So lebt sie in der Einsamkeit ihres Gartens sich selbst und dem Leben entgegen.

In weiter Schönheit liegt er vor ihr, in morgenfrischem Leuchten, und sie steigt vom Söller mit den leisen, müden Schritten, die von langen Schwächen noch nicht zu ihrer Kraft zurückgefunden, die Stufen hinab zu dem Schatten und Licht ihres geliebten Gartens, zu seinen Farben und Düften, zu seinen Träumen und Verheißungen. Alles ist er ihr geworden in diesen Zeiten der Dunkelheit und Leere ihres äußeren Lebens. Besinnung und Stille gab er ihr. Ahnung zu allen Fernen, Kraft zu allen Überwindungen, die noch ihre Wege hemmen.

Mit leuchtenden Augen schreitet sie durch die Geheimnisse seiner Schönheit, die nur sie ganz kennt, die nur ihr sich ganz auftun bis zu ihren tiefsten Gründen.

Wo sie geht und steht, ist alles voll ihrer selbst.

All die Jahre des Wartens auf sich selbst hat sie hier das bittre Leid ihrer Verzweiflungen, alles selige Wellenspiel schwingender Hoffnungen durch diesen Garten getragen. Er hat mit ihr geweint und gelächelt, kennt ihr Verzagen und ihr Jubeln, wie es das Auf und Ab aller Leiden umschwebt.

Sie kennt das strahlende Leuchten seiner Morgenhelle, die zarte, schwellende Kraft, die aus diesem Leuchten zu ihr kommt.

Sie kennt seine weite, ruhende Mittagsstille, die alle Pein tausendfacher Fragen und Unruhen wie mit einem weichen Mantel deckt und umhüllt. Kennt seine Abende voll heimlicher Süße, in denen der lockende Rausch des Lebens sich in milde, gleitende Melodien löst und alles Ferne und Nahe, alle Tiefe und Höhe und Weiche sich in Eines zu binden scheint, in dem alle schmerzhaften Dinge, alle Qual der Sehnsucht, alle Pein der Erinnerung sich mit den fallenden Abendschatten mischen und von der weiten Ebene seiner gleitenden Stille in seine sanfte Ruhe aufgenommen werden.

Auch das tiefe Schweigen seiner Nächte kennt sie.

Wo alle Fragen der wachen Seele am lautesten reden.

Wo alle Springbrunnen der Erinnerung ungestüm zum Rande steigen und jede schmerzvolle Hemmung heftiger an ihren Ketten klirrt.