung und schien ein vorzeitiger Frühling zu werden — da befand sich der Seppe am Morgen allein mit ihr in der Küche, das Fleischwerk in den Rauch zu hängen. Inmittelst, als er sich die Leiter unter dem Schlot zurechtstellte, die Würste sich in Ringen um die Arme hing, erzählte er ihr von Regensburg und Regensburger Würsten, was er vom Hörensagen wußte, und wie er so mit seiner Tracht aufstieg in das Kamin, sie aber unten stand beim Herd, sprach sie: „Nach Regensburg geht Ihr doch noch; es liegt Euch allfort in Gedanken.“
Der Seppe, weil sie ihm nicht ins Gesicht sehn konnte — denn oberhalb stak er im Finstern — nahm sich ein Herz und sagte: „Wenn es auf mich ankäm’, ich wollte leben und sterben bei Euch.“
„Ihr sollt auch unvertrieben sein!“ gab sie zur Antwort.
„Ja,“ sagte er und stockte, „es mag halt einer doch auch nicht sein Leben lang ledig verbleiben.“