Ganz wie bei dir und mir.
Und doch ein anderes wird plötzlich der Garten, wenn der Dichter eintritt und mit seinen Sonnenaugen darüber hinblickt.
Unter diesem Blicke wandelt sich alles umher zu einem neuen Sein.
Der Raum, der wie ein Ring dich eng umschließt, weitet sich um ihn zur Unermeßlichkeit, die an den Toren der Ewigkeit landet. Die Zeit, die unter deinen Schritten schmilzt wie neugefallener Schnee, hält ihren Atem an vor dem Lauschen seines Herzens und steht still vor dem suchenden Blick seiner Seele.
Die Wahrheit, die, in dichten Schleiern gehüllt, neben deinen Wegen geht, zeigt ihm ihr tiefstes Angesicht; in ihre seligsten Freuden und wehesten Schmerzen läßt sie ihn blicken, und mit eherner Hand rührt sie an die letzten Geheimnisse alles Wesens, daß er schaue und wisse und die Elemente des Seins sich mit seinem Ahnen mischen, daß die klingenden Worte seines Sanges ein Spiegel werden, in dem die Menschheit das Angesicht des Lebens findet. –
Im Garten des Dichters wandelt die Schönheit nackt und unverhüllt und der Glanz ihrer Herrlichkeit strömt über alle blühende Fülle umher.
Jedes Blatt und jede Blume, jede Farbe und alles Licht, alle Stille und jede Bewegung schimmern und tönen, leuchten und schwingen in diesem seligen Glanze.
Denn die Schönheit ist des Dichters heimlich Gespiel.
Sie baut ihm die goldnen Brücken, die ihn zu seinen Seligkeiten führen. Seligkeiten, die aus jeder tiefen Lust und allen einsamen Schmerzen gemischt, an die tausend Harfen rühren, die ihm im Blute rauschen, die seine Seele mit allem Weh und Leid des Daseins füllen und seines Blickes Rund zur Endlosigkeit des Schauens weiten.
So rührt die Schönheit in des Dichters Garten mit ihren königlichen Händen an jedes Blatt und jede Blüte, an alle Farben und jedes Licht, an die Tiefe der Sehnsucht und den klingenden Tanz der Töne, die den Garten des Dichters füllen, daß alles, ob es gleich allem dem in den Gärten aller Sterblichen ist, doch ein ganz Neues und Überseliges wird.