2. Familie Cactaceae. Diese auf Amerika beschränkte Familie umfaßt blattlose Stammsukkulenten von sehr geringen bis zu gewaltigen Dimensionen, deren Zwitterblüten strahlig, seltener dorsiventral sind mit vielzählig spiraligem, langsam von Kelch in Krone übergehendem Perianth und vermehrtem Andröceum und Gynäceum. Der unterständige Fruchtknoten ist einfächerig und enthält zahlreiche wandständige Plazenten mit langgestielten Samenanlagen. Die Früchte werden zu Beeren, deren Fleisch wesentlich aus diesen Samenstielen hervorgeht.
Stammbaum des Astes der Centrospermen und der anschließenden Familien nach den sero-diagnostischen Untersuchungen von F. MALLIGSON.
Nur Peireskia und einzelne Opuntia-Arten haben noch Blätter, andere Opuntien nur flache Sproßglieder ([Fig. 195]). Cereus ([Fig. 199]), Echinocactus u. a. haben Längsrippen, Mamillaria freie Höcker (Mamillen); die zahlreichen Dornbüschel auf den Gliedersprossen, den Rippen oder den einzelnen Mamillen entsprechen je einem Achselsproß, dessen Tragblatt verkümmert ist, während die Blattanlagen der verbreiterten Sproßachse in Dornen umgebildet werden ([Fig. 669]).
Cactaceae bilden einen Hauptbestandteil der Vegetation im regenarmen Südwesten der Vereinigten Staaten von Nordamerika, Mexiko und den Anden Südamerikas. Ihre eigenartige Gestaltung kehrt bei Euphorbiaceen und Asclepiadaceen unter ähnlichen klimatischen Bedingungen wieder (vgl. [S. 149]). (Konvergenzerscheinung.) Die Gattungen Rhipsalis, Epiphyllum und Phyllocactus enthalten zahlreiche epiphytische Formen. Im Mittelmeergebiet verwildert: Opuntia Ficus indica, deren Früchte genießbar sind, wie auch zahlreiche andere Arten der Familie in ihrer Heimat als Obstbäume geschätzt werden. Einige Cactaceae, wie Anhalonium u. a., führen stark giftige Alkaloide und Saponine. Opuntia und Nopalea-Arten (Nopalea coccinellifera) dienen zur Kultur der Cochenille-Schildlaus, die den Karminfarbstoff liefert.
Fig. 669. Cereus geometrizans. Zwei Rippen eines fünfrippigen Stammes mit Blüten und Früchten. 3⁄4 nat. Gr.
3. Familie Caryophyllaceae. Hierher gehören Kräuter mit einfachen, lineal-länglichen, in der Regel gegenständigen Blättern und pentazyklischen fünfzähligen Blüten mit Kelch und Krone; die Andröceumkreise sind obdiplostemon, und der einfächerige Fruchtknoten ist oft unvollständig gefächert. K5, C5, A5 + 5, G(5) ([Fig. 671]). Die Kapselfrüchte bergen zahlreiche Samen, die einen um das mehlige Perisperm herumliegenden gekrümmten Embryo enthalten.
Fig. 670. Saponaria officinalis. 1⁄2 nat. Gr. — Giftig.