Der Rückzug der Briten durch New-Jersey, Januar bis Juli 1778.
Philadelphia scheint den Hessen nicht recht gefallen zu haben. Wiederhold nennt, nachdem er aus der Gefangenschaft zurückgekehrt ist und nach seinem gefühlvollen Abschied in Fredericksburg, die Quäker-Stadt »einen Sammelplatz aller Religionen und Nationen, folglich ein Mischmasch aller Sekten und Glaubensgenossen, nicht weniger ein confluens canaillorum«, und glaubt, »dass es den Städten Sodom und Gomorrah in Ansehung aller Laster nichts nachgiebt«.
Ein anderer Offizier beklagt sich über das Klima und sagt, dass die Wälder und Moräste das Land ungesund machen. Diesem Beobachter zufolge erreichen die Pflanzen und Tiere in Pennsylvanien nicht ihre eigentliche Grösse, und die Menschen sind krank und neigen zu Geisteskrankheiten, »eine Verrückung der Sinne, die vom gepressten, nicht vom kochenden Blut herrührt ... Von 100 Leuten hat nicht einer eine gesunde Gesichtsfarbe.« Es ist wahrscheinlich, dass die Schwierigkeit, in der halbblockierten Stadt frische Lebensmittel zu bekommen, nicht ohne Einfluss auf dieses Urteil gewesen ist.
Philadelphia hat seit 1778 sein Aussehen wahrscheinlich weniger verändert als irgend eine andere grosse Stadt der Nord-Staaten. Der hessische Offizier lobt die geraden Strassen, die Seitenwege mit breiten Steinen, die Dachrinnen und Dächer. Er lacht über die Einfalt der Kaufleute, die anzeigen »Tabak, so gut als der bestimportierte«, und stellt die Künste und Industrie als noch sehr in der Kindheit begriffen hin. Keinerlei Arbeit in Elfenbein, Stahl, Stuck, Knochen, Stickerei oder Seide wird gefertigt. »Die Engländer schicken ihnen alles dies, und alles, was sie schicken, ist willkommen. Und obendrein ist der Amerikaner und besonders der Philadelphier so eingebildet, zu glauben, kein Land auf der Erde wäre schöner, glücklicher, reicher oder blühender als ihr kaum knospender Staat.« Dies ist jedoch nicht die Ansicht des Briefschreibers. »Wollte mir der achtbare Graf Pen das ganze Land gegen mein Patent abtreten,« sagt er, »mit der Bedingung, dass ich zeitlebens hier wohnen sollte: kaum thäte ich es.«
Anfang Dezember rückte Sir William Howe von Philadelphia ab, um einen Entscheidungskampf herbeizuführen. Die Armeen standen sich drei Tage lang in der Nähe von Chestnut-Hill, ungefähr 11 Meilen von der Stadt, gegenüber. Ihre Märsche, Contremärsche und Plänkeleien deuteten auf Vorbereitungen zur Schlacht hin; als aber der englische General merkte, dass Washingtons Stellung zu stark war, um sie anzugreifen, zog er sich stille wieder nach Philadelphia zurück.
Zwei Fouragierungen wurden im Laufe dieses Monats unternommen, zu dessen Ende die britische Armee Winterquartiere bezog. 11 Redouten wurden zwischen dem Delaware und Schuylkill gebaut; deren Linie lief die Morris-Höhen entlang; jede war von einem Kapitän und 50 Mann besetzt, die alle 24 Stunden abgelöst wurden. Die Picketlinie wurde am Schuylkill den Provinzialen, am Delaware den hessischen Jägern anvertraut; letztere waren bei Holland Ferry und Greenwich Point postiert.
Während Washingtons Armee bei Valley Forge beinahe an allem, was zum Leben notwendig ist, Mangel litt, hatten die Briten in Philadelphia alles, was sie wollten, und verbrachten den Winter in Ruhe, Gesundheit und Fröhlichkeit. Sie lagen dort nicht sehr eng; viele Häuser der abwesenden Rebellen wurden zu Barracken benutzt. Ein Teil der Soldaten fand bei den Einwohnern, die in der Stadt verblieben waren, Quartier. Der Dienst war leicht. Sir William Howe, der bereits um seine Abberufung gebeten hatte, war froh und wohlgemut. Die Stadt schien nicht sehr voll von Soldaten zu sein. Den Amerikanern gelang es nur insoweit, ihnen die Zufuhr abzuschneiden, als durch sie dieselbe sehr verteuert wurde.
Am 18. Mai 1778 wurde für Sir William Howe eine Abschiedsfeier veranstaltet, und am 19. und 20. machte dieser General einen vergeblichen Versuch, ein Korps von 2500 Mann unter General Lafayette, der sich in die Nähe von Philadelphia gewagt hatte, gefangen zu nehmen. Am 24. übergab Howe das Kommando an Sir Henry Clinton. Bevor er Amerika verliess, sandte er schmeichelhafte Schreiben an die Kapitäns Ewald und Wreden von den Jägern.
Inzwischen war in Philadelphia das Gerücht laut geworden, dass der König von Frankreich einen Vertrag mit den rebellischen Kolonien abgeschlossen hätte, und dass bald eine französische Flotte den Eingang zur Delaware Bay bedrohen und die Verbindung zu Wasser mit New-York abschneiden könnte. Mit andern Worten, wie die guten Deutschen es sich auslegten: »eine starke französische Flotte mit vielen Tausend Landtruppen und Kavallerie war von Brest ausgelaufen und nach Amerika unterwegs, unter dem Vorwand, Bundesgenossen des Kongress zu sein, in Wirklichkeit aber mit der Absicht, auf diesem Kontinent festen Fuss zu fassen.«
Es war das Nahen der französischen Flotte, und gleichzeitig waren es die aus England erhaltenen Befehle, welche Sir Henry Clinton veranlassten, Philadelphia aufzugeben und sich nach New-York zurückzuziehen. Ein Teil der Baggage der Armee wurde an Bord der englischen Schiffe gebracht, und ungefähr 3000 Tory-Einwohner bereiteten sich vor, ihren Beschützern zu folgen und ihr Heimatland zu verlassen. Die Strassen, welche wie die einer deutschen Stadt in glücklicher Zeit ausgesehen hatten, waren nun verlassen. Vor vielen Häusern standen Haufen von Möbeln, um versteigert zu werden. Die Einwohner gingen mit traurigen Gesichtern einher, manche aber frohlockten im Stillen.