Im Laufe des November waren die anspachischen Regimenter von New-York nach Philadelphia gebracht worden. Sie wurden nun wieder zu Schiff nach New-York befördert, anstatt an dem Marsch durch New-Jersey teilzunehmen. Unter den Amerikanern ging das Gerücht, dass der britische Befehlshaber sich auf diese beiden Regimenter nicht hätte verlassen können. Die Deutschen meinten, dass sie ihre Unfähigkeit im Marschieren bewiesen hätten. Es waren die Regimenter, die bei Ochsenfurt gemeutert hatten.
Vom 14. bis 18. Juni 1778 dauerte die Räumung Philadelphias seitens der Engländer und Hessen. Trotzdem, dass viel Baggage zur See befördert worden war, zählte der Train doch noch 1500 Wagen. Die Schiffe auf den Werften und Stapeln wurden verbrannt. Die Amerikaner störten weder diese Vorbereitungen, noch bedrängten sie die abziehenden Truppen ernstlich. Am 18. Juni begann der Abmarsch der Armee. Der Weg führte über Haddonfield, Mount Holly, Monmouth Court House und die Neversink Hills nach Sandy Hook. Amerikanische Streifparteien zerstörten die Brücken vor der Front der Briten und belästigten Flanken und Rücken der Armee. Die Hitze war schrecklich; viele Leute starben am Sonnenstich. Die New-Jersey-Moskitos thaten ihre Arbeit derartig, dass die Gesichter der Soldaten bis zur Unkenntlichkeit angeschwollen waren. Bis zum 25. Juni war beinahe ein Drittel der Hessen infolge der Hitze marschunfähig an den Strassenrändern liegen geblieben. Es kamen auch viele Desertionen vor.
Es ist merkwürdig, dass es angesichts dieser Schwierigkeiten den Amerikanern nicht gelang, den Rückzug erheblich mehr zu erschweren. Viele von Washingtons Unterführern hielten es für unangebracht, den zurückgehenden Feind anzugreifen. Diese Ansicht war hauptsächlich durch Charles Lee vertreten, der als ältester General-Major wohl im Stande war, die Ausführung von Washingtons Plänen beträchtlich zu verhindern. Das Gefecht von Monmouth Court House war für keinen der beiden Teile ein wirklicher Sieg. Die Amerikaner wurden durch Clintons Arrieregarde zurückgedrängt und infolge Lees Unfähigkeit und Unthätigkeit beinahe in die Flucht geschlagen. Es ist Thatsache, dass Washington seine Leute zum Stehen brachte und einen Angriff abschlug, aber der eigentliche Zweck dieses Tages wurde nicht erreicht. Clinton setzte seinen Marsch mit dem Verlust von kaum einem Wagen fort. In der ersten Woche des Juli erreichte die britische Armee Sandy Hook, von wo sie zu Wasser nach New-York übergeführt wurde.
[Kapitel XVIII.]
Newport, vom November 1776 bis Oktober 1779.
Im November 1776, als die Unterwerfung des Landes in vollem Gange war, detachierte Sir William Howe ungefähr 7000 Mann, von denen etwa die Hälfte Hessen waren, zur Besetzung von Newport. Dieses Korps landete ohne Gegenwehr und verbrachte drei Jahre in Rhode Island, davon den grössten Teil in Unthätigkeit. Nur die letzten Jahre machte sich der Mangel an Mehl und Holz fühlbar. Unzweifelhaft konnten die Leute irgendwo anders besser verwendet werden. Mit 6000 oder selbst mit 4000 Mann mehr unter seinem Kommando hätte Clinton wohl erfolgreicher und wirksamer auftreten können, als er zum Beistand Burgoynes vorging. Es lässt sich aber annehmen, dass, nachdem Sir William Howe Newport in Besitz genommen und keinen bessern Gebrauch mit diesen Truppen zu machen wusste, er wohl fürchtete, an Prestige zu verlieren, wenn er die Stadt wieder aufgeben würde. Im Sommer 1777, vor Eröffnung der Campagne, nahm er einige Regimenter aus der Besatzung heraus.
Im Ganzen glaube ich nicht, dass der Dienst in Rhode Island für die Soldaten sehr beschwerlich gewesen ist. Wenn auch das Mehl knapp war, so war doch Fleisch in Menge vorhanden. Die Bewohner waren zuerst sehr scheu und schlossen ihre Familien ganz ab. Auf Shelter Island lief das Landvolk bei Annäherung der fremden Eindringlinge weg. Sie glaubten, sagt einer, dass die Hessen kleine Kinder aufässen. »Aber mit der Zeit,« schreibt ein Offizier, »wurden sie vertrauter mit uns, lernten unser gebrochenes Englisch verstehen, zeigten uns ihre Familien und liessen ihre Furcht vor uns verschwinden.«
Nachdem man auf guten Fuss mit einander gekommen war, genoss man die grösste Behaglichkeit in den gastfreien Häusern von Newport. Die Einwohner bewirteten ganz nach englischer Sitte. Alle Gerichte wurden auf einmal auf dem Tische aufgetragen. Jeder Gast ass und trank nach Belieben, ohne dass er genötigt wurde. Suppe gab es selten, aber es standen immer vier oder fünf Sorten Gemüse auf dem Tisch, und Kartoffeln gab es zu jedem Gericht. Die Liste der Getränke, welche das vor mir liegende Journal enthält, führt auf: Punsch, Cider, starkes Bier, Porter, Grog, Madeira, Portwein, Claret, Sherry, Toddy, Sangaree und Syllabub. Man trank sich während des Mahles einander zu, und richtige Toaste wurden ausgebracht, nachdem das Tischtuch weggenommen war. Die Toaste gingen rechts herum, die Flasche zur Linken.
Sir Henry Clinton war der erste Befehlshaber dieses Korps, Lord Percy war sein Nachfolger. Letzterer legte das Kommando im Mai 1777 nieder, um nach England zurückzukehren. Die Hoffnungen, die ihn nach Amerika geführt hatten, waren getäuscht worden, denn man erzählte sich, dass er beim Verlassen der Heimat geschworen hätte, nicht ohne den Olivenzweig des Friedens zurückkehren zu wollen. Er war beliebt in Newport, und die Einwohner sandten ihm eine Ergebenheits-Adresse bei seiner Abreise, indem sie ihm eine glückliche und angenehme Reise und eine lang andauernde gute Gesundheit wünschten. »Euer Excellenz erhabener Rang und Charakter,« fügten sie hinzu, »lassen es unnötig erscheinen, Ihnen irgend eine andere Segnung des Lebens zu wünschen.« Als Antwort versicherte ihnen seine Lordschaft, dass es die Pflicht und der Wille eines jeden britischen und hessischen Soldaten gewesen wäre, alle unschuldigen und friedlichen Einwohner zu beschützen.