„Wozu tragen Sie die Waffen mit sich?“, fragte ihn ein anderer.

„Die brauche ich zu meinem Beruf,“ sagt der Befragte.

„Was sind Sie denn?“

„Ich bin Detektiv der Polizeidirektion,“ wirft der Mann so gleichmütig hin, als ob er wirklich das wäre, als was er sich ausgibt. Der Garderobeinspektor des Theaters, Herr Fitzek, wendet sich interessiert an den „Detektiv“ mit der Frage, ob es nicht einen Detektiv Fitzek in Prag gebe. Der angebliche Polizeiagent verneint die Frage. Er habe keinen Kollegen dieses Namens. Herr Fitzek erzählt daraufhin, sein Vater habe ihm einmal in Wien gesagt, daß er in Prag einen Onkel bei der Geheimpolizei habe. Der angebliche Detektiv wiederholt apodiktisch, daß er in den fünf Jahren, in denen er Angestellter des k. k. Sicherheitsbureaus sei, nie einen Fitzek kennen gelernt habe. Und dann beginnt er — die Statisten haben sich um den Detektiv geschart — von dem hervorragenden Anteil zu erzählen, den er an der Ausforschung der Kriminalaffären der letzten fünf Jahre hatte. Er gehe oft statieren. Im tschechischen Nationaltheater habe er neulich den gefährlichen Dieb Burian dabei festgenommen, als er aus den Garderoben Portemonnaies stahl. Die Statisten reißen respektvoll die Augen auf, gar als er einen „Rapport“ aus der Tasche zieht, in dem er angibt, daß er gestern mit dem Detektiv Batlička (dies ist tatsächlich der Name eines Geheimpolizisten) eine Streifung unternommen habe. Alles bewundert den Meisterdetektiv, an dem nur die Phantasie bewundernswert ist. Ich kenne alle Geheimpolizisten. Er ist nicht darunter.

Inzwischen ist es sieben Uhr geworden und wir Statisten schleichen auf die Bühne. Wir hören, wie Seni-Mandé und Wallenstein-Devrient astrologische Weisheiten tauschen. Schließlich finden wir auch eine Lücke in der Dekoration, durch die wir auf die Szene schauen können. „Glückseliger Aspekt!“ Wallenstein hat diesen Ausruf getan und die Kulissenschieber nehmen ihn als Stichwort, um uns von unserem Ausguck zu vertreiben. Flüche, in denen sich Prager Bodenständigkeit mit gräßlichen Verwünschungen paart, schleudern sie mit verhaltener Stimme uns, „dem miserablen Komödiantengesindel“, „den verkleideten Affenpintschern“ ins Gesicht. Aber auch unter uns sind Männer von gewandter Rede und sie bleiben den „Wolkenschiebern“ und „Leinwandbaumeistern“ grobe Antwort nicht schuldig. Zwischen Bühnenarbeitern und Figuranten herrscht seit urdenklichen Zeiten Erbfeindschaft und in den ewigen Kämpfen bleiben die Arbeiter immer Sieger. Denn sie sind Angehörige des Theaters, die Komparsen nur Fremde. Und das technische Personale hat im Inspizienten und im Regisseur mächtige Verbündete. Die jagen uns fort. Ich habe aber von allen Komparseriekollegen die größte Sehnsucht, doch etwas von den Vorgängen auf und hinter der Szene zu erhaschen, ich schleiche mich von einer Kulisse zur anderen, von rechts, von der Zauberbude, in der der Oberbeleuchter mit Apparaten und Knöpfen hantiert, bis an die äußerste Linke, wo der Vorhangmeister das Steigen und Fallen des Vorhanges regelt, und komme mit dem Regisseur Seipp und sogar mit Heinrich Teweles, dann mit dem vorbeikommenden Theatersekretär Bertholdi und mit mehreren Schauspielern in unsanfte Berührung. Lauter gute Bekannte — keiner erkennt mich. Ein Schauspieler, mit dem ich in der vergangenen Nacht bis viertel 7 Uhr früh Kognaksorten geprobt habe, beschimpft mich, weil ich ihm im Wege stehe. Und eine Schauspielerin, die zwei Tage vorher mit einer öffentlichen Vorlesung meiner Werke Erfolg hatte, schiebt mich höchst unsanft beiseite. Nur Herr Reinhart, der den Buttler gibt und selbst nicht zu erkennen ist, hat mich erkannt:

„Herr Redakteur, wie kommen Sie her?“

Ich bitte ihn um Stillschweigen, er sagt es mir zu, aber ich kann die Folgen dieser Erkennungsszene nicht vermeiden. Ein kleiner Statist, der neben mir steht, hat die Anrede gehört und fragt mich:

„Sie sind ein Redakteur?“

„Ja.“

„Da haben Sie ganz recht, daß Sie sich keinen Sitz kaufen. Was brauchen Sie sich zu drängen! Und schade ums Geld ist es.“ Nach einer Weile fährt er aber fort: „Herr Redakteur, bitte schön, wie können Sie die Szenen kritisieren, die Sie nicht sehen?“