Ein weißes Lusthäuschen aus zierlichem Stabwerk, von dunkelroten Rosenbüschen umklettert, liegt breit und wartend im Sonnenglanz – Sessel und Tische umher darin, reiche Decken und Kissen warten auf jemand.

Eine kleine rundbogige Brücke springt keck über ein plätscherndes, künstliches Gewässer.

Ein langer Laubgang von den weißen Hochzeitsblüten üppiger Clematis umhangen, wirft feines Schattenrieseln über halbdunkle, lauschige Wege. Das dämmernde Licht hat tausend Geheimnisse zu verschenken und tausend Erkenntnisse aus der Seele, die hier denken und träumen wollte, zu erlösen.

Die Parkwege führen fern ab vom Hause zu tiefen, lauschenden Hintergründen, wo an alten Mauern, von schweren Epheubetten umhangen, singende Melancholien ihre kreisenden Lieder klingen. Bäume, ernst und hoch und feierlich stehen in leiser Zwiesprache beisammen, aber eine bange Scheue ist um sie her, als fürchteten sie, jeden Augenblick von etwas Lautem und Kaltem erschreckt zu werden.

Grüngoldene Moospolster laden zum Ruhen und Flüstern, zu kosendem Erwarten.

Aber es ruht niemand hier. Auch die breit ausladenden Steinbänke, deren Sitze und Lehnen sich in runde Muscheln zusammenrollen, bleiben leer, hier müßte der Diener erst Kissen breiten, um Lust und Ladung zum Ruhen zu schaffen. So bleiben die Sitze einsam, und Licht und Schatten, wehendes Blätterspiel, alle Sehnsucht und Ferne welken in der Leere umher, und tausend selige Geheimnisse sterben ungeliebt und ungenommen. –

An den Taxushecken, welche die Freitreppe zum Hause hin abschließen, hantiert der Gärtner mit einer großen, hartzuschnappenden Schere und schneidet unbarmherzig jedes zarte, junggrünende Zweiglein weg, daß nur ja die schnurgerade Linie nicht die lindeste Abweichung zeige.

Hier, so nahe dem Hause, ist die strenge Linie eisernes Gesetz. Vornehmheit ist Haltung und Linie, die ebensogut Inhalt und Tiefe verbirgt, als Leere und Kälte verdeckt.

Die Villa selbst steht kühl und gelassen, fremdstilig und einsam mitten im Garten, zu dem sie nicht die leiseste Fühlung, noch irgend eine Bindung hat.

Der Garten ist da, um dem Hause den Villencharakter zu geben.