S. [90]. Der Siedig, der Angstschweiß.

S. [91]. Leiresblosel, Leiresbläslein, soviel als: ein dummes Ding; mag von Leier und Blasen herkommen, zunächst also: schlechtes Geleier.

S. [93]. Bärig, kaum.

S. [95]. Zwilch (der), grobe Leinwand.

S. [96]. Medey, ein Kleinod, vielleicht eine Medaille, zum Hutschmuck gehörig. „Ob dem stulp (des spanischen Huts) ging ein Schnur vmbher. Nicht anderst alß wenns ein Kron wer; Gar köstlich von schönen Medeyen, Orndlich gesetzet nach der Reyen, Treflich vil schöne Edel Stein Theurer art dran gestanden sein“ (Aus Fürstl. Würt. Pomp und Solennität durch M. Jo. Ottingerum beschrieben, Stuttg. 1607.) „Medeyen oder Rosen an der Cleinodschnur“ (ebendas.). — Stotzenglas, kurzes Kelchglas mit einem Fuße. — Hohlippen, hohle Hippen, gerolltes Oblaten-Gebackenes. — Krapf, mit Obst, Weinbeeren, Rosinen und dergl. gefülltes Backwerk. Im Altdeutschen bedeutet das Wort einen gekrümmten Haken.

S. [99]. Schaufalt (der Falt, schwäb.), die Falte an Tüchern, die nach außenhin, um besonders gesehen zu werden, gelegt wird; daher das Vorzüglichste seiner Art, womit man prangt, z. B. eine Person in einer Familie. Aehnlich ist Ausbund: was im Zusammenbinden auswärts gerichtet wird, und ebenso das vormals gebräuchliche Ueberbund. — Datte, Vater (Kindersprache). In einigen Orten Württembergs war ehemals die Gewohnheit, daß Ehezwistigkeiten, ehe sie zu sehr überhand genommen, durch einen stattlichen, untadelhaften Mann im Dorfe, den man den Datte nannte, der aber unbekannt blieb, gerügt und bestraft wurden. Er klopfte nämlich, von zwei selbstgewählten Gehilfen begleitet, an dem Hause uneiniger Eheleute an, antwortete auf die Frage: „Wer da?“ bloß: „Der Datte kommt“ und ging ohne weiteres wieder weg. Hörte der Zwist nicht auf, so erschien er zum zweitenmal und beobachtete dasselbe. Blieb auch dies ohne Erfolg, so kam er zum drittenmal vermummt, drang in das Haus und prügelte den schuldigen Teil tüchtig ab. Der Mißbrauch hob diesen vielleicht altgermanischen Gebrauch auf. — Zwilauf, Zwist. „Peter Vngelter vf der Stette haissen gen Straßburg verritten von Irer zwilöff wegen dorvnter zu reden“ (aus e. Städterechnung).


[1] Joh. Christoph v. Schmid, Schwäb. Wörterbuch (Stuttgart 1831) S. 73.

[2] Vgl. Reclams Univ.-Bibl. 1921-24, S. 59. Anm. d. Hrsgs.

[3] A. a. O. S. 551.