„Freilich kenne ich den Herrn Regierungsrat,“ war meine Antwort. (Olič, der vor drei Jahren als Hofrat in Pension ging, war damals Departementschef.) Das Frage- und Antwortspiel ging weiter:

„Und Herrn Protiwenski?“

„Ja, den Herrn Oberkommissär kenne ich auch. Und den Herrn Oberkommissär Lichtenstern und die Herren Kommissäre Knotek, Drašner, Vanásek und Kubiček kenne ich ebenfalls.“

Ich glaubte mit dieser summarischen Aufzählung aller damaligen Sicherheitsbeamten weiteren Fragen meines Peinigers die Spitze abgebrochen zu haben, aber dieser war gründlicher als ich glaubte. Er setzte das Verhör fort:

„Kennen Sie vielleicht den Herrn Wejřik?“

„Jawohl, auch den Herrn Arresthausverwalter kenne ich. Sehr gut sogar.“

„Das glaub’ ich,“ erscholl es jetzt — mein Schicksal schien besiegelt. „Kommen Sie,“ sagte der eine Polizist zu mir und wandte sich nach der Richtung, in der das Kommissariat Heuwagsplatz liegt.

Aber um unsere Gruppe hatte sich, trotz der späten Nachtstunde, eine ganz beträchtliche Menschenansammlung gebildet. Es waren größtenteils die Stammgäste des alten Einkehrhauses „u Rajtknechtu“, das an der Stelle des heutigen Palace-Hotels stand. Die allnächtliche Blütezeit dieses Gasthauses begann erst um zwei Uhr nachts, wenn die Setzer der nahen Zeitungsunternehmungen mit ihrer Arbeit zu Ende waren und das offizielle Eingangstor der Schenke gesperrt werden mußte. Diese Stammgäste hatten nun davon gehört, daß draußen vier Polizisten mit der Festnahme eines Verbrechers beschäftigt seien, waren hinausgeeilt und hatten mit wachsendem Staunen meiner Einvernahme gelauscht. Als ich aber abgeführt werden sollte, traten zwei Setzer, die mich kannten, den Polizisten in den Weg:

„Herr Redakteur, sollen wir Sie vielleicht legitimieren?“

Aber das war nicht mehr nötig. Die Anrede machte die Polizisten stutzig und langsam dämmerte ihnen der Zusammenhang zwischen den Begriffen Nachtarbeit, Haase und Polizeikenntnis auf. Und gleichzeitig fiel ihnen ein, daß ich sie als Bekannter der ihnen vorgesetzten Polizeibeamten vor diesen schön blamieren könnte, wenn ich die Geschichte erzählte. Einer der Wachleute starrte mich wütend an, kehrte mir dann verächtlich den Rücken und ging von dannen. Ein zweiter aber verduftete blick- und wortlos. Der dritte salutierte mit kleinlautender, entschuldigender Miene. Der vierte aber brummte im schönsten Prager Deutsch: