Der Earl of Carlisle war überzeugt, dass die Arbeitskräfte, die durch die Industrie in Anspruch genommen würden, der geringe Nutzen einer neuen Aushebung, wenigstens für die erste Kampagne und der Wunsch jedes Vaterlandsfreundes, den unglücklichen Verhältnissen ein schnelles Ende bereitet zu sehen, dass dies Alles die Notwendigkeit der Verwendung fremder Truppen genügend rechtfertigen würde. Man sollte bedenken den schwerfälligen Koloss, den das Reich bildete und die Operationen, die selbst im Falle eines Defensivkrieges nötig sein würden, und stellte anheim, ob es einem so unbedeutenden Stück Land, wie die Insel Gross-Britannien möglich sei, eine Zahl aufzubringen, die genügten, um Operationen zu führen, die derartige Anforderungen stellen würden.

Die Debatte zog sich sehr in die Länge und wurde mit grosser Erbitterung geführt. Auf Seiten der Whigs klagte der Duke of Cumberland — »Braunschweiger zu sehen, die einst — was ihnen zu grosser Ehre gereichte — zur Verteidigung der Freiheiten der Unterthanen Verwendung fanden, und jetzt nach einem andern Teil des grossen Reiches gesandt werden, um sie der konstitutionellen Freiheiten zu berauben.« Der Duke of Manchester führte aus, dass der Mensch für einen Söldling gehalten werden müsste, der für Geld um einer Sache willen kämpft, an der er keinen Anteil hat. Der Earl of Helburne gab die Notwendigkeit der Verwendung fremder Truppen nicht zu und wurde hierin von Lord Carnden unterstützt, der das hohe Haus fragte, ob nicht der ganze Vertrag eine Zusammensetzung von Schande, Niederträchtigkeit und Betrügerei wäre, wie sie noch nie dem Parlament zugemutet worden wäre. »Ist einer unter Ihnen my lords,« fragte er, »der nicht vollkommen einsieht, dass das Ganze ein rein gewinnsüchtiger Handel ist, bei dem von der einen Seite Truppen gedungen, von der andern menschliches Blut verkauft wird; und dass die geduldigen Opfer, zum Abschlachten verkauft, die grössten Söldlinge in des Wortes schlimmster Bedeutung sind?«

Die Tory-Lords scheinen sich weniger an der Debatte beteiligt zu haben, wahrscheinlich, weil sie es für unnötig hielten zu sprechen, da sie in der Majorität waren. Die Vorlage wurde mit 100 gegen 32 Stimmen abgelehnt.

Es scheint mir, als ob die Lords nicht ganz gerecht in ihrem Urteil über die deutschen Soldaten gewesen wären. Die meisten dieser armen Teufel fochten nicht um Geld, sondern weil sie es nicht ändern konnten. Die Leute, die wirklich »Söldlinge in des Wortes schlimmster Bedeutung« waren, waren der Landgraf, der Herzog und die Fürsten; aber man konnte von den edlen Lords kaum erwarten, dass sie dies aussprechen würden.

Was die Haltung der britischen Regierung beim Anwerben der Truppen anbetrifft, so ist klar, dass ihr kein anderer Weg übrig blieb, wenn der Krieg energisch durchgeführt werden sollte. Infolge des Misskredits, in dem reguläre Soldaten bei den Engländern standen, war die britische Armee zu Friedenszeiten nicht so stark wie die Zahl, die jetzt im Ausland aufgebracht werden sollten. Werbungen waren mit Schwierigkeiten verbunden, man erhielt durch sie nur rohe Rekruten. Die Konscription ist ein Ding der Unmöglichkeit in England. Wenn man Leute haben wollte, musste Lord North sie in Deutschland suchen.

Die Regierung und das Reich aber bezahlten einen enormen Preis für die Hilfstruppen. Die Antwort auf den Vertrag mit dem Landgrafen war die Unabhängigkeits-Erklärung. Die Verwendung von fremden Soldtruppen durch die britische Regierung wirkte zum grossen Teil mit, die Amerikaner zu dem Entschluss kommen zu lassen, ihre Lehnspflicht gegen die englische Krone abzuschütteln und Bündnisse mit deren früheren Feinden zu suchen. Die Gefahr, auf die in dem Protest der Lords hingewiesen worden war, wurde zur Wirklichkeit, und Männer von englischem Blut behaupteten, dass Frankreich ein ebensolches Recht wie Hessen hätte, sich in ihre inneren Streitigkeiten zu mischen.


[Kapitel IV.]

Die Soldaten.

Die Soldaten, welche die deutschen Fürsten an England vermieteten zur Unterdrückung der amerikanischen Revolution wurden auf verschiedene Weise zusammengebracht. In Hessen-Cassel war das Land in Distrikte eingeteilt gewesen, von welchen jeder eine bestimmte Anzahl Rekruten für ein bestimmtes Regiment zu stellen hatte. Die Offiziere waren indessen angehalten worden, soviel Fremde wie möglich der Armee zuzuführen, um die eigenen Distrikte zu schonen, deren Einwohner immer bei der Hand sein würden, wenn man ihrer im Notfall bedürfte. Es stand in den Armee-Vorschriften, dass diejenigen Regiments-Kommandeure oder Hauptleute sich am besten empfehlen würden, wenn sie versuchten, fremde Rekruten einzureihen. Die zwangsweise Rekruten-Aushebung war verboten, doch diese Bestimmung sollte wahrscheinlich nur auf die Eingeborenen Anwendung finden. Jedenfalls scheint es nicht die Thätigkeit der Werbeoffiziere vermindert zu haben, und in den kleineren Staaten hat wahrscheinlich ein solches Gesetz überhaupt nicht existiert. In Anspach durfte Niemand ohne Erlaubnis das Land verlassen oder heiraten. Es muss dabei erwähnt werden, dass in diesem Fall mit Land nicht Deutschland, sondern die Territorien des Markgrafen gemeint waren, und dass die Fremden, die der Landgraf angeworben haben wollte, die Unterthanen der benachbarten kleinen Fürsten waren. Werbeoffiziere waren über ganz Deutschland hin thätig. Lüderliche Kerle, Trunkenbolde, Vagabunden und Leute, die politische Umtriebe machten, wurden, wenn sie nicht über 60 Jahre alt, gesund und gut gewachsen waren, zwangsweise eingestellt. Mit dem Geschenk eines grossen, robusten Mannes empfahl sich ein Fürst dem andern in der angenehmsten Weise; in jedem Regiment waren viele Deserteure von anderen Staaten. Zusammen mit dieser gemischten Gesellschaft diente der ehrliche deutsche Bauernbursche. Es muss noch erwähnt werden, dass die Regimenter, die nach Amerika geschickt wurden, aus einem bessern Material bestanden, wie die Regimenter zu gewöhnlicher Zeit. —