S. [77]. Wuhr (das), Wehr. „Ich hab gebawen die wasserwure“ (Buch der sterb. Menschh.). — Gottig, gotzig, gotteseinzig, einzig. — Trischacken, eine Art Kartenspiel. Ital. i tre sciacchi.
S. [78]. Schiedfell, Zwerchfell, weil es Herz und Lunge von den andern Eingeweiden scheidet; diaphragma. — Faxen, auffallende, lächerliche Gesten.
S. [79]. Seellos, ruchlos. „Die Trewloßen, Ehrloßen und Seelloßen bauren“ (Brief an Schwäb. Hall im Jahre 1525). — Ich habe Kreuz — ab. Diese Zeilen fand der Verfasser selbst an einem ähnlichen Ort auf freiem Felde von einer ungeübten Hand mit Kreide angeschrieben.
S. [82]. Verbutzen, vermummen. „An Fastnacht soll sich niemand verbutzen, verkleiden, verwelchen“ (von Wale, Walch, Welscher, Fremder). Ulm, Verordn. v. J. 1612. Die Butz heißt Scherz, Betrug, Lüge; der Butz, Narr, Possenreißer, Larve.
S. [83]. Verhansleartlen, auf eine einfältige Weise verlieren, versäumen. Hans Leand, Hans Leard, Johann Leonhard, wird zur Bezeichnung eines einfältigen Menschen gebraucht.
S. [84]. Morgenatz, Frühstück (Marchth. Chronik).
S. [86]. Bartzefant (der), Diener. Franz. poursuivant.
S. [87]. Korabelle, Buhldirne, wahrscheinlich aus mia cara bella entstanden und auf Barbara, in der Volkssprache Belle, anspielend; kommt noch in Weitzmanns Gedichten vor. — Knegler, einer der stark durch die Nase redet. — Sotterer, ein siecher Mensch; von sottern, kränkeln; mit Sucht verwandt. — Ungeschaffen, ungestaltet. „Da (in Cannstatt) ist alle Jar ain tag haißt der ungeschaffene tag, vonn mannen Jungen gesellen weiber vnd Jungfraw vnnd welcher der vngestaltest ist der gewindt ain Rockh vnnd ander ding darzu vnnd welche die vngeschaffnest ist die gewindt ain Gurttl pewtel (Beutel) Handschuh vnnd ander Ding“ (Ladisl. Sunthaim, Historiograph des K. Maximil. I. S. Memmingers Cannstatt).
S. [88]. Grüß dich Gott, herzlieber usw., ein altes Volkslied, aus des Knaben Wunderhorn (II, 300) mit einiger Veränderung entlehnt.
S. [89]. Wurstelmaukeler, maucheln, maukeln, maunkeln, mockeln, vermockeln, verstecken, heimlich zu Werke gehen, betrügen (bemogeln); daher Butzenmaukeler, die verkleidete Person, welche ehemals an Fastnacht, an Nikolai oder zu Weihnachten, die Kinder zu erschrecken, aufgestellt wurde. Die Verbindung mit Wurst in unserm Text ist willkürlich und diese Gestalt dem Pfingstlimmel nachgebildet. Es war dies ein Knabe, welcher zur Pfingstzeit, vom Scheitel bis auf die Füße ganz mit frischem Grün und Feldblumen umflochten, entweder zu Fuß oder auf einem Pferde sitzend und von zwei andern Burschen geführt, in der Stadt oder im Dorf herumzog. Den Kopf bedeckte eine ellenlange, spitze Kappe von Laubwerk, und das Gesicht war zuweilen mit Baumrinde verlarvt. Der Verfasser fand diese Sitte noch auf der Alb, in Ochsenwang. Zu Augsburg, wo man Schilf zu der Verkleidung nahm, hieß ein solcher Knabe der Wasservogel. — Blunz (der), dicke Blutwurst. — Stampaney (die), Ersonnenes, Erdichtetes, Märchen; von Stampf, weil Bilder mit dem Stampf abgedruckt wurden. Josua Mahler (im Jahre 1551) sagt, nachdem er die in der Hauptkirche zu Aachen vorgezeigten Reliquien aufgezählt hat: „Es ist dies Münster ein rechter Kramladen zu derley Stampaneyen.“