Das Frage- und Antwort-Spiel geht weiter. Der Polizeibeamte läßt sich Arbeitsnachweise zeigen und erkundigt sich nach dem Obdach der Gäste. Manchmal fallen die Antworten befriedigend aus, manchmal aber endet das Spiel mit dem Wink gegen den Formierungsplatz bei der Türe. Alle Gäste sind verhört worden. Da wendet sich der Beamte zu dem Billardbrett und stöbert mit seinem Stock unter die Wachsleinwand, die das Billardbrett bis zum Boden bedeckt. Unten ist jemand. Das hat der Beamte ohnedies gewußt und wollte nur den Zeitpunkt der Entdeckung möglichst lange hinausschieben, damit der dort Versteckte schon die Hoffnung schöpfe, die Polizei überlistet zu haben. Aber als die Person auf seine Aufforderung hin hervorkriecht, ist der Beamte des Kriminalbureaus doch überrascht:
„Die tolle Andula! Wie kommst Du denn her? Um vier Uhr hat Dich der Polizist über die Rayonsgrenze hinausgeführt, und jetzt bist Du wieder hier!“
„Zu Fuß, gnädiger Herr, bin ich wieder zurückgegangen. Ich glaube, daß ich früher hier war, als der Polizist auf dem Kommissariat. So bin ich gelaufen. Meine ganzen Lackschuhe sind kaput. Neun Gulden haben sie gekostet. Und jetzt werde ich wieder eingesperrt.“
Das Mädel, ein siebzehnjähriger Fratz, der verderbter ist, als die ältesten Kolleginnen, verzieht schmollend das Gesichtchen, das nicht unschön genannt werden kann.
Der Polizeibeamte sagt seinen Refrain: „Stell’ Dich dorthin.“ Dann kommandiert er den Ausgehobenen „rechts um, Marsch“, der Wirt zieht noch devoter sein Käppi, draußen übernehmen uniformierte Polizisten die Eskorte. Weiter geht die Razzia.
Nach der Streifung ist in den Lokalen die ganze Stimmung verflogen. Der spärliche Rest der Gäste zahlt seine Zeche, und wenn ein Polizeiorgan die Flüche hören würde, die der vorher so devote Wirt jetzt gegen die Behörden ausstößt, so würde es diesem wohl nicht gut ergehen.
Um halb 2 Uhr nachts treffen die Partien der Sicherheitsleute, wie verabredet, beim Pulverturm zusammen. Die einzelnen Beamten erstatten dem Rangshöchsten Bericht über die Vorkommnisse, die Detektivs werden nach Hause entlassen. Die Razzia ist beendet, der Boden der Großstadt wieder einmal gekehrt worden. Vierundfünfzig Verhaftete. In der Aufnahmskanzlei des Polizeigefangenhauses werden ihre Personalien aufgenommen, die Taschen untersucht, Zellen angewiesen.
Am nächsten Tage werden Akten geschrieben, ärztliche Untersuchungen vorgenommen. Die Verhafteten werden nun in den bekannten grünen Karossen in das Strafgericht, in das Bezirksgericht, in das Allgemeine Krankenhaus oder in die „Fišpanka“, das städtische Arbeitshaus, befördert. Da gibt es dann Requirierungen und Erhebungen, die Heimatszuständigkeit muß ermittelt, der Schubkostenersatz verlangt, Convoyanten für die abzuschiebenden Personen beordert werden und was dergleichen schöne Schreibereien mehr sind.
Was Wunder, daß dann die betroffenen Beamten mehr als die Prager Verbrecher und Vagabunden über die Prager Streifzüge der Polizei schimpfen!