Die Bewohner von Newport waren mit General-Major Prescott, Lord Percys Nachfolger, weniger zufrieden. Sie hatten aber nicht lange unter ihm zu leiden. Der General hatte sich als Hauptquartier ein einsames Haus ungefähr 4 Meilen von Newport und eine Meile von der nächst gelegenen Truppe ausersehen. Betreffs seiner Sicherheit war er nur auf eine kleine Wache und ein Schiff angewiesen, welches nicht weit von dem Hause vor Anker lag. In der Nacht des 10. Juli 1777, ungefähr um Mitternacht, landete eine Abteilung Amerikaner unter Oberst Barton auf zwei Walfischbooten beim Redwood Creek, schlich sich über die Felder an Prescotts Hauptquartier heran, überwältigte die Wache, brach in das Haus ein, zog den General und seinen Adjutanten aus ihren Betten heraus und schleppte sie mit sich, ohne ihnen selbst Zeit zu lassen sich anzuziehen. Die Boote liefen glücklich Spiessruthen zwischen den britischen Schiffen und beförderten die Gefangenen nach Providence.

Das Kommando ging nun an Majorgeneral Pigot über, und die Dinge nahmen ihren alten Lauf. Beständig wurden Streifzüge nach den benachbarten Inseln und auch auf dem Festland unternommen, um Lebensmittel oder Holz zu holen. Ende Juli wurde wegen Mangel an Nahrung in Newport ein Transport Frauen und Kinder nach Providence gesandt. Es ist aber nicht anzunehmen, dass die Soldaten ernstlich Not gelitten haben. Im Ganzen verlief das Jahr 1777 und die erste Hälfte von 1778 ruhig, obwohl die Amerikaner manchmal thaten, als ob sie die Insel angreifen wollten. Inzwischen hatte Burgoyne Ticonderoga genommen, war auf Albany vorgegangen und hatte sich bei Saratoga übergeben. Howe hatte Philadelphia eingenommen, Clinton es wieder verlassen; der König von Frankreich hatte den Krieg erklärt, und Stunden der Angst waren für die kleine Armee in Newport im Anzug.

Am 15. Juli 1778 kam General Prescott, der ausgewechselt worden war, von New-York mit Verstärkungen. Unter diesen waren die beiden anspachischen Regimenter. Er verkündigte, dass die französische Flotte auf dem Wege nach Amerika wäre, und am 29. erschien auch diese Flotte vor Newport. Sie wurde von Graf d'Estaing befehligt und bestand aus 5 Schiffen mit 74 Geschützen, 6 mit 64 und 3 mit 26 Geschützen. Um 11 Uhr morgens lagen diese Schiffe vor dem Hafen vor Anker. Die Insel Connanicut wurde alsbald von den Deutschen geräumt und von den Franzosen besetzt, die dort einige Vorräte, welche man nicht Zeit genug hatte mitzunehmen, in Besitz nahmen. Die englischen und hessischen Soldaten erwarteten eine sofortige Landung des Feindes auf Rhode Island. Die Stadt war in der grössten Verwirrung und die Tories in Verzweiflung.

Der französische Admiral indessen nutzte seinen Vorteil nicht alsogleich aus. Es dauerte bis zum 8. August, bis er sich den Eintritt in den Hafen erzwang, wozu er die Batterien von Brentons Neck, Kings Fort, Goat Island und North Point zu passieren hatte. Die Kanonade dauerte 1-1/2 Stunden, und das Ende davon war, dass die Flotte bei Connanicut vor Anker ging. Nicht ein Mann in der Stadt war verwundet worden, aber die Schiffe hatten starken Schaden gelitten.

Die Regimenter, welche ausserhalb Newport gestanden hatten, wurden nunmehr herangeholt. General Sullivan war mit einer Rebellen-Armee auf Rhode Island gelandet. Die britischen und deutschen Soldaten standen wie die Schafe in dichtem Gedränge in der Stadt. Sie waren ganz erschöpft von den unausgesetzten Strapazen, denn seit dem Erscheinen der französischen Flotte war jeder brauchbare Mann bei den Verschanzungs-Arbeiten thätig gewesen. 4 Fregatten und 2 kleinere Schiffe waren verbrannt und 1 Fregatte, sowie ein anderes Schiff im Meere versenkt worden, um sie nicht in die Hände des Feindes fallen zu lassen. In Newport herrschte grosse Besorgnis, aber am 9. August kam Hilfe. Eine englische Flotte von 36 Segeln unter Lord Howe erschien vor Point Judith. Graf d'Estaing lichtete am nächsten Morgen die Anker, um ihm entgegenzugehen, wobei er sich einer scharfen Kanonade von Seiten der Strand-Batterien aussetzte. Die englische Flotte wich zurück, gefolgt von der französischen. Der 10. war ein Tag der Ungewissheit. Am 11. erhob sich ein heftiger Sturm, welcher beide Flotten zerstreute.

Die französische war es, welche am ersten wieder in Sicht kam. »Nun war alle unsere Hoffnung vergebens,« schreibt der hessische Quartiermeister, »wir sahen uns schon in Gedanken, weil unsere Macht gegen ein so starkes Korps von der Land- und Seeseite zu schwach war, in den Händen unserer Feinde.« Plötzlich, zur Freude und Überraschung der Besatzung, segelte die Flotte fort.

Noch eine Woche länger blieb Sullivan vor den Verschanzungen von Newport, während seine Miliz-Armee immer mehr zusammenschmolz. Am Abend des 28. zog er sich nach dem Nordende der Insel zurück; die Engländer folgten ihm am 29. morgens. Die Amerikaner machten jedoch Kehrt, versetzten ihren Verfolgern noch einen Schlag und verliessen, ohne weiter belästigt zu werden, die Insel. Diese Unternehmung war sehr fehlerhaft geleitet worden. Die Verluste in der Affaire vom 29. betrugen auf jeder Seite zwischen 200 und 300 Mann; hierunter waren 128 Deutsche. Es war gut für die Amerikaner, dass sie sich davon machten, denn am 1. September langte Sir Henry Clinton mit einer Flotte und Verstärkungen im Hafen von Newport an.

Noch länger als ein Jahr verblieben die Briten und Deutschen zwecklos und unthätig auf Rhode Island. Schliesslich im Oktober 1779 wurde wieder eine Flotte auf hoher See sichtbar, aber als sie den Sund entlang segelte, wurde sie als freundlich erkannt. Es ergab sich, dass sie aus Transportschiffen bestand, welche die Besatzung mitnehmen sollte. Sofort wurde die Baggage an Bord der Schiffe gebracht, der Vorrat an Brennmaterialien aber im Stich gelassen. Das traurige Schauspiel, Tory-Familien aus ihrer Heimat fliehen zu sehen, wiederholte sich hier. Es waren mehr da, welche mitgenommen werden wollten, als man in die Schiffe aufnehmen konnte; manche wurden daher gezwungen da zu bleiben und sich der Rache ihrer Nachbarn auszusetzen.

Herzliche Beziehungen waren im Laufe der drei Jahre zwischen den Hessen und Bewohnern von Newport entstanden. General Prescott fürchtete, dass einzelne Soldaten Lust hätten, da zu bleiben, und gab den Befehl, dass an dem Tage, an welchem die Truppen eingeschifft würden, alle Häuser geschlossen werden, und sich niemand, besonders keine Frauen, an den Fenstern zeigen sollten. Mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen marschierten die Regimenter durch die entleerten Strassen und besetzten dann die Boote, welche sie nach den Schiffen befördern sollten. Die feindliche Besetzung von Rhode Island war beendet.