Im Frühling, wenn der leuchtende Schaum der Baumblüte gegen den blauen Himmel lacht und das junge Laubgrün in der Sonne durchsichtig und golden wird, die ersten Veilchen aus verborgenen Winkeln aufbrechen, ihre keuschen, berauschenden Düfte dir wie ein Lied goldener Erinnerungen an das Herz rühren und neue, junge Träume auf allen Wegen dir entgegenkommen – o dann ist er unglaublich herrlich in seiner klingenden Lust und seiner heimlichen Süße, umtönt von den jauchzenden Liebesliedern, die zwischen Baum und Gesträuch auf und niederfliegen.
Und im Sommer –
Da strömt es in ihm von Duft und Farben, von Schatten und Licht, von Fruchtbarkeit und seliger Daseinsfülle. Dein Auge reicht nicht aus für die Millionen Leben, die hier zwischen Himmel und Erde atmen, blühen und wachsen, vom glitzernden Sandkorn am Boden bis zu den stolzen Tannen, die ihre hohen Spitzen in das tiefe sommerliche Blaugold des Himmels bohren.
Und das Flammenmeer des Herbstes.
Das lodernde Rotgelb auf Baum und Gesträuch, die wie lohende Opferschalen stehen und sich selbst verzehrend ihre letzte Schönheit dem scheidenden Sonnengotte hingeben; all die Glut, die sie von ihm nahmen, ihm wiedergeben im Scheidegruße ihrer sterbenden Seelen. –
Dann kommt das weiße Schweigen.
Alle Schönheit nahm die Sonne zurück.
Nun hat die Tiefe der Erde die Geheimnisse des Gartens zu hüten. –
Und wenn ich dich nun noch etwas weiter geleite, da wo meine lachende Wiese endet und um eine Biegung herum wir an einem kleinen Feldstück mit rankenden Bohnen und Erbsengeblühe vorüber, immer von den dichten Waldbäumen begleitet, endlich wieder zu den unteren Terrassen absteigen und dann plötzlich am grünumhangenen Treppengange sind, der zu der Türe meines Gartens führt – dann bleibst du noch einen Augenblick stehen, geblendet von dem flutenden Golde der sinkenden Sonne, das durch das dunkle Tannengezweig gleitet und dicht wie ein Gemälde der großen alten Meister mit Schauern der Ehrfurcht dich überschüttet.