Steig hinauf zur Höhe. Vier Stufenwege führen hinan. Durch dichte Laubwege führen sie, von Bäumen fast aller Namen dicht umstanden. Den Abhang hinunter fließt ein grüner Sammtteppich, von blühendem Gekräut bunt durchwirkt.
Auf schmalen, tief verschatteten Wegen wandelst du in traumhaft süßer Stille, nichts stört dir dein Lauschen und Denken, weit weg von den kleinen Dingen des Alltags bringt diese Unendlichkeit der Stille umher die Höhen und Tiefen des Tages zu dir, und du verlierst dich an jenes selige Schauen, aus dem alle Erkenntnisse blühen.
Der eine der Stufenwege führt zu einem einsamen Tempel, der auf einer schönen, alten Mauer steht, eine Mauer, die roh von Steinen aufgetürmt, wie von Kyklopenfaust geworfen, stark und trotzig zur obersten Terrasse aufsteigt. Vom Tempel fällt ein dichter Vorhang üppiger Efeuranken über das Gestein und gibt ihm eine malerische Bewegtheit und ernste Anmut.
Weiter entlang führt ein anderer Aufstieg wieder auf engem laubdichten Pfade zu einem Ruheplatz, der dir einen Ausruf der Freude entlockt.
Unter einem hohen, alten, weit um sich greifenden Nußbaum steht eine Bank auf erhöhten Stufen, um den mächtigen Stamm des Baumes ist ein Tisch gezimmert. Im Schatten dieses Baumes an einem heißen Sommertage zu sitzen, ist eine unaussprechliche Entzückung. Ein Geländer von dünnen Birkenzweigen schließt den zur untersten Terrasse fallenden Abhang ab, ein wildes Gewirr hängender Waldrebe spinnt zwischen Baum und Busch und um das Geländer hin. Und durch dieses Meer sonnenflimmernden Blättergeriesels siehst du auf ein Bild unendlicher Schönheit.
Hingelagert auf weinumsponnener Höhe breit und wuchtig ausladend, siehst du hier wieder die alte Heidenburg meiner Stadt, wo Frankenherzöge in frühesten Jahrhunderten hausten, Bischöfe ihren heiligen Sitz hatten.
Auf der Ebene des Berges ist die Burg stark und edel hingebaut, mit Zinnen und Türmen, die sich gegen die Bläue des Himmels mit wundervollen, breit ausladenden Mauerprofilen abheben, die den Berg hinab zum Tal hin in scharfen Stufenlinien die Luft durchschneiden.
Zu dieser Burg hinauf geht dein Blick, wo du auch gehst und stehst im Garten und ihre alte, ehrwürdige Pracht steht wie eine königliche Krone über der stillen Schönheit meines Gartens.
Und von diesem geheimnisvoll schönen Platze wandle ich weiter durch blühendes, duftendes Strauchwerk, unter blütenschweren Bäumen durch kühle Schattengänge hin. Einige Stufen führen zur obersten Terasse. Auch da üppigblühende Bäume und Gesträuch. Unter wehendem Birken- und Weidengezweig wartet wieder eine Bank auf dich zum Stillsein und Schauen. Ein schönes Steinbecken in spielender Rokokofassung, von hohen Schwertlilien, purpurnem Fliedergebüsch und schwerhängendem Goldregen eingeschlossen, liegt in ruhendem Stimmungszauber eingebettet; in seinem dunklen Wasser baden meine Singvögel und fliegen dann froh in die blaue Ferne und nehmen ein Stück meiner Seligkeit auf ihren Flügeln mit und in ihren Liedern bringen sie diese Seligkeit zu den andern Herzen, die in andern Gärten wandeln und auf die Stimmen der Freude lauschen. –
Und wieder ein Weg zur Höhe führt zu meinem Teehäuschen. Ein liebes, weinumranktes Häuschen. Tannen stehen rechts und links neben drei runden Stufen, die zu seiner Türe führen.