„Dann fahren einfach andere durch!“ erwidert ihm ruhig ein Steuermann.

„Wir sollten uns auf andere Sachen kaprizieren, so lange die Schleuse nicht gebessert wird,“ meint da ein blutjunger Bursch — der jüngste Steuermann auf der Moldau. Der Sprosse eines Podskaler Flößergeschlechts. Sein Vater ist Floßtransporteur in der Kanzlei einer großen Prager Holzfirma, drei seiner Brüder sind Steuermänner, ein vierter, der gleichfalls Floßführer war, hat vor Jahren den Flößertod im Helmschen Wehr gefunden. „Wir sollten die Flöße ausmessen. Und wenn eines länger ist als 130 Meter, sollten wir nicht darauf fahren — so wie es das Gesetz vorschreibt.“

„Das ist unmöglich,“ wirft ein alter Flößer ein. „Man kann doch die Stämme nicht abschneiden, wenn sie um einen Meter länger sind!“

„So müßte eben eine Tafel weniger angekoppelt werden,“ meint der junge Floßführer.

„Na, dann legt man sie eben als Fracht auf die Prahme, und du bist gerade dort, wo du warst. Im übrigen würde sich das Ausmessen der Flöße nur gegen die Holzhändler richten, und die haben mit der Schleuse nichts zu tun.“

Der junge Steuermann läßt nicht locker: „Wenn sich die Holzhändler der Sache annehmen würden, würde schnell Abhilfe geschaffen werden.“

„Schmarrn!“, belehrt ihn der Alte. „Die Holzhändler haben sich gegen die ganze Moldaukanalisierung eingesetzt, welche die Flößerei fast ruiniert hat. Und was hat’s ihnen genützt?“

Jetzt ist das Fragen an mir: „Wieso hat die Kanalisierung dem Floßtransport geschadet?“

„Weil sie die ganze Moldau verschandelt hat. Ist denn das noch ein Fluß? Gibt es denn noch unterhalb Prags eine Strömung? Lauter gestautes Wasser, lauter Tümpel. Jede Weile muß man sich von Remorqueuren ans Gängelband nehmen lassen. Von Holleschowitz bis Troja, von der Selzer Dynamitfabrik bis Kletzan, von Žalow bis Libschitz, von Libschitz nach Miřowitz, von da nach Wranian, von hier nach Hořin, dann nach Beřkowitz, dann nach Wegstädtl müssen wir uns von den Remorqueuren ins Schlepptau nehmen lassen. Lauter Vorspann, lauter blöde Schleusen. Gott sei Dank, daß das Land kein Geld hat. Sonst hätten sie uns auch schon in Leitmeritz und Raudnitz solche Hürden errichtet. Lauter Wehrmeister, lauter Kontrolle ...“

„Nicht einmal ein Mädel kann man sich mitnehmen,“ brummt ein junger Flößer, ein „Podskalák“ von reinstem Wasser, der sich eine Schmachtlocke so tief über das rechte Auge gekämmt hat, daß er auf diesem fast blind sein muß.