Am 28. Oktober fand Sir William Howe die Armee Washingtons vorteilhaft hinter dem Dorf White Plains postiert. Sie zählte etwas mehr als 13000 Mann, von denen etwa 1500 Chatterton Hill auf dem äussersten rechten Flügel der amerikanischen Stellung besetzt hielten, die von der Hauptmacht durch den Bronx-Fluss getrennt wurden. Sir William beschloss, diesen rechten Flügel anzugreifen. Ein englisches und zwei hessische Regimenter, unterstützt durch die hessischen Grenadiere, durchwateten die Bronx und erkletterten die steilen und felsigen Hänge des Berges. Das Regiment von Lossberg musste durch einen brennenden Wald angreifen und dem heftigsten Feuer der Amerikaner die Stirn bieten. Sein Verlust an Toten und Verwundeten betrug nahezu 50 Mann. Das Resultat des Kampfes würde zweifelhaft geworden sein, wenn nicht Oberst Rall, der sein eigenes Regiment und das nach Knyphausen benannte kommandierte, auch die Bronx durchwatet, die Amerikaner in der Flanke gefasst und die in der Front angreifenden Truppen unterstützt hätte. Der Fluss war tief und die hessischen Soldaten zögerten hineinzugehen. Aber die Lieutenants Wiederhold und Briede sprangen zuerst hinein, um sie durch ihr Beispiel anzufeuern. Von dem erstem dieser Offiziere werden wir noch mehr hören. Der zweite fiel wenige Tage später bei der Einnahme von Fort Washington.
Ein Teil der Amerikaner focht ganz gut bei dieser Gelegenheit, gegen eine weit überlegene Zahl. Sie hatten einen zweifellosen Vorteil durch ihre Stellung und machten einen guten Gebrauch davon, indem sie dem Feinde einen Verlust von ungefähr 280 Toten und Verwundeten beibrachten. Howe erwähnt in seinen Berichten den guten Dienst, den die englische und hessische Artillerie leistete. Heisters General-Adjutant sagt, dass die hessischen Feld-Geschütze einen solchen »Donner« machten, dass man weder hören noch sehen konnte. Die Amerikaner hatten nur drei kleine Kanonen auf dem Berge.
Die amerikanische Armee war zu dieser Zeit hauptsächlich aus Milizen, die von den verschiedenen Staaten nach kurzen Dienstperioden gesandt worden waren, zusammengesetzt. Diese Milizen waren in hohem Masse schlecht bewaffnet und in Lumpen, undiszipliniert und befehligt von Offizieren, die erst vor wenigen Monaten den Schreibpult oder Pflug verlassen hatten. Während einige von diesen improvisierten Offizieren Leute von Charakter und Talent waren, hatten andere nur das Verdienst, Geschicklichkeit im Ausheben von Leuten zu besitzen. Die ausgehobenen Leute aber wollten einen solchen Offizier nicht als ihresgleichen betrachten und behandeln »und in seiner Eigenschaft als Offizier nicht höher achten als einen Besenstiel,« sagt Washington. Einige der Amerikaner hatten sich durch tapfere Thaten hervorgethan, aber, wie alle rohen Rekruten, veranlassten sie Paniken, oft in ganz unvernünftiger Weise. Diese Thatsachen müssen fortwährend bedacht werden, wenn nicht die Geschichte der Revolution unverständlich werden soll. Sir William Howe andererseits kommandierte eine reguläre, disziplinierte Armee, welche kaum in Europa übertroffen wurde und mit Allem zur Führung eines Krieges Wünschenswerten versehen war.
Nach dem Gefecht von Chatterton Hill standen sich die Armeen drei Tage lang gegenüber und verstärkten ihre Verschanzungen. In der Nacht des 31. Oktober zog sich Washington in eine starke Stellung oberhalb White Plains zurück und Howe lenkte, nachdem er am folgenden Morgen die amerikanische Arriergarde belästigt hatte, seine Aufmerksamkeit einer neuen Idee zu.
Auf dem höchsten Punkt von New-York Island, wo sich ein Berg 238 Fuss über das Niveau des Hudson erhebt, hatten die Amerikaner ein fünfseitiges Erdwerk gebaut, welches sie Fort Washington nannten. Das Fort war mit 34 Kanonen armiert, hatte aber keine Kasematten. Das Vorfeld eignete sich gut zur Verteidigung und war besetzt von kleineren Werken von geringer Stärke. Das Ganze bildete eine Barriere über das obere Ende von Manhattan Island, um die Engländer zu verhindern, eine Expedition zu Lande zu machen und sich weder sichere noch bequeme Winterquartiere in New-York zu verschaffen. Auf der Jersey-Seite des Hudson, gegenüber Fort Washington, lag Fort Lee. Zwischen diesen hatte General Putnam es unternommen, eine unpassierbare Barriere, die den Fluss gegen die Briten verschliessen sollte, zu bauen. Die Werke waren unter dem unmittelbaren Kommando von General Greene. Am Morgen des 9. Oktober indessen waren die Hindernisse durchbrochen worden, und an den Forts vorbei fuhren zwei britische Schiffe von 44 Geschützen jedes, eine Fregatte von 20 Geschützen und 3 oder 4 Tender, welche 2 amerikanische Ruder-Galeeren auf dem Flusse genommen oder zerstört hatten. Angesichts dieser Thatsachen wollte Washington das nach ihm benannte Fort verlassen, welches in Gefahr war, umzingelt zu werden. Greene war entgegengesetzter Ansicht und der Kongress teilte dessen verblendete Idee. Die Autorität des Höchstkommandierenden war so beschränkt, dass es ihm nicht gelang, seinen eigenen Ansichten Geltung zu verschaffen. Anstatt die Besatzung von Fort Washington zurückzuziehen, wurde sie verstärkt, bis Oberstlieutenant Magaw, der es befehligte, beinahe 3000 Mann unter seinem Kommando hatte. Die Stellung, die besetzt werden sollte, war 2-1/2 Meile lang und schloss eine Redoute auf Laurel Hill mit ein.
Es war am 16. November 1776, als dieses Fort durch die Armee von Sir William Howe gestürmt wurde. Der Angriff wurde gleichzeitig von 4 Kolonnen gemacht, die gegen 4 verschiedene Punkte vorgingen, diejenige, welche den Hauptstoss führte und welcher der Ruhm des Tages gehörte, war aus Hessen unter Knyphausen zusammengesetzt. Diese Truppe setzte nach New-York Island über bei Kings-Bridge früh um 1/2-5 Uhr und war in zwei Kolonnen geteilt, die rechte unter Oberst Rall, die linke unter Generalmajor Schmidt. In letzterer war Wiederhold mit der Avantgarde. Während längerer Zeit mussten die Deutschen ruhig halten bleiben, bis die englischen Kolonnen zum Angriff angesetzt waren und denselben einleiteten. Unterdessen hatte Cornwallis die amerikanische Batterie auf Laurel Hill genommen. Earl Percy mit zwei englischen und einer hessischen Brigade hatte die amerikanischen Werke im Süden bedroht, und Oberst Sterling mit den Hochländern war hinter der Truppenabteilung, die Percy gegenüberstand, über den Harlem River gegangen und drohte dessen Rückzugslinie abzuschneiden. Hierbei mussten die Hochländer ein steiles Ufer hinauf angreifen und verloren dabei 90 Mann. Oberst Cadwalader, der in dieser Gegend die Amerikaner kommandierte, war gezwungen sich zurückzuziehen, und seine Leute, anstatt sich ausserhalb des Forts Washington zu sammeln, hatten sich in das Fort hinein gedrängt und behinderten dadurch die Vertheidigungs-Massregeln der eigenen Besatzung.
Es war zwischen zehn und elf Uhr. Der Moment für die Hessen zu attaquieren, war schliesslich gekommen. Sie wateten durch einen Sumpf und erklommen den steilen, felsigen Berg, auf den das Fort gebaut war. Vergebens feuerten die Scharfschützen auf sie, vergebens überschüttete sie die Artillerie mit einem Hagel von Granaten und Kartätschen. Knyphausen selbst war fortwährend im stärksten Feuer, »so dass es ein Wunder war,« schreibt Wiederhold, »dass er davon kam ohne totgeschossen oder verwundet zu werden.« Der Boden war so steil dort, dass die Leute sich am Gesträuch hinaufziehen mussten. Schliesslich erreichten sie die Höhe, wo eine ebene Stelle war. »Vorwärts, Grenadiere!« rief Rall. Die Tamboure schlugen, die Hornisten bliesen, die Leute schrieen Hurrah! Hessen und Amerikaner mengten sich massenweise untereinander und alle stürzten sich wild durch einander auf das Fort los.
Die Aussenwerke waren genommen und ihre Verteidiger zurückgetrieben, die die Verwirrung in dem Hauptfort noch vermehrten. Oberst Rall rief einen von seinen Kapitäns zu sich. »Hohenstein,« sagte er, »Sie sprechen englisch und französisch; nehmen Sie einen Tambour, befestigen Sie ein weisses Tuch an einem Kurzgewehr, gehen Sie in das Fort und fordern Sie die Übergabe.« »Ich that dies sofort,« schreibt der Kapitän, »allein sie feuerten beständig auf mich und den Tambour, bis wir auf die Glacies kamen, wo die Rebellen uns mit geschlossenen Augen hinauf geleiteten. Ich verlangte den Kommandanten zu sprechen. Sie schickten mir einen Oberst (Cadwalader) zu, welcher Unterkommandant war, dem ich folgende Bedingung stellte: Er sollte sofort mit der Besatzung aus dem Fort herausmarschieren, und sie sollten vor General von Knyphausen die Waffen strecken. Die ganze Munition, der Proviant und alles was dem Kongress gehörte, sollte getreulich angegeben werden; dagegen ich ihm meine Parole gäbe, dass alle vom Kommandanten an, einem jeden seine Equipage sollte belassen werden, und endlich sollte eine weisse Fahne sofort aufgehisst werden, um alle Feindseligkeiten abzubrechen. Der Kommandant forderte vier Stunden Bedenkzeit, die ich ihm indessen verweigerte, und gestattete ich ihm nur eine halbe Stunde, um sich mit seinen Offizieren zu besprechen. Als die halbe Stunde verflossen war, kam der Kommandant selbst, sein Schicksal schien ihm ungünstig. Deswegen sagte er: »Die Hessen machen Unmöglichkeiten möglich.« Darauf sagte ich ihm: »General von Knyphausen steht 100 Schritt von hier. Kommen Sie auf meine Parole mit und sehen Sie zu, ob er Ihnen bessere Bedingungen stellen wird.« Er war damit zufrieden und ging mit mir.«
Magaw ergab sich Knyphausen, trotz der Nachricht von Washington, der ihn zu entsetzen versprach, wenn er bis zur Nacht aushalten könnte. Der Platz war indessen unhaltbar. Die Deutschen verloren 56 Offiziere und Leute tot und 276 Verwundete bei dem Angriff, die Engländer mehr als 120. Die Amerikaner verloren weniger als 150 Tote und Verwundete, aber ungefähr 2800 Gefangene, unter denen einige der besten Soldaten waren. Sie verloren auch einen grossen Teil ihrer Artillerie, viele Waffen und Ausrüstungsstücke.
Der Quartiermeister von dem Grenadier-Bataillon von Minnigerode sagt, indem er von dieser Schlacht spricht, dass, wenn nicht die Gefangenen gewesen wären, der Verlust der Deutschen weit grösser gewesen sein würde, als der von den Rebellen, und dass dies von der Art komme, wie die letzteren fechten. »Sie liegen einzeln hinter Bäumen, Büschen, Steinmauern und Felssteinen, schiessen auf grosse Distancen und mit Sicherheit und laufen ganz schnell weg, sobald sie gefeuert haben. Die Deutschen können nicht ein Drittel so weit schiessen und können viel weniger laufend sie erreichen, und das Terrain hier ist so, dass man die Feld-Artillerie bei einer Attaque selten heraufbekommen kann.«