Zu den Gräsern zählen als wichtige Nutzpflanzen vor allem die eigentlichen Brotpflanzen: Der Weizen, Triticum ([Fig. 830] B und D), mit einzelstehenden zwei- bis vielblütigen Ährchen, deren Hüllspelzen breiteiförmig sind ([Fig. 831] B). Von Weizenarten unterscheidet F. KOERNICKE 1. Tr. vulgare, Saatweizen mit verschiedenen Unterarten; 2. Tr. polonicum, Polnischer Weizen; 3. Tr. monococcum, Einkorn. Der Roggen, Secale cereale ([Fig. 830] A). Die Ährchen stehen einzeln und sind zweiblütig, ihre Hüllspelzen pfriemlich ([Fig. 831] A). Die Gerste, Hordeum vulgare ([Fig. 830] C). Die einblütigen Ährchen stehen zu dreien, bei den Unterarten H. hexastichum und H. tetrastichum sind alle Reihen, bei H. distichum ist nur die Mittelreihe fruchtbar. Der Hafer, Avena sativa, und der Mais, Zea Mays. Alle diese sind der Kultur in gemäßigtem Klima zugänglich. Ihre Heimat ist, bis auf die des amerikanischen Mais, voraussichtlich Westasien oder Südosteuropa; in wildem Zustand bekannt sind nur Triticum monococcum var. aegilopodioides als Stammform des Einkorns, Tr. dicoccoides als wahrscheinliche Stammform des Weizens, Secale montanum als Stammform des Roggens, Hordeum spontaneum, dem H. distichum nahestehend, Stammform der Gerste. Diese wilden Formen sind durch Auseinanderfallen ihrer Spindel bei der Fruchtreife gekennzeichnet, eine Eigenschaft, die für Kulturformen höchst unvorteilhaft wirken müßte.
Fig. 831. A Ährchen des Roggens, zweiblütig. B Ährchen des Weizens, mehrblütig.
Fig. 832. Oryza sativa. Blütenrispe, 1⁄2 nat. Gr. Einzelnes Ährchen, vergr. — Offizinell.
Das wichtigste tropische Getreide ist der Reis, Oryza sativa ([Fig. 832]), bis in die warm temperierten Länder hinein in größtem Maßstabe kultiviert ([Fig. 833]) und bei hinreichender Feuchtigkeit von unerreichter Fruchtbarkeit. Speziell in Afrika ist die Mohrhirse, Andropogon Sorghum, in mehreren Varietäten zu Hause. Sie bildet als Durrha die wichtigste Brotpflanze für diesen ganzen Kontinent; schließlich bleiben die im Mittelmeergebiet und in Asien kultivierten Panicum miliaceum, echte Hirse, und P. italicum, Kolbenhirse, zu erwähnen, beide asiatischen Ursprungs. Als Nahrungsmittel nimmt ferner das Zuckerrohr, Saccharum officinarum, ein übermannshohes, im tropischen Asien, Vorder- und Hinterindien beheimatetes perennierendes Gras, eine wichtige Stelle ein. Es wird zur Zeit überall in den Tropen kultiviert, um aus dem fleischigen Mark des hier nicht hohlen Stengels durch Auspressen und Eindicken des Saftes Rohrzucker zu gewinnen.
Als wichtige heimische Futtergräser unserer Wiesen mögen genannt sein:
Agrostis alba, Alopecurus pratensis, Anthoxanthum odoratum, Arrhenatherum elatius, Avena flavescens und pubescens, Briza media, Dactylis glomerata, Holcus lanatus, Lolium perenne, Phleum pratense, Poa pratensis; außerdem sind zu beachten Aira-, Bromus-, Calamagrostis-, Festuca-, Melica- usw. Arten. Eine außerordentlich mannigfaltige Anwendung finden endlich die baumförmigen tropischen Bambus-Arten in ihren stattlicheren Vertretern: Häuser, Wände, Fußböden, Leitern, Brücken, Stricke, Wasserkrüge, Kochgefäße, Wasserleitungsröhren usw. werden aus den Stämmen angefertigt, so daß diese Pflanzen für die dortigen Verhältnisse geradezu unentbehrlich genannt werden müssen.
Giftig: Der einjährige Taumellolch, Lolium temulentum ([Fig. 834]), hat in der Regel von Pilzhyphen umsponnene und dann durch Alkaloidgehalt giftige Früchte; pilzfreie Früchte der Pflanze sind unschädlich[509]. Die Pflanze ist einjährig, entbehrt der sterilen Triebe und kann dadurch leicht von den häufigen Lolium-Arten, perenne und multiflorum, unterschieden werden. Der Taumellolch ist das einzige giftige Gras.