Offizinell ist Semen Strophanti ([Fig. 754])[494] von der afrikanischen Liane Str. Kombé (Pharm. germ., austr., helv.), Kautschuk[495] (Pharm. germ.) von Kickxia elastica, Landolphia-Arten, Carpodinus-Arten, alle im tropischen Afrika beheimatet, ferner von dem brasilianischen Baum Hancornia speciosa und der malayischen Lianengattung Willoughbeia; Guttapercha (Pharm. germ.) von Tabernaemontana Donnell Smithii (Mittelamerika) und endlich Cortex Quebracho von Aspidosperma Quebracho (Pharm. helv.).
Die 5. Familie der Asclepiadaceae gleicht in allen Punkten der vorigen, besitzt aber freie, nur durch die prismatische ([Fig. 755]) Narbe zusammengehaltene Fruchtblätter. Ihre Staubblätter sind an der Basis vereinigt und tragen dorsale nektarführende Anhängsel, welche eine Nebenkrone bilden. Die Pollenmassen bleiben fachweise zu Pollinien verklebt, deren Stiele an drüsigen Schwellungen des kantigen Narbenkopfes, den Klemmkörperchen, festsitzen. Diese alternieren mit den Staubblättern, so daß von den an einem Klemmkörperchen hängenden Pollinienpaaren je eines dem rechten und dem linken Nachbarstaubblatte entstammen. Besuchende Insekten nehmen, ähnlich wie bei den Orchidaceen, die ganzen Pollinien mit fort und übertragen sie auf andere Blüten ([Fig. 755]).
Einheimisch ist nur Vincetoxicum officinale ([Fig. 756]), eine unscheinbare, aber giftige Staude mit kleinen weißen Blüten und langbehaarten Samen in den Balgfrüchten. Die übrigen Asclepiadaceen sind meist Bewohner der Tropen und Subtropen. Besondere Erwähnung verdienen die sukkulenten Stapelia-, Hoodia-, Trichocaulon- usw. Arten, kaktusähnliche (Konvergenz) Pflanzengestalten der südafrikanischen Wüsten, und die eigenartige Kannenpflanze des Malayischen Gebietes, Dischidia Rafflesiana[496] ([Fig. 211]), deren Kannen als Wasserkondensatoren dienen. Vielfach kultiviert wird Hoya carnosa, die Wachsblume, und zahlreiche Ceropegia-Arten mit eigenartig überdachten Blüten. Offizinell: Cortex Condurango (Pharm. germ., austr., helv.) von Marsdenia Cundurango, einer in Ecuador und Columbien heimischen Liane.
Die 3. Ordnung der Sympetalen sind die Tubiflorae,
denen man Beziehungen zu den Gruinales und Rosifloren zuschreibt. Fünfzählige, oft dorsiventrale Blüten mit zweifächerigem Fruchtknoten, der in jedem Fache zwei durch falsche Scheidewände getrennte Samenanlagen führt. Die normale Zahl der Staubblätter wird bei den dorsiventralen Blüten auf vier, bisweilen auf zwei reduziert.
An den Anfang sei die strahlblütige 1. Familie der Convolvulaceae, der Windengewächse, gesetzt, deren Angehörige vielfach Schlingpflanzen sind mit wechselständigen, pfeilförmigen Blättern und weiten trichterförmigen, in der Knospenlage längsgefalteten Blumenkronen. Die Frucht wird zu einer Kapsel mit aufrechten Samenanlagen. Unsere häufige Ackerwinde, Convolvulus arvensis, an allen Wegrainen, in Getreidefeldern usw. verbreitet, trägt blattachselständige langgestielte Einzelblüten. Die großblütige Zaunwinde, Calystegia sepium, hat zwei große Vorblätter unter dem Kelche. Auch die auf Weiden, Urticaceen und sonst parasitierenden Cuscuta-Arten mit ihren bleichen Stengeln und geknäuelten kleinen Blüten gehören hierher ([Fig. 219]). Ipomoea, als schönfarbige Sommerblume bekannt, liefert das pantropische Strandgewächs I. pes caprae. Nahe verwandt ist Pharbitis ([Fig. 303], [S. 282]). Offizinell sind Tubera Jalapae (Pharm. germ., austr., helv.) von Exogonium Purga ([Fig. 757]), ferner Scammonium (Pharm. helv.) von Convolvulus Scammonia (Kleinasien).
Fig. 757. Exogonium Purga. 1⁄2 nat. Gr. Nach BERG und SCHMIDT. — Offizinell.
Fig. 758. Borrago officinalis. a Blüte, b und c Frucht. Nat. Gr.