[Kapitel XIX.]
Die Umgegend von New-York 1777 bis 1779.
Die Geschichte des Revolutionskrieges ist hauptsächlich die Geschichte einer Reihe von wichtigen Unternehmungen, welche mit wechselndem Erfolg gegen verschiedene Teile von Nordamerika geführt wurden. Die kämpfenden Armeen erschienen, fochten und verschwanden wieder. Nur die Stadt New-York blieb vom Sommer 1776 bis zum Herbst 1783 von britischen Truppen besetzt. Auf dem Land, bis auf einen kleinen Tagemarsch von Manhattan Island aus, kehrten die Feindseligkeiten immer wieder. Zu keiner Zeit während der ersten fünf Jahre konnten sich die Bewohner der Dörfer von Central-New-Jersey oder Südwest-Connecticut sicher fühlen. Die Forts am Hudson wurden genommen und wiedergenommen.
Es mag nicht uninteressant sein, an dieser Stelle eine Beschreibung von New-York einzuflechten, wie es mit hessischen Augen während der britischen Besetzung angesehen wurde. Der folgende Auszug ist einem Briefe entnommen, welchen ein Offizier schrieb, der im Sommer 1777 mit Verstärkungen herüber gekommen war und dessen erste Eindrücke folgende sind:
»Nur um Dir einen Begriff von Amerika, oder vielmehr dem kleinen Teilchen von Amerika, so wir jetzo noch inne haben, zu machen: so kann ich nicht unterlassen zu rühmen, dass es ein recht schönes, angenehmes und ebenes Land, und New-York, obgleich der Teil nach der See zu abgebrannt ist, eine der schönsten und pläsantesten Seestädte ist, so ich noch gesehen habe. Denn die Häuser sind nicht nur alle englischer Façon, regulär und schön gebaut, mithin den wahrsten Palästen ähnlich; sondern sie sind auch alle tapeziert und aufs kostbarste ausmöbliert. Es ist deswegen Schade, dass dieses Land, welches auch sehr fruchtbar ist, von solchen b—schen Menschen bewohnt wird, die vor Wollust und Üppigkeit nicht gewusst, was sie haben anfangen wollen, und daher auch nichts anderem als ihrem Hochmut ihren Fall zu danken haben. Jeder, der bei uns ihre Partei nimmt und glaubt, sie hätten eine begründete Ursache zur Rebellion, sollte nur einmal zur Strafe eine zeitlang unter ihnen sein und dabei die hiesige Verfassung kennen (denn der schlechteste Mann hier kann, wenn er nur etwas thun will, leben wie der reichste bei uns) der würde gewiss bald aus einem andern Tone sprechen und mit mir einsehen, dass nicht die Not, wohl aber Frevel und Wollust die Ursache der ganzen Rebellion sei. Denn obgleich die meisten von verlaufenem Lumpengesindel, das von anderen Orten vertrieben worden, abstammen, so sind sie doch so hoffärtig hier und treiben aller Orten, zumalen aber in New-York einen solchen Staat, als wohl nirgend in der Welt getrieben wird. Z. B. so gehen die Weibsleute hier, so fast alle sehr schön sind, es seien, Schusters-, Schneiders- oder Tagelöhners-Frauen (deren letztere jedoch sehr wenig hier sind, weil fast jeder Mensch einige Neger als Sklaven zu seiner Bedienung hat) täglich in zitzenen, nesseltuchenen und seidenen Schlendern. Welcher Staat denn, da sie das viele Geld von den Truppen lösen, indem sie nicht ein Salzkorn umsonst zu geben brauchen, täglich zunimmt. Wobei dann nichts ärgerlicher ist, als dass diesem Volke, welches im Grunde noch lauter Rebellen sind, von den Soldaten auf expressen Befehl des Königs nicht nur auf das Artigste muss begegnet werden, sondern auch, wie schon gedacht worden, nicht ein Salzkorn umsonst abgefordert werden darf. Es müssten daher auch die armen Soldaten Hungers sterben, wenn ihnen nicht täglich für 3 Pences die Schiffskost geliefert würde, welche täglich aus 1 Pfund Zwieback, eingesalzenem aber fast ungeniessbarem Schweinefleisch, einigen muffigen Erbsen, etwas Hafermehl und etwas Rum besteht, welches sie dann, obgleich sehr viele davon ungesund werden, erhalten muss.«
Bei den Scharmützeln und kleineren Unternehmungen um New-York herum waren die Hessen im Allgemeinen beteiligt und es mag der Mühe wert sein, einen Blick auf einige dieser Ereignisse zu werfen, bevor wir uns zu den wichtigeren Operationen in den Süd-Staaten wenden, durch welche das Schicksal des Landes schliesslich entschieden wurde.
Im zweiten Teil des August 1778 wurde das Jäger-Korps auf den Spyt den Duyvels Hills, bei Courtland's Plantation postirt. In der Frühe des 31. August wurde ein Kapitän mit 150 Jägern, von denen 15 beritten waren, zu einer Rekognoszierung gegen Phillips House vorgeschickt. Sie hatten kaum eine halbe Stunde Weg zurückgelegt, als sie von einer Abteilung Amerikaner und Indianer unter dem Chevalier Armand, welcher sich in einer Schlucht rechts von der Strasse in Hinterhalt gelegt hatte, überrascht wurden. 16 Jäger wurden getötet, verwundet oder gefangen, die Übrigen entkamen. Oberst von Wurmb, welcher das Jäger-Korps kommandierte, eilte zur Unterstützung des Detachements, sobald er das Feuern hörte, herbei, aber Chevalier Armand zog sich mit seinen Gefangenen zurück und überschritt den Phillips Manor bei East Chester, wo die Oberstlieutenants Cathcart, Simcoe und Emmerich mit ihren leichten Truppen standen.
Die Oberstlieutenants erfuhren, dass Armand im Anrücken sei und bereiteten sofort einen Hinterhalt vor. Simcoe und Cathcart auf dem rechten und linken Flügel, zogen ihre Infanterie in die Wälder zurück und stellten sich so auf, dass sie das Defilee beherrschten, welches die Amerikaner und Indianer passieren mussten. Emmerichs Infanterie hatte Aufstellung genommen, um den Angriff zu erwarten, mit dem Befehl, sich vor dem Feinde zurückzuziehen. Emmerich hatte sich mit der Kavallerie hinter einem Hügel aufgestellt, um sich auf den angreifenden Feind zu werfen, sobald er in die Falle gegangen wäre. Kapitän Ewald war mit zwei Kompagnien Jäger von Oberstlieutenant von Wurmb zur Unterstützung von Emmerichs Infanterie vorgeschickt worden.
Der Plan der Oberstlieutenants war mit Erfolg gekrönt worden. Ungefähr um 4 Uhr nachmittags erschienen die Amerikaner und Indianer auf dem Gefechtsfeld. Emmerichs Plänkler zogen sich vor ihnen zurück und lockten sie in ein Feld von indianischem Korn, wo sie plötzlich in Front, Rücken und beiden Flanken angegriffen wurden. Alle Indianer mit Ausnahme von einem, welcher den Hergang erzählen sollte, wurden getötet. Sie gehörten dem Stockbridge-Stamme an und wurden von Sachem Neham geführt. Ungefähr 50 Amerikaner wurden gefangen genommen, Armand aber entkam mit einigen anderen durch die Büsche.
Eelking bemerkt bei dieser Gelegenheit, dass dies ein Beweis ist, dass die Amerikaner die Verwendung von indianischen Bundesgenossen in diesem Kriege ebensowenig verschmähten als die Briten. Man muss aber wohl einen Unterschied machen zwischen der Verwendung von Indianern gegen britische und deutsche Soldaten, wie sie von Seiten der Amerikaner geschah, und der Entsendung derselben gegen die Bewohner von einsamen Farmhäusern und unbeschützten Gehöften, wie es beständig von den Dienern des Königs gehandhabt wurde. Der Stockbridge-Stamm soll durch diese Expedition, wie gesagt wurde, so sehr gelitten haben und so völlig entmutigt worden sein, dass er keinen weiteren Anteil an dem Kriege nahm.