SCHLACHT VON LONG ISLAND
August 1776.

»Unter den gefangen genommenen Offizieren fand ich nicht einen einzigen, der in fremden Diensten gewesen wäre. Sie sind nichts als Rebellen und hiesige Bürger. Schneider Graul würde eine bedeutende Rolle hier spielen.« Oberst von Heeringen findet es weit ehrenwerter, für anderer Völker Streitigkeiten zu kämpfen, als für die eigenen. Einem Mann, der einst Söldner war, konnte schon eher vergeben werden, wenn er zu den Rebellen gehörte. »Mylord Stirling ist ein échappé de famille und gilt nicht als Lord in England.« Er sieht dem Lord Granby ähnlich wie ein Ei dem andern. General Putnam ist Metzger von Profession. Er kommt mir wie Metzger Fischer in Rinteln vor. Die Rebellen desertieren in grosser Zahl; es ist gar nichts, Obersten, Oberstlieutenants und Majors mit ganzen Trupps von Leuten zu uns übergehen zu sehen. Die genommene Fahne, die von rotem Damast gemacht ist mit dem Motto »Liberty«, erschien mit 60 Mann vor Ralls Regiment. Sie hatten alle ihre Gewehre umgekehrt und die Hüte unter dem Arm, fielen auf die Knie und baten flehentlich um ihr Leben. Kein Regiment ist richtig uniformiert oder bewaffnet. Jeder Mann hat eine schlechte Flinte, solche, mit denen die hessischen Bürger am Himmelfahrtstag ausrücken. Stirlings Regiment jedoch hatte blau und rote Uniform, war drei Bataillone stark und bestand meistens aus Deutschen, die sich aus Pennsylvaniern rekrutierten. Es waren grosse, schöne Leute, die vorzügliche englische Gewehre mit Bajonett hatten. Diesem Regiment standen die Engländer gegenüber und da diese sie für Hessen hielten, so feuerten sie nicht. Doch dieser Irrtum kostete sie Oberst Grant, mehrere andere Offiziere und 80 Mann. Sie bekamen eine Salve. Die Engländer sammelten sich, griffen mit dem Bajonett an, schlugen alles zu Boden, und was nicht massakriert war, wurde gefangen genommen. In kurzer Zeit war das ganze Regiment vernichtet. Die Artillerie der Rebellen ist sehr schlecht, die Kanonen meist von Eisen und auf Schiffskarren gesetzt.

Es ist behauptet worden, dass in dieser Schlacht die Engländer und Hessen keinen Pardon gaben, wenn er verlangt wurde. Oberst von Heeringen sagt: »Die Engländer gaben selten Pardon und forderten beständig die Unsrigen auf, dasselbe zu thun.« Man sagt auch von den Amerikanern, dass sie geglaubt haben, die Hessen gäben keinen Pardon und dass sie infolge dessen mit einer eigentümlichen Verzweiflung gefochten haben sollen, nachdem sie alle Hoffnungen aufgegeben hatten. Die Thatsache, dass sie beiderseitig sich nicht verstanden, mag dahin geführt haben, die Möglichkeit der Übergabe zu verringern; auch mag zur Erhöhung der Wut beigetragen haben, dass einige Amerikaner die, welche sie gefangen genommen, verräterisch angegriffen hatten. »Sie waren,« sagt Lieutenant Rüffer in seinem Tagebuch, »so furchtsam, dass sie es vorzogen zu fallen, als Pardon anzunehmen, da ihre Generale und Offiziere ihnen gesagt hatten, sie würden gehängt.« Sicherlich der komischste Beweis von Feigheit, der jemals gegen Soldaten erbracht worden ist.

Nach dem Verlust einer so wichtigen Stellung und von so vielen Leuten im Verhältnis zur Zahl seiner kleinen Armee, fand es Washington nicht ratsam, die Befestigungen von Brooklyn länger zu halten zu suchen; nachdem er gesehen hatte, dass die englische Flotte sich anschickte den East River in Besitz zu nehmen und seine Rückzugslinie abzuschneiden, verliess er Long Island in der Nacht vom 29. zum 30. August und ging nach New-York über, wohin alle Vorräte und Kanonen, ausgenommen einige schwere Geschütze, die im Schmutz stecken blieben, gebracht wurden. Eine Mythe durchlief die Reihen der Hessen, wonach ein Befehl Washingtons in dem eroberten Lager gefunden worden sei, welcher sagte, da es doch unmöglich sei, solchen grausamen und schrecklichen Feinden, wie den Hessen, Widerstand zu leisten, so möchte jeder sehen, wie er am besten entkommen könnte. Dies war also die erste Schlacht der deutschen Truppen in der neuen Welt. Die Verachtung, die sie vor einem solchen rebellischen und undisziplinierten Feinde hatten, war nur vermehrt worden, eine Verachtung, welche völlig auszurotten, nur eine lange Reihe von Kriegs- und Unglücksjahren im Stande war.


[Kapitel VII.]

Von der Okkupation von New-York bis zur Wegnahme von Fort Washington, 15. September bis 16. November 1776.

Es existiert nicht mehr Vieles, was den jetzigen Einwohner von New-York an die kleine Stadt erinnern könnte, die vor 100 Jahren an der Südspitze von Manhattan Island lag. Es war ein hübscher Ort, mit grossen bequemen Häusern, die meist von gelben Ziegelsteinen gebaut waren. Die Räume darin waren kärglich eingerichtet, der Fussboden mit Sand bestreut, und die Wände mit hohem, gemalten Täfelwerk versehen. Die Büffets, die in den besseren Häusern von solidem Mahagoni waren, waren mit glänzendem zinnernen Gerät besetzt, oft auch mit solidem Silber für besondere Gelegenheiten. Die Strassen waren krumm und hatten Rinnen in der Mitte, waren aber vollständig rein und mit Bäumen besetzt. Vor dem Kriege hatte der Ort über 20000 Einwohner gehabt, viele aber waren bei der Annäherung der streitenden Armeen geflohen. Es gab dort viele Tories, besonders unter den Reichen.

Zur Zeit, als Washington sich von Brooklyn zurückzog, wurde New-York verteidigt durch ein permanentes Fort, mit Namen Fort George, im Westen von einer Batterie, und durch provisorische Werke, die am Ufer entlang an verschieden Stellen aufgeworfen waren. Im Norden, landeinwärts, wurde der Broadway in der Nähe des Bowling Green durch eine Schanze gesperrt, und eine zweite befand sich in der Gegend des heutigen Centre-Market. Jenseits der Befestigungen lag eine Gegend, »die schönste, die ich je gesehen habe,« sagt ein hessischer Offizier.[3] Kornfelder, Wiesen und Obstgärten bedeckten das reizende Gelände, und von den Gipfeln der Berge und Hügel schauten die alten Kolonialhäuser, jedes mit einer Piazza und mit einer Ballustrade umgeben, herab in die lächelnde Landschaft. Der hessische Lieutenant bezeichnet sie in seinem Enthusiasmus mit Schlössern. Doch in der That, es war eine Vornehmheit in der Bauart der besten Wohnhäuser der damaligen Zeit, welche diese Bezeichnung nicht ganz unberechtigt erscheinen lässt.