[Kapitel XXIV.]

Schluss.

Cornwallis Übergabe von Yorktown entschied das Schicksal des Revolutions-Krieges. Die Armeen ruhten während des Winters, und im Frühjahr 1782 kehrten die Generale Clinton und von Knyphausen nach Europa zurück. Sir Guy Carleton erhielt das Kommando in New-York, General-Lieutenant von Lossberg wurde Führer der hessischen Division. Am 14. Dezember 1782 wurde Charleston geräumt, und am 25. November 1783, zwei Jahre nach dem Falle von Yorktown, segelten die letzten Hessen die Bai von New-York hinunter. »Ungefähr um zwei Uhr nachmittags lichteten wir die Anker,« sagt das Journal des Jäger-Korps, »und als die Flotte hinunter nach Staten Island segelte, sahen wir, wie auf mehreren Häusern die amerikanische Flagge gehisst wurde. Keine war indessen auf Fort George zu sehen. Bei Sonnenuntergang passierten wir Sandy-Hook, und als die Nacht hereinbrach, verschwand das Land vor unsern Augen.«

Die Stärke der deutschen Hilfstruppen, welche England in Amerika von 1776-1783 verwendete, belief sich im Durchschnitt auf nahezu 20 000 Mann. Im Laufe der Zeit waren ungefähr 30 000 Soldaten herübergebracht worden, und 17 313 kehrten nach Deutschland zurück, als der Krieg beendet war.

Für die Dienste dieser Truppen bezahlte England an Subsidien an die Fürsten mehr als 1 770 000 Pfund Sterling. Dies kam hinzu zu der Löhnung der Soldaten und zu allen Ausgaben, ausgenommen der für die Aushebung und Bekleidung und Ausrüstung.

Es kann daher keine Frage sein, dass für eine so bedeutende Geldsumme Gross-Britannien ausgezeichnete Soldaten erhielt. Es ist richtig, dass die Deutschen mehrmals mit Unglück gefochten haben, wenn sie allein und ohne Gemeinschaft mit englischen Truppen dem Feinde gegenüber standen. Breymanns Braunschweigern wurde es bei Bennington nicht möglich, mit einiger Schnelligkeit vorwärts zu kommen, aber die ganze Armee Burgoynes war sehr langsam in ihren Bewegungen. Dieser General spricht in einem Privatbrief über die Deutschen bei Saratoga »als entmutigt und bereit, beim ersten Schuss ihre Waffen wegzuwerfen«. Und doch hatten sie im ersten Teil der Kampagne mit Tapferkeit gefochten und hervorragende Dienste geleistet, sowohl bei Hubbardton als bei Freemans Farm. Bei Saratoga waren die braunschweigischen Regimenter am meisten exponiert auf der ganzen Linie gewesen. Wenden wir uns nun zu dem Kriege in den mittleren Staaten, so sehen wir, wie die Hessen den Hauptanteil haben und mit grosser Tapferkeit bei White Plains und Fort Washington kämpfen. Wir sehen sie, durch den Erfolg zu vertrauensselig gemacht, bei Trenton überrascht und bei Red Bank geschlagen. Bei der erstem Affaire wurden sie in Unordnung zurückgeworfen, ihr Führer getötet, und »die Leute hielten nirgends Stand«. Bei der letzteren Gelegenheit fochten sie mit Verzweiflung und verloren 371 Offiziere und Leute von einer Stärke, die kaum 2500 Mann überstieg. Es würde uns zu weit führen, wenn wir genau die Aktionen betrachten wollten, bei denen die Deutschen nicht den Hauptteil der Streitkräfte des Königs ausmachten, aber ich glaube, man würde finden, dass nur bei wenigen Gelegenheiten während des Feldzuges die hessischen Soldaten Mangel an Mut oder Disziplin zeigten. Eine Schwierigkeit war unvermeidlich bei dem Gebrauch von Truppen verschiedener Nationalitäten. Eifersucht und Feindschaft entstand zwischen Offizieren sowohl wie Soldaten. Wir haben gesehen, dass Heister abberufen wurde, weil er sich nicht mit Sir William Howe auf guten Fuss stellen konnte, und wie Riedesel sich durch Burgoyne verletzt fühlte. Die Briten wurden obendrein beschuldigt, bei Auswechselung der Gefangenen nicht unparteiisch gehandelt zu haben; sie hätten ihre eigenen Offiziere ausgewechselt, während sie die hessischen Offiziere in Gefangenschaft belassen hätten. Riedesel ging so weit, in dieser Angelegenheit an Washington zu schreiben, wurde aber von diesem höflichst darauf aufmerksam gemacht, dass dies eine Sache wäre, auf die er keinen Einfluss hätte.

Wir können mit Bestimmtheit annehmen, dass die Eifersucht zwischen den höhern Offizieren von den Untergebenen geteilt wurde. In einem Brief aus Brookland (Brooklyn), datiert den 7. September 1776, schreibt ein hessischer Kaplan: »Unsere lieben Hessen lernten ihr schweres Dasein ertragen, und ich bemühte mich in meinen Gebeten und Predigten sie in ihrem christlichen Heldenmut zu bestärken. Die Langsamkeit der englischen Generale machte sie unmutig, aber noch mehr die stolzen und beleidigenden Blicke, welche die Engländer auf die Deutschen warfen. Dies führte oft zu blutigen Scenen. Ein Unteroffizier, zu dem ein Engländer bei einem gemeinschaftlichen Trunk sagte: »— — Du Franzose, Du nimmst unsern Sold«, antwortete ruhig: »Ich bin ein Deutscher und Du bist ein —.« Beide zogen blank, und der Engländer wurde so schwer verwundet, dass er starb. Der gute Deutsche wurde nicht nur durch den englischen General begnadigt, sondern es wurden auch Befehle gegeben, dass die Engländer die Deutschen wie Brüder behandeln sollten. Alles dies geschieht, seitdem unsere gelehrigen Deutschen ein wenig Englisch gelernt haben.

Es darf indessen nicht zu viel Gewicht auf solche Geschichten gelegt werden, von denen viele zweifellos in Amerika während des Krieges Verbreitung fanden. »Es ist erstaunlich,« schreibt Ewald viele Jahre später, »was für einen Unsinn Deserteure oft erzählten, nur ihren neuen Freunden zu Gefallen, um dadurch eine gute Aufnahme zu erlangen. Nachdem ich in Yorktown in Gefangenschaft gekommen war und die Bekanntschaft von mehreren französischen Offizieren gemacht hatte, fragte mich ein französischer General, der damals Chef des Regiments de Deux Ponts war, im Vertrauen, ob die Hessen mit dem englischen Dienst nicht sehr unzufrieden wären, da es doch für sie sehr hart gewesen wäre, immer bei den gewagtesten Unternehmungen verwendet worden zu sein; dass sie oft unnötig geopfert wären; dass sie immer die schlechtesten Quartiere und die schlechteste Verpflegung bekommen hätten; dass sie ungenügend bezahlt worden wären und an allen Dingen Mangel gelitten hätten. Über diese Geschichte musste ich lachen und versicherte ihn, dass kein wahres Wort daran sei, gerade das Gegenteil sei der Fall gewesen. Dies setzte den General sehr in Erstaunen, denn jeder Deserteur hätte ihn versichert, dass dies so gewesen wäre.«

Es ist mehrfach behauptet worden, dass die deutschen Soldaten in Amerika in grosser Zahl desertiert seien. Diese Behauptung ist nur zum Teil durch Thatsachen erwiesen worden. In der Zeit, als die ersten Hessen in Staten-Island ankamen, liess der Kongress Flugblätter, die sie zur Desertion aufforderten, unter ihnen verteilen. Washington betrieb einige Tage nach ihrer Landung sehr eifrig die Agitation mit diesen Flugblättern. Die darin gemachten Versprechungen wurden von Zeit zu Zeit erneuert. Eine Proklamation, datiert vom 29. April 1778, verspricht fünfzig Acker Land jedem Soldaten, der übergeht, und jeder Hauptmann, der vierzig Mann mitbringen würde, sollte achthundert Acker Wald, vier Ochsen, einen Bullen, zwei Kühe und vier Schweine bekommen. Die Deserteure sollten nicht gezwungen werden, auf amerikanischer Seite zu fechten, sondern sich sofort an die Bebauung ihrer Güter begeben. Diejenigen Offiziere indessen, die sich in die Armee der Vereinigten Staaten einreihen lassen würden, sollten einen Rang höher bekommen als den, den sie in ihrer frühern Armee bekleidet hatten, und bei Korps Verwendung finden, die nur aus Deutschen gebildet und die ausschliesslich zum Grenz- und Garnison-Dienst gebraucht würden. Diese Versprechungen waren nicht ganz ohne Erfolg. Im August 1778 kamen zwei hessische Lieutenants in das Lager Washingtons; sie sprachen die Möglichkeit aus, dass ihnen andere Offiziere nachfolgen würden. Dies verwirklichte sich jedoch nicht. Ewald behauptet, dass kein anderer geborener hessischer Offizier desertiert sei, ich habe aber Grund anzunehmen, dass einige Offiziere der kleineren deutschen Staaten übergegangen sind.