Die ragenden Hochwaldstannen stehen Wacht vor dem stillen Hause. Das weite Rund ihrer Äste, die edle Form ihrer machtvollen Schönheit spricht von Erinnerungen an die noch nicht zu ferne Zeit, da hier noch tiefschattender Bergwald weit zu Tal blickte.
Nun sind aus den stillen Wäldern weite, lebensbunte Gärten geworden, Gärten für jene, die Stille und Ruhe und Erholung für Leib und Seele suchen.
Denn der Garten ist die tiefe Sehnsucht der Leidenden und Müden ebenso wie er der Traum der Starken und Frohen ist.
Doch eine andere Melodie ist es, die über den Gärten jener und dieser liegt.
Alle aber suchen sie sich selbst in ihren Gärten, wo die Begegnungen mit der eigenen Seele zu heiligen Festen werden und der Segen der Stille zu den Suchenden kommt. –
Und die Frau, die eben heraustritt auf den Söller des Hauses, das umbaut von den hohen, ragenden Waldbäumen des Garten gewordenen Waldes, hoch über dem schweigenden Tale liegt, ist eine der Suchenden und Sehnsüchtigen, die zu diesem Borne des Friedens kam, um sich selbst neu zu finden nach vielem Leid des Lebens, das über ihre junge Seele einbrach und ihr die Kräfte der Jugend lähmte.
Mit schmerzwissenden Augen blickt sie zur Weite des Tales, das sich vor ihr breitet, zu den blauen Fernen, zu denen ihre noch unausgelebte Jugend mit schmerzhaftem Verlangen sich dehnt und streckt.
Wie viel hat die Ferne ihr noch zu geben. Welten locken. Stimmen rufen. Verheißungen werfen ihren Glanz über die Wege, die zu ihnen führen.
Ihre erste Jugend welkte am Leiden bitterer Dinge und Erkenntnisse.
Aber die andere, neue Jugend, die ihrer wartet und welche die höhere ist, weil sie an sich selbst im Leide reicher geworden, drängt in ihrem Blute, in ihrer Sehnsucht und in ihren weit wachen Augen, die noch so viel zu schauen haben von der Fülle der Zeiten und des Seins.