[3] Lieutenant Hinrichs.
Trotz aller Anstrengungen Washingtons und des Kongresses, im Besitz von New-York zu bleiben, war die Stadt doch völlig widerstandsunfähig. Die Engländer hatten völlige Herrschaft über den Hafen, und eine bedeutende Übermacht zu Lande. Als infolgedessen am 15. September 1776 die königlichen Truppen auf der Insel landeten, war die einzige Sorge Washingtons, der mehrere Tage lang Waffen und Vorräte wegschaffen liess, die Nachhut seiner Armee in Marsch zu setzen, bevor ihm der Rückzug von den Engländern abgeschnitten werden konnte. Die Landung war unter dem Schutz von englischen Kriegsschiffen an einer Stelle, Kips Bay genannt, (in der Nähe der östl. 34. Strasse) ausgeführt worden. Unser hessischer Lieutenant nennt es 4 Meilen von New-York, er überschätzt aber die Entfernung. Die Hessen waren in der Avantgarde, und wie gewöhnlich bildeten sie die Jäger und die Grenadiere unter von Donop. Diese marschierte unmittelbar auf New-York, während die englische leichte Infanterie und die Highlanders sich beeilten, den Inselberg, oder jetzt Murrayhill, zu besetzen. Unterdessen zogen die Amerikaner unter dem alten Israel Putmann in Eile auf den Strassen ab, die dem North River am nächsten lagen, in der Richtung auf Bloomingdale.
Der Landung der Briten war kein Widerstand geleistet worden. Die neuenglische Miliz, die dieselbe hätte etwas aufhalten können, benahm sich sehr schlecht, und zog sich die heftigste Missbilligung seitens Washingtons zu. Es wird erzählt, dass ein Teil der amerikanischen Armee zweifellos abgeschnitten worden wäre infolge dieser Panik, wenn nicht Mrs. Murray Sir William Howe durch ihre gastliche Aufnahme und die Anziehungskraft ihres alten Madeira aufgehalten hätte. Diese schätzenswerte Dame hielt den britischen General 2 Stunden lang bei guter Laune, während ihre zerlumpten und hungrigen Landsleute seinen Krallen entwischten. Niemals hat wohl die Gastfreundschaft von Murray-Hill einer bessern Sache gedient.
Am 16. September fand ein heftiges Gefecht in der Nähe von Manhattanville statt. Ein Teil der britischen Infanterie und zwei Bataillone Highlanders wurden zurückgeschlagen und waren in einer etwas prekären Lage, als die allgegenwärtigen Jäger und Grenadiere zu ihrer Unterstützung heranrückten; ebenso waren einige andere deutsche Regimenter in Bewegung gesetzt worden. Washington, der fürchtete, dass der Feind eine grössere Truppenmacht, als es in Wirklichkeit der Fall war, vorschieben würde, ordnete den Rückzug an. Die Engländer verloren 280 an Toten und Verwundeten, die Amerikaner ungefähr 60. Dies Gefecht, in dem die letzteren sich sehr gut benahmen und den Engländern einen verhältnismässig schweren Verlust beibrachten, trug wesentlich dazu bei, ihren Mut neu zu beleben nach den Rückzügen und Misserfolgen der vergangenen Tage.
Der britische General hatte strengen Befehl gegeben, das persönliche Eigentum zu respektieren, worauf sofort die reichen Besitzer der Landhäuser, die bei Annäherung der königlichen Streitkräfte geflohen waren und ihre Besitzung dem Schutz der Dienerschaft anvertraut hatten, zurückzukehren anfingen. Lieutenant Hinrichs von den hessischen Jägern, welcher am 15. Sept. Befehl erhalten hatte, Plünderungen zu verhüten, hatte sich hierbei die Dankbarkeit der Einwohner erworben. Er war in dem Gefecht am 16. verwundet und gezwungen worden sich nach ruhiger und guter Pflege umzusehen. Er suchte Schutz bei einer Witwe, namens Ogylby (Ogilvie?) in der Nähe von Hornhook am East River, und sah zu seiner Befriedigung die ganze Familie sich wieder vereinigen nach der durch die Kriegsgefahren verursachten Trennung. Grossvater, -mutter, Enkelkinder, zusammen mit ihren schwarzen Sklaven und deren Kindern sahen sich wieder und umarmten sich mit so viel Herzlichkeit, dass unser gutherziger Lieutenant sehr gerührt wurde und eine fieberhafte Nacht verbrachte. Es ist unnötig zu erwähnen, dass seine Wirte ihn mit der grössten Güte behandelten. Er wurde von dieser wie von andern Wunden, die er im Verlauf der Revolution erhielt, geheilt und starb als preussischer Generallieutenant im Jahr 1834.
Die Stadt New-York war nur fünf Tage in den Händen der Briten gewesen, als in der Nacht vom 20. zum 21. Septbr. in einer kleinen Schenke in der Nähe von Whitehall Slip Feuer ausbrach. Das Wetter war trocken und heiss gewesen. Starker Wind blies von Süd-West. Das Feuer breitete sich mit fürchterlicher Heftigkeit aus. Die Ostseite von Broadway war bis Exchange Place abgebrannt. Als der Wind sich nach Südosten gedreht hatte, sprang das Feuer von Broadway nach Morris Street über und dehnte sich bis Barclay Street aus, wobei die alte Trinity Church abbrannte, St. Pauls aber verschont blieb. Schliesslich wurde man Herr des Feuers, besonders durch die Anstrengungen von Soldaten und Seeleuten. Bankroft behauptet bestimmt, dass dies Feuer nicht durch Brandstiftung verursacht wurde; die Briten und Hessen aber waren damals anderer Ansicht und einige moderne Geschichtsschreiber schenken ihren Berichten Glauben. Sir William Howe stellte in seinem Bericht fest, dass an verschiedenen Stellen Feuer angelegt worden sei. Eelking sagt, dass Donop in seinem Tagebuch verzeichnet habe, dass der Brand von einem amerikanischen Oberst Namens Scott, der früher Advokat gewesen war, in Szene gesetzt worden sei.
Dieser hätte dazu 40 verwegene Leute verwendet, die, mit allerhand Brennstoffen versehen, an verschiedene, im Besitz von Tories befindliche Häuser Feuer gelegt hätten. Dieser Geschichte zufolge wurde Scott verhaftet und der ganze Plan geschrieben bei ihm vorgefunden. Die Meinung derer, welche glauben, dass das Feuer von den Whigs angelegt worden sei, wird durch die zweifellose Thatsache bekräftigt, dass mehrere einflussreiche Amerikaner zur Verbrennung New-Yorks geraten hatten, und dass der Plan von Washington dem Kongress vorgelegt, aber verworfen wurde. Andrerseits lässt sich sagen, dass Panik und Leidenschaft, Geschichten von Brandlegung und Gewaltthätigkeiten, die beständigen Begleiterscheinungen einer grossen Feuersbrunst sind.
Berichte, die aus damaliger Zeit stammen, sollte man immer mit der grössten Vorsicht aufnehmen. Die Geschichte, welche Scott betrifft, ist, soviel ich weiss, durchaus unbe gründet. Nur soviel ist sicher, dass verschiedene Personen während des Umsichgreifens des Feuers von englischen Soldaten getötet worden sind, und Bankroft sagt, dass ein armer Mensch, der zu den Tories gehörte, an den Beinen aufgehängt wurde, bis er starb.
Am 10. Oktober 1776 schiffte General Howe den grössten Teil seiner Truppen aus in der Absicht, noch einmal zu versuchen Washingtons Rückzugslinie abzuschneiden und ihn in Manhatten Island einzuschliessen. Vier Tage lang waren die Briten durch widrige Winde im East River festgehalten worden und waren nur soweit gekommen, Hellgate am Nachmittag des 14. zu passieren. Die Flotte lag die nächste Nacht vor Anker und brach am andern Morgen um 6 Uhr auf, wurde aber durch Winde und Sturmfluten aufgehalten, und erreichte Frogs Neck (oder Frogs Point, wie es Washington nennt), nicht vor Einbruch der Dunkelheit. Hier hatte Howe einstweilen seine Avantgarde gelandet, Washington aber war ihm zuvorgekommen und hatte die Übergänge, die zum Festland führen, besetzt. Howe beschloss infolge dessen vorzustossen und die Landung bei East Chester zu bewerkstelligen. Dies gelang ihm am 18. Oktober nach einem heftigen Gefecht. Die britische Armee stand jene Nacht unter Waffen mit dem linken Flügel an eine kleine Bucht bei East Chester angelehnt, mit dem rechten bei New-Rochelle. Unterdessen marschierten die Amerikaner eiligst auf White Plains, wo sie eine starke Stellung einnahmen und befestigten. Gerade in diesem kritischen Zeitpunkt vereinigte sich die zweite hessische Division mit dem Rest der Armee. Sie bestand aus 3997 Mann unter dem Kommando von Generallieutenant Wilhelm von Knyphausen, und hatte Cassel Anfang Mai verlassen. Das Waldeck'sche Regiment, 670 Mann stark, und die zweite Waldeck'sche Jäger-Kompagnie unter Hauptmann Ewald waren mit dieser Division gekommen. Auf diese Weise waren die deutschen Korps unter dem Kommando von General von Heister auf ungefähr 13,400 Mann gebracht worden. Die neue Division war zurückgelassen worden um New-Rochelle zu halten, während die Briten auf White Plains vorgingen.
Hauptmann Ewald und seine zweite Jäger-Kompagnie brauchten nicht lange zu warten bevor sie in Aktion kamen. Am 23. Oktober stiessen sie bei einer Rekognoszierung auf eine überlegene Zahl feindlicher Schützen und würden zurückgetrieben sein, wenn ihnen nicht die Hochländer zu Hilfe gekommen wären. Ein Lieutenant und sechs Mann wurden verwundet; von diesen starben vier nachher. Dies ist der deutsche Bericht in Eelkings Buch. Ich will auch den Bericht wiedergeben, welchen General Washingtons Stabschef in seinem Rapport an den Präsident des Kongresses giebt: »Am Mittwoch war ebenfalls ein scharfes Scharmützel zwischen einem Teil von General Hands Schützen, ungefähr 240, und beinahe derselben Anzahl hessischer Jäger, in welchem die letzteren geschlagen wurden. Unsere Leute beerdigten 10 derselben auf dem Gefechtsfelde, machten zwei Gefangene, von denen einer schwer verwundet war. Wir hatten keinen andern Verlust als einen, wie anzunehmen, tödlich Verwundeten.«