Am 10. Dezember 1780 segelte Benedict Arnold, der nunmehr britischer Brigade-General war, an der Spitze von ungefähr 600 Mann, einschliesslich 100 hessische Jäger unter Kapitain Ewald, von New-York ab. Arnold erreichte den James-River Anfang Januar 1781. Dort stand ihm nichts als eine kleine Schaar Milizen unter Baron Steuben entgegen. Arnold steckte die Stadt Richmond mit ihren Vorräten an Tabak in Brand und zog sich wieder nach Portsmouth an der Mündung des James zurück. Nicht lange nachher gaben die Jäger einen neuen Beweis ihrer Tapferkeit. Am 19. März 1781 ging General Lafayette mit einer Abteilung von etwa 500 Mann gegen die englische Stellung vor, zersprengte ein Picket von den Jägern und nahm es zum Teil gefangen und näherte sich der Stellung, die von Kapitain Ewald besetzt war. Diese war zuerst von einem Unteroffizier und 16 Mann gehalten worden. Der Kapitain und 19 Mann nahten eilig zu ihrer Unterstützung heran. Die Amerikaner mussten über einen schmalen Deich avancieren, der einige 30 Schritte lang war, und auf dem sie dicht gedrängt vorgingen. Jeder Schuss musste treffen, sodass neunundzwanzig totgeschossen oder verwundet wurden. Die Jäger verloren nur zwei Mann, und Lafayette musste sich zurückziehen. »Man muss nur bei solchen Gelegenheiten,« sagt Ewald, »die Hacken an den Stiefeln fest in die Erde schrauben und an kein Weichen denken, dann wird man selten Gegner finden, die uns aus solch einer Stellung herauswerfen.« Ewald war in diesem Gefecht am Knie verwundet worden. Eelking berichtet, dass Arnold nach demselben den Kapitain besucht habe. Ewald machte dem General Vorwürfe, dass er die Jäger nicht unterstützt hätte. Arnold erwiderte, er habe die Stellung für verloren gehalten. »So lange noch ein Jäger am Leben ist,« rief der Kapitain wütend aus, »soll kein — Amerikaner über den Deich kommen.« Arnold, der sich noch als Amerikaner betrachtete, nahm dies übel und zeigte es dadurch, dass er es unterliess, das gute Verhalten der Jäger in dem Tagesbefehl zu erwähnen. Ewald beklagte sich hierüber bei Arnolds Adjutanten, worauf der General sich am folgenden Tage bei ihm entschuldigte und die Erwähnung nachträglich erfolgen liess. Inzwischen war Lafayette mit 1200 Continentals nach Virginien beordert worden. Der junge General brach sofort mit einem Teil seiner Streitkräfte auf und liess Wayne mit dem Rest folgen. Zehn französische Kriegsschiffe sollten mit dem Marquis gemeinsam operieren. Diese trafen am 16. März unweit der Kaps von Virginien auf das englische Geschwader. Nach einem Gefecht von zwei Stunden segelte die französische Flotte nach Newport zurück, während die englische sich nach der Chesapeake-Bay begab. Die Verteidigung von Virginien hatte man ausschliesslich den Landtruppen überlassen müssen, diese zeigten sich aber dieser Aufgabe nicht gewachsen.
Am 19. März segelte Generalmajor Phillips, derselbe, welcher bei Saratoga mit Burgoyne zusammen gefangen genommen worden war, von New-York, um das Kommando über die englischen Truppen in Virginien zu übernehmen. Er nahm 2000 Mann Verstärkungen mit, und beinahe dieselbe Zahl folgte sechs Wochen später. General Phillips machte bald nach seiner Ankunft einen Vorstoss von Portsmouth aus den James River hinauf, plünderte und steckte alles in Brand auf beiden Ufern, liess die Neger wegtransportieren und nach West-Indien verschiffen, zerstörte unter den Augen von Lafayette, der auf der Nordseite des Flusses geblieben war, die Magazine und setzte sich am 9. Mai in den Besitz von Petersburg, wo sich seine Armee mit der von Lord Cornwallis, die von Wilmington im Anmarsch war, vereinigen sollte. Vier Tage später starb General Phillips an einem heftigen Fieber und Arnold hatte wieder die Führung über die Armee. Am 20. jedoch traf Lord Cornwallis in Petersburg ein und sandte kurz darauf den Verräter nach New-York zurück.
Cornwallis brach am 24. Mai von Petersburg auf, ging 25 Meilen unterhalb Richmond über den James River und war am 1. Juni bei Cooks Ford am North Anna-River in der Nähe von Hanover Court House. Von da schickte er Tarleton nach Charlottesville, wo der Landtag von Virginien seine Sitzungen abhielt. Tarleton sprengte den Landtag auseinander und nahm einige der Mitglieder gefangen. Inzwischen war Simcoe entsandt worden, um einige Magazine und Vorräte bei Point of Fork, wo der Rivanna-River sich in den James ergiesst, zu zerstören resp. in Besitz zu nehmen. Er nahm wahr, dass die Vorräte, die von General Steuben bewacht wurden, sich auf der Südseite des James River befanden. Es gab dort keine Furt, und Simcoe hatte nur einige kleine Boote. Er nahm deshalb seine Zuflucht zu einer Kriegslist. Indem er seine 400 Mann, die er halb zeigte, halb verborgen hielt, in einer langen Linie entwickelte, machte er Steuben glauben, dass sein Detachement die Avantgarde von Cornwallis Hauptarmee wäre. Und Steuben, der sich nicht überlegte, dass mit so wenig Kähnen zum Übersetzen eine ganze Armee kaum gefährlicher war als ein Detachement, zog sich unter Zurücklassung eines Teils seiner Vorräte zurück. 24 Mann wurden darauf über den Fluss gesetzt, und, während die Hälfte davon die Vorräte zerstörten, hielt der Rest Wache, ohne dass sie im mindesten gestört wurden.
Lafayette ging nach Norden bis zum Rappahannock zurück, wo Wayne ihm Verstärkungen zuführte. Der Marquis wandte sich darauf in Eilmärschen nach Süden und Westen und postierte sich zwischen die britische Armee und die Vorräte des westlichen Teils des Staates. Er war jedoch noch zu schwach, um eine Schlacht wagen zu können. Cornwallis unternahm nichts gegen ihn, sondern wandte sich am 15. Juni der Küste zu. Dies gab Lafayette einen unstreitigen Vorteil. Er folgte Cornwallis in respektvoller Entfernung auf seinem Marsche. Die Armee unter Lafayette zählte zu jener Zeit 4500 Mann, von denen nur 1505 Reguläre waren.
Es fanden auf diesem Rückmarsch nur zwei Gefechte statt; das eine am 26. Juni. Eine Abteilung unter Simcoe und Ewald, die die Arrieregarde der britischen Armee bildete, wurde von einem Detachement der Division Wayne angegriffen und teilweise überrascht. Die Briten und Hessen hatten gegen Mittag nicht weit von Williamsburg eine Rast gemacht, als die Amerikaner eine heftige Attacke auf sie unternahmen. Die Kavallerie jedoch war schnell aufgesessen, die Jäger an den Gewehren, und die Amerikaner wurden zurückgeschlagen mit einem Verlust von 30 oder 40 Mann auf beiden Seiten.
YORKTOWN. 1781.
A. Redoute, von den Franzosen genommen.
B. Redoute, von den Amerikanern genommen.
In Williamsburg erhielt Lord Cornwallis den Befehl, 3000 Mann nach New-York zurückzusenden, welches Clinton durch die vereinigte Armee der Franzosen und Vereinigten Staaten bedroht glaubte. Um diesen Befehl zur Ausführung zu bringen, setzte Cornwallis seinen Marsch auf Portsmouth fort. Am 4.Juli verliess er sein Lager bei Williamsburg und marschierte nach Jamestown in der Absicht, den James-River zu überschreiten. Die Rangers unter Simcoe und die Jäger unter Ewald gingen in derselben Nacht über. Ein Teil der Baggage wurde am folgenden Tage übergesetzt. Am 6. Juli blieb Cornwallis mit der Armee in Jamestown, wo der General die Nachricht erhielt, dass Lafayette im Anmarsch sei, um ihn anzugreifen. Dies war, was Cornwallis wollte, denn er hatte eine günstige Stellung und eine viel grössere Zahl von regulären Truppen als Lafayette.
Am Nachmittag des 6. Juli ging Lafayette vor, war aber noch im Unklaren darüber, ob die Hauptarmee von Lord Cornwallis oder nur seine Arriere-Garde auf dem linken Ufer des James wäre. Die Amerikaner gingen vorsichtig vor. Wayne griff mit ungefähr 500 Mann an. Die britischen Pickets hatten Befehl erhalten, hartnäckigen Widerstand zu leisten und sich dann zurückzuziehen. Ermutigt hierdurch, entwickelte Wayne auch den Rest seiner Brigade, sodass er mehr als 1000 Mann in Thätigkeit gesetzt hatte. Die übrigen Continentals der Armee folgten als Reserve. Es schien nunmehr Cornwallis der Augenblick zum Schlagen gekommen zu sein. Seine Armee war in zwei Treffen aufmarschiert. Das erste bestand aus ungefähr 2500 Mann, das zweite, zu dem das Regiment von Bose gehörte, war etwa 1000 Mann stark. Wayne und Lafayette merkten den Fehler, den sie begangen hatten und sahen, dass er am besten durch ein kühnes Wagnis wieder gut gemacht werden könnte. Wayne ging mit seiner Brigade vor. Dies brachte die Briten zum Stehen. Die feindlichen Reihen standen sich nur ungefähr 70 Yards gegenüber, und unterhielten gegenseitig ein fünfzehn Minuten langes heftiges Feuer. Da aber nunmehr die Briten anfingen die Amerikaner in der Flanke zu fassen, gingen letztere zurück. Zwei Geschütze, die den Braunschweigern bei Bennington abgenommen worden waren, mussten sie, da die Pferde totgeschossen waren, im Stich lassen. Der Verlust der Amerikaner wird auf 139 angegeben, der der Briten auf 75 Mann.
Nachdem Cornwallis in Portsmouth angekommen war, erhielt er Gegenbefehl und machte mit seiner ganzen Armee Halt. Er sollte Old Point Comfort besetzen und verteidigungsfähig einrichten, ebenso, wenn er es für ratsam hielte, einen andern Ort auf der Halbinsel, der sich als Marine-Station eignete. Nachdem sich aber die Ingenieure gegen Old Point Comfort ausgesprochen hatten, besetzte Cornwallis in der ersten Woche des August Yorktown und das gegenüber gelegene kleine Dorf Gloucester. Hier sammelte er schnell seine ganze Streitmacht und machte sich eilig daran, seine Stellung zur Verteidigung einzurichten, während Lafayette sich abwartend verhielt und ihn beobachtete.