Am 4. September 1779 erhielten die Regimenter von Knyphausen und von Lossberg Befehl, sich mit all' ihrer Baggage und allen transportfähigen Kranken zur Einschiffung bereit zu halten. Ihr Bestimmungsort war Quebec, wovon die Truppe aber damals nichts wusste. Die Regimenter Knyphausen und Lossberg waren zwei von denen, die bei Trenton in Gefangenschaft geraten waren. Alle, die bei dieser Gelegenheit gefangen genommen waren, wurden wieder ausgewechselt, und die beiden Regimenter, deren Überreste zu einem kombinierten Bataillon formiert worden waren, traten nun wieder selbstständig auf.
Wiederhold hatte eine Stelle als Kapitän im Regiment von Knyphausen erhalten. Die beiden Regimenter waren am 8. September auf 6 Schiffen untergebracht worden. Wiederholds Quartier war auf dem Triton, einer Brig, die mit 6 kleinen Kanonen und 2 swivels (ganz kleine Kanonen, die auf Gabeln ruhen) armiert. Die Brig war überfüllt und sehr unbequem eingerichtet, und hatte zuerst eine Bemannung von 7 Mann, einschliesslich des Kapitäns, Kochs und Stuarts. An Hessen befanden sich an Bord ein Oberstlieutenant, der krank war, 2 Kapitäns, 1 Lieutenant, 1 Fähnrich und 1 Arzt, und beinahe 2 Kompagnien Infanterie.
Die Brig ging am Abend des 9. September in See, kam aber sofort in einen starken Wind (gale) hinein und wurde von der Flotte getrennt. Der Kapitän, der keine Befehle wegen seines Reiseziels bekommen hatte, war genötigt, am Morgen des 10. wieder nach Sandy Hook zurückzusteuern. An jenem Tag kam ein Schiff in Sicht, und es wurden Vorbereitungen zum Angriff getroffen, für den Fall, dass es ein amerikanischer Privateer sein sollte. Die Kanonen wurden gereinigt und geladen, und 1 Unteroffizier mit 6 Mann mit ihrer Bedienung betraut. Das Schiff erwies sich jedoch als ein freundliches, ein Transportschiff mit Teilen des 44. englischen Regiments an Bord. Der Triton segelte in Gemeinschaft mit diesem Schiff weiter und vereinigte sich am Morgen des 11. mit der Transport-Flotte, die aus 23 Transportschiffen und Handels-Schaluppen bestand und von 2 kleinen Schiffen mit 20 und 14 Kanonen bedeckt wurde. Von einem dieser Schiffe erhielt der Triton noch 2 Matrosen — junge, unerfahrene Burschen.
Die Flotte stach sofort nach Ankunft des Triton in See, und am 11. und 12. verlief alles gut. Am 13. aber trat stürmisches Wetter ein, welches den 14. über andauerte. Am 15. nahm der Wind noch mehr zu und wurde des Abends zu einem wahren Orkan. Die Flotte wurde vollkommen zerstreut, die Nacht war stockfinster. Ungefähr um 9 Uhr abends brach der Hauptmast unter der untersten Querstange ab, und bevor dieser mit seinem Tauwerk gänzlich weggeräumt war, brach der Vordermast kurz über dem Verdeck ab und stürzte über Bord. Die Brig wurde nun, den Wellen preisgegeben, hin und hergeworfen und lag oft ganz auf der Seite. Während der Kapitän im Begriff war, ein Kajütenfenster mit einem darklight (Totenfenster) zu vernageln und Wiederhold mit einem Licht zu seiner Hilfe bei ihm stand, stürzte eine Welle mit solcher Gewalt hinein, dass beide kopfüber in die Kajüte geworfen wurden.
Darauf entstand eine neue Gefahr. Auf dem Deck hatte sich eine Kanone nach der andern losgerissen, rollte hin und her und stürzte schliesslich über das Geländer in die See. Vier davon gingen nacheinander auf diese Weise verloren, nahmen sogar den grossen eisernen Kessel noch mit, der gross genug war, um für die ganze Schiffsbesatzung darin zu kochen. Die fünfte Kanone öffnete sich selbst durch Hin- und Herrollen die hatch (eine Öffnung im Verdeck), hob sich von ihrer Lafette ab und stürzte durch diese Öffnung in den untern Schiffsraum, wo sie auf eine dem Kapitän Wiederhold gehörende grosse Kiste fiel, die Wein, Spiritus, Essig, Senf und dergleichen enthielt. Die Kiste und ihr Inhalt wurde in tausend Stücke zerschmettert, aber sie hatte dem fallenden Geschützrohr Einhalt gethan und den Boden der Brig vor einer schweren Beschädigung bewahrt.
Die sechste Kanone aber, gerade über der Kajüte auf dem Hinterdecke, rollte noch immer hin und her und hatte bereits das Steuerrad und alles was ihr in den Weg kam, zertrümmert. Vier von den Matrosen konnten oder wollten nicht mehr arbeiten und hatten sich in ihre Betten gelegt. Niemand anders wollte sich, aus Furcht zerquetscht zu werden, der Kanone nähern. Die Soldaten lagen unter Seufzen, Weinen oder Beten umher und erwarteten ihr letztes Stündlein. Der Oberstlieutenant war zu krank, um irgend etwas zu thun. Wiederhold versuchte nun seine Leute zu ermutigen und sagte ihnen, dass Gott, der sie in dieser grossen Gefahr schweben liesse, sie auch wieder daraus erlösen könnte, wenn jeder nur thun wollte was er könnte, zuerst versuchen zu helfen, die Kanone über Bord zu werfen und dann an den Pumpen zu arbeiten, um das Schiff wenigstens bis zum andern Morgen über Wasser zu halten; dann würde ihnen der Himmel wohl Hülfe senden und entweder besseres Wetter oder ein Schiff zu ihrer Erlösung schicken.
Wiederholds eindringliches Zureden war zuerst erfolglos. Einige der Soldaten »waren ganz wie verstockt, andere antworteten sie seien krank.« Wiederhold stellte ihnen vor, dass er selbst schon seit vier Wochen am kalten Fieber litte, trotzdem hätte er, da niemand zur Rettung etwas beitragen wollte, sich herausgemacht, um etwas für die Erhaltung aller zu thun. Er zweifelte auch nicht, sagte er, dass Leute unter ihnen wären, die mehr Kräfte als er und so viel Liebe für ihn hätten, dass sie ihm folgen würden und thun, was er ihnen sagte. Er versprach, bei ihnen auf dem Verdeck zu bleiben, selbst Hand anzulegen und ihr Schicksal zu teilen, in der Hoffnung das Schiff und alles an Bord zu retten. Noch wollte niemand folgen, bis Wiederhold schliesslich rief: »Ist denn gar kein Unteroffizier da, der gesund ist, der Ambition und ein hessisches Herz hat, dass der mir folgen und helfen will?« Hierauf kamen ein Sergeant und zwei Korporals, denen etwa 15 bis 20 Mann folgten. »Nun wohlan,« sagt Wiederhold, »kommt, lasst uns erst die Kanone in die See zu schmeissen suchen.« Nach mehreren Versuchen, bei welchen sie in beständiger Gefahr waren zerquetscht zu werden oder mit der Kanone über Bord zu gehen, gelang es ihnen, ihrer Herr zu werden und sie über Bord zu werfen. Hierbei wurde einem Soldaten der Arm zweimal gebrochen und Wiederholds kleiner Finger zerquetscht.
Nun fing die Arbeit an den Pumpe an, in Ablösungen von 4 Mann. Jede Ablösung konnte es aber nur jedesmal 6 oder 8 Minuten aushalten und mussten sich entweder anbinden oder an dem Stumpf des grossen Mastes festhalten, um nicht von den Wellen weggespült zu werden. Gegen 3 oder 4 morgens aber brach die Pumpe und konnte in der Dunkelheit nicht ausgebessert werden, so dass sie sich mit Ausschöpfen vermittelst eines Eimers behelfen mussten, bis es Tag wurde und sie die Pumpe wieder in Stand setzen konnten.
Während die Leute in der Dunkelheit arbeiteten, fiel ein Mann über Bord, erfasste aber im Fallen ein Tau und rief und schrie um Hilfe. Niemand konnte ihn sehen oder wusste, wo er war. »Wo bist du denn,« fragte Wiederhold. »Hier hänge ich an dem Schiff und wenn ihr mir nicht bald helft, so kann ich mich nicht länger halten, muss in die See fallen und ersaufen.« Seine Kameraden suchten an ihn heran zu kommen, aber bevor sie ihn erreichen konnten, war eine Welle geschwinder als sie und spülte ihn wieder an Bord; und Wiederhold sagt in seinem Tagebuch »er lebt noch und ist gesund.«
Während aller dieser Arbeit bemerkte Wiederhold, dass der Schiffs-Kapitän und einige Bootsleute mit einer Laterne um die auf dem Schiffe befestigten Boote herumgingen und versuchten, wie er glaubte, eins davon los zu machen. Wiederhold fragte den Kapitän, was er denn da mache. »O, nichts,« antwortete dieser, »ich sehe nur, ob sie fest genug sind.« Unter irgend einem Vorwand bat ihn Wiederhold darauf, ihm die Laterne für einen Augenblick zu leihen, und nachdem er sie hergegeben und dieselbe einem Soldaten eingehändigt hatte, nahm Wiederhold den Kapitain am Arm, führte ihn in die Kajüte hinunter und setzte ihn dort in Arrest unter Bewachung von zwei Offizieren. Dies geschah aus Besorgnis, dass der Kapitän mit seinen Matrosen sich von der Brig heimlich entfernen und die Soldaten ihrem Schicksal überlassen könnten. Bei Tagesanbruch fand man die Boote von den Wellen völlig zerstört. Sie wurden über Bord geworfen und der Schiffs-Kapitän wurde wieder in Freiheit gesetzt.