Gerade zu dieser Zeit war Washington benachrichtigt worden, dass die französische Flotte unter Count de Grasse sich anschickte, an den Operationen bei der Chesapeake Bay Anteil zu nehmen. Schnell und im Geheimen wurden Vorbereitungen getroffen, die amerikanische und französische Armee von New-York nach Virginien zu dirigieren. Wir haben gesehen, dass bereits am 18. August nach der City von New-York die Nachricht gekommen war, dass die Verbündeten im Begriff wären, den North-River zu überschreiten. Aus Mangel an Booten hatte diese Operation eine Woche gedauert. Sir Henry Clinton war aber, obwohl er von Washingtons Plan Kenntnis erhalten hatte, immer noch in der Idee befangen, als ob ein Angriff auf Staten Island beabsichtigt sei. Es dauerte bis zum 29., bis er über seinen Irrtum aufgeklärt wurde. Unter Zurücklassung von 4000 Mann unter General Heath zum Schutz des Hochlands, gingen Washington und Rochambeau in Eilmärschen gegen Cornwallis vor.

Die verbündete Armee, die durch New-Jersey marschierte und von der das Schicksal des Krieges abhing, war sehr schwach. Sie bestand aus 4000 Franzosen und 2000 Amerikanern. Nachdem Philadelphia passiert war, kam sie am 6. und 8. September 1781 in Head of Elk an. Der Count de Grasse war bereits mit 24 Schiffen in der Chesapeake Bay angekommen; er führte 1700 Geschütze und 19 000 Seeleute mit sich. Ihm stellte sich am 5. September Admiral Graves mit einer geringern Streitmacht gegenüber. Die Schlacht dauerte zwei Stunden. Die Engländer gerieten, obwohl nicht vollkommen geschlagen, in einen Zustand, der sie zu jeder weitern Unternehmung gegen die Franzosen unfähig machte. Nach vier Tagen segelten sie unter Überlassung der Chesapeake Bay an de Grasse, nach New-York.

Die Franzosen und Amerikaner, die von New-York gekommen waren, marschierten die Bay hinunter und vereinigten sich mit dem Korps von Lafayette und den französischen Truppen, die de Grasse gebracht hatte. Die vereinigte Armee bei Williamsburg bestand am 27. September 1781 aus ungefähr 7000 Franzosen, 5500 Continentals und 3500 virginischen Milizen. In den Reihen der Continentals waren Kompagnien von allen Staaten nördlich von Karolina. Die englische Armee in Yorktown war etwa 7000 Mann stark. Von diesen gehörten nicht ganz 1100 dem Markgrafen von Anspach-Bayreuth, etwas mehr als 850 dem Landgrafen von Hessen-Cassel und der Rest, etwa 5000 Mann, dem König von Grossbritannien, welchem die ganze Armee Gehorsam gelobt hatte. Ungefähr 800 Seeleute fochten auf jeder Seite während der Belagerung. Die französische Flotte befand sich ausser Thätigkeit, dagegen waren die englischen Schiffe aktiv beteiligt.

Yorktown bot keine starke Stellung; seine Verteidigung bestand nur aus Feldschanzen. Am 30. September 1781 gaben die Briten, vielleicht zu frühzeitig, ihre äussere Verteidigungslinie auf. In der Nacht zum 6. Oktober wurde die erste Parallele eröffnet. Am Nachmittag des 9. begann das Feuer aus der Parallele, und von da ab bis zum Ende der Belagerung dauerte die Kanonade beinahe ununterbrochen fort.

Das erste Zusammentreffen, das stattfand, war ein Scharmützel an der Gloucester-Seite des Flusses, wo Simcoes Rangers, Tarletons Dragoner, Ewalds Jäger und ein englisches Regiment aufgestellt waren. Ihnen gegenüber standen mehr als 1000 Franzosen unter Choisy und de Lauzun und 12 oder 1500 Milizen unter General Weedon. Tarleton und Simcoe hatten den Gebrauch der Karabiner bei ihrer Kavallerie verboten, und dies trug zu ihrer Niederlage bei. Am Morgen des 3. Oktober war Lauzun gemeldet worden, dass ausserhalb der Werke von Gloucester englische Dragoner ständen. Beim Vorgehen zu einer Rekognoszierung sah er eine hübsche Frau an der Thüre eines Hauses stehen, das am Wege lag. Lauzun müsste nicht Lauzun gewesen sein, wenn er vorübergegangen wäre, ohne sie anzureden. Sie teilte ihm mit, dass Tarleton eben bei ihr im Hause gewesen wäre, und den dringenden Wunsch geäussert hätte, »sich die Hand mit dem französischen Führer zu reichen«. »Ich versicherte ihr,« sagt Lauzun, »dass ich zu dem Zweck gekommen wäre, um ihm diese Befriedigung zu gewähren. Sie bedauerte mich sehr, indem sie, wie ich glaube, aus Erfahrung annahm, dass es unmöglich wäre, Tarleton Widerstand zu leisten.«

Alsbald stiessen die französischen und englischen Dragoner aufeinander. Tarleton erhob seine Pistole und ging auf Lauzun los. Ein Zweikampf sollte beginnen, als Tarleton mit dem Pferde stürzte. Englische Dragoner halfen ihrem Obersten sich in Sicherheit zu bringen, aber sein Pferd fiel Lauzun in die Hände.

Der 10. Oktober hatte eine tapfere That aufzuweisen. Major Cochrane hatte New-York in einem Walfischboot mit Depeschen für Lord Cornwallis verlassen. Er langte in der Chesapeake Bay bei hellem Tage an, lief Spiessruthen zwischen der französischen Flotte, die ihn lebhaft beschoss, und erreichte glücklich Yorktown. Dieser tapfere Mann sollte jedoch zum letzten Male solches Glück erlebt haben. Zwei Tage nach seiner Ankunft richtete er ein Geschütz mit eigener Hand. Als er über die Brustwehr sah, um die Wirkung seines Schusses zu beobachten, wurde ihm von einer Kanonenkugel der Kopf weggerissen. Lord Cornwallis stand dicht an seiner Seite und entging mit genauer Not demselben Schicksale.

In der Nacht zum 11. Oktober wurde die zweite Parallele eröffnet. Zwei Redouten, gegenüber dem rechten Flügel der Stellung der Verbündeten, lagen in der Verlängerung dieser Parallele. Sie mussten deshalb notgedrungen genommen werden. Die grössere sollten die Franzosen stürmen; dieselbe war zum Teil mit Deutschen besetzt. Die Franzosen unter Befehl von Baron de Vioménil, wurden entdeckt und auf 120 Schritte mit Feuer empfangen. Es verging einige Zeit, bis ein Zugang zur Schanze hergestellt war, und als dieser passiert werden konnte, wurde der Sturm unternommen. 92 Franzosen fielen oder wurden verwundet bei diesem Angriff, der feindliche Verlust betrug 15 Tote und 50 Gefangene. Die kleinere Redoute wurde durch die Amerikaner genommen; sie wurde durch Herstellung eines Zuganges weniger aufgehalten, daher war ihr Erfolg schneller und mit geringeren Opfern erkämpft. 9 Mann von der Kolonne fielen, 31 wurden verwundet, darunter 5 Offiziere.

In der Frühe des 16. Oktober wurde ein Ausfall gegen die zweite Parallele gemacht. Einige Augenblicke war er von Erfolg, einige Kanonen wurden vernagelt, aber die Briten wurden durch den Angriff der französischen Grenadiere alsbald wieder zurückgetrieben, und die Kanonen in einigen Stunden wieder gebrauchsfähig gemacht. In der folgenden Nacht machte Cornwallis den Versuch, seine Armee über den York River übersetzen zu lassen in der Absicht, zu versuchen, nach Virginien zu marschieren. Heftiger Wind und Regensturm, welcher alle Boote den Fluss hinuntertrieb, verhinderte ihn jedoch, diesen Plan zur Ausführung zu bringen, und die Truppen, welche bereits nach Gloucester übergesetzt waren, wurden am nächsten Morgen zurückgebracht, so dass die dortige Garnison ihre alte Stärke behielt.

Die britische Artillerie war nunmehr vollkommen zum Schweigen gebracht und Cornwallis sah ein, dass er nicht länger aushalten konnte. Am 17. Oktober 1781 wurden die Verhandlungen eröffnet und am 19. die Kapitulation unterzeichnet und zwar unter Bedingungen, wie sie der Hauptsache nach General Lincoln in Charleston im vergangenen Jahr bewilligt waren. Am Nachmittag desselben Tages marschierten die Briten und Deutschen mit verhüllten Fahnen aus ihren Befestigungswerken, ihre Musikkorps den alten englischen Marsch spielend: »The World Turned Upside Down.«