[Kapitel III.]
Die Verträge vor dem Parlament.
Der angreifende oder sich rechtfertigende Ton der Minister der deutschen Despoten hatte wenig Einfluss, wenn ihre Herren sich einmal für eine Sache entschieden hatten. Der leidenschaftliche Protest eines jungen deutschen Poeten oder eines französischen Pamphletisten konnte schwerlich auf die Politik einen Einfluss ausüben. Der König von Preussen, dessen Wort in betreff des Verdingens von Soldaten für fremde Kriegsdienste Gesetz gewesen sein mag, zog es vor, mit Verachtung zu strafen, anstatt zu befehlen. Aber im Parlament von Gross-Britannien wurden die Verträge zwischen dem König von England und den deutschen Fürsten verhandelt durch verantwortliche Minister auf der einen Seite, und auf der andern Seite durch Staatsmänner, von denen einige eines Tages zur Macht gelangen konnten. Es ist richtig, dass die Majorität, welche die Regierung unterstützte, so erdrückend war, dass die Opposition keine Aussicht hatte, sie zu stürzen. Aber es lässt sich kaum bezweifeln, dass, obwohl die grössere Stimmenzahl auf Seiten der Tories im Parlament von 1776 war, das geistige Übergewicht auf Seiten der Whigs sich befand.
Am 29. Februar 1776 beantragte Lord North, die Verträge zwischen Seiner Majestät und dem Landgrafen von Hessen-Cassel, dem Herzog von Braunschweig und dem Erbprinz von Hessen-Cassel dem »Committee of Supply« zu überweisen. Er sagte, dass Truppen das beste und radikalste Mittel wären, um Amerika zum verfassungsmässigen Gehorsam zu zwingen, da man Soldaten auf diese Weise schneller und zu günstigeren Bedingungen bekommen könnte, als durch Aushebungen in der Heimat; dass die gemieteten Truppen weniger kosten würden, als man erwartet hätte und schliesslich, dass die Truppenmacht, die sie im Stande sein würden, nach Amerika zu senden, genügen würde, nach menschlicher Berechnung, das Land zu zwingen sich zu unterwerfen, vielleicht ohne ferneres Blutvergiessen.
Lord North wurde unterstützt von Mr. Cornwall, der das hohe Haus versicherte, dass er besser wie irgend Jemand in demselben Gelegenheit gehabt hätte, Mittel und Wege kennen zu lernen mit den deutschen Prinzen zu verhandeln und Truppen zu besorgen; dass seine jahrelange Stellung (als Sekretär in dem Zahlamt während des deutschen Krieges) ihm diese Gelegenheit gegeben hätte; und er wäre erstaunt zu hören, dass Leute, die mit den deutschen Verhältnissen bekannt wären, die gegenwärtigen Bedingungen ungünstig fänden. Er bestritt, dass die dem Herzog von Braunschweig im Voraus bezahlten zwei Monate Sold nichts weiter als ein Douceur wären, und blieb dabei, dass die Truppen unter besseren Bedingungen wie je zuvor zu bekommen wären, besonders wenn das Geschäft noch im Laufe des Jahres effektuiert werden könnte, woran er keinen Grund hätte zu zweifeln.
Lord George Germaine verteidigte die Vorlage auf Grund der Notwendigkeit. Er zählte eine Reihe von Präzedenzfällen auf, um zu zeigen, dass in jedem Krieg oder Aufstand, England zu fremden Truppen seine Zuflucht hätte nehmen müssen um die Schlachten zu schlagen und das Land zu verteidigen. Lord Barrington, der im Innersten seines Herzens das allgemeine Verhalten der Regierung nicht gebilligt und der vergeblich den König gedrängt hatte, seine Entlassung anzunehmen, hatte die Vorlage in ähnlichem Sinne unterstützt. Er gab zu, dass der Handel kein günstiger sei, aber immerhin der beste, den man abschliessen könnte.
Auf der anderen Seite verwarf Lord John Cavendish die Vorlage in allen ihren Teilen. Britannien würde sich in den Augen von ganz Europa bloss stellen. Er machte Einwendungen gegen jeden einzelnen Paragraphen des Vertrags und hob hervor, dass eine Truppenmacht von 12,000 Fremden in das Gebiet der britischen Krone befördert werden sollte ohne unter Kontrolle weder des Parlaments noch des Königs zu stehen; denn der Vertrag sagte ausdrücklich, »dass dieser Truppenkörper unter dem Befehl der Generale bleiben sollte, denen er von Seiner Hoheit (dem Landgrafen) anvertraut würde.«
Lord Irnham zweifelte an der Kompetenz der Fürsten, solche Verträge abzuschliessen. Er hielt es für nicht vereinbar mit ihren Pflichten gegenüber dem Reiche, sie machten sich dadurch in den Augen von ganz Europa ehrlos und verächtlich: zur Unterstützung despotischer Gewalt eine Pflanzschule von Soldaten zur Verfügung zu stellen, denen, die mehr Geld, aber nicht mehr Recht und Wert hätten als die, die sie durch Geld unterwerfen wollten. Er verglich die Fürsten mit Sancho Pansa, der wünschte, dass wenn er ein Fürst wäre, alle seine Unterthanen Sclaven werden würden, die er durch Verkauf zu Geld machte.
Mr. Seymour antwortete Mr. Cornwall und forderte ihn auf, einen einzigen Fall anzuführen, in dem dieselbe Anzahl Truppen während derselben Zeit der Nation so viel Geld gekostet hätte.