Und Specht zuckte die Achseln über die wechselnden Chancen, die es auf der großen diplomatischen Wippe gibt.
Und richtig, da saß er, der große Stone Stonehead; selbstzufrieden und pomphaft wie immer, gar nicht, als habe er Strapazen durchgemacht, im Gegenteil, eine lebende Reklame für die transsibirische Bahn, so wohlgenährt und dick. Er saß zwischen einem Mediatisierten und einem eben ernannten Botschafter, muß also, wie ich ihn kenne, glücklich gewesen sein.
Mir fiel ein, wie ich ihn zuletzt gesehen habe. Im Seebad in Pei-ta-ho. Er trug dort beim Baden ein weites rosarotes Flanellkostüm: das blähte sich im Wasser auf, so daß er darin wie eine rosige Riesenqualle aussah. Eine Familie mit mehreren schlanken Töchterchen pflegte stets zur gleichen Zeit wie er zu baden, und die schmächtigen, geschmeidigen Mißchen, in schwarzen Badekostümen, umschwammen und umspielten ihn. Wie eine Schar Kaulquäbblein sich drängt, wenn man ihnen ein großes Stück rosa Fleisch zuwirft. Aber keine von ihnen hat den dicken Stone Stonehead erwischt.
Nachdem der Mediatisierte und der Botschafter gegangen waren, setzte er sich, gönnerhaft wie immer, zu uns. Er erzählte von seiner Reise und erwähnte auch, daß er an einem Orte, dessen Name schrecklich weit fort und unbekannt klang, Leute getroffen habe, die von noch viel weiter weg kamen, und Sie dort irgendwo gesehen hatten – in solch einer Gegend, von der Geographen so tun, als kennten sie sie, über die sie allerhand Behauptungen aufzustellen lieben, da, für gewöhnlich, niemand da ist, der widersprechen könnte.
Solch ein paar dürftige Worte Nachricht: Jemand hat jemand getroffen, der Sie gesehen hat – und davon muß man nun wieder lange zehren! – Wie die Ritterfrauen in den Burgen, denen ein vorüberziehender Sänger viele Monate alte Kunde von den fernen Kreuzfahrern brachte!
Natürlich fragten wir Stone Stonehead, was er von den beunruhigenden Nachrichten hielte, die Hofer aus China gebracht, und die in den letzten Tagen mehrmals in Zeitungen aufgetaucht sind. Er antwortete, die Missionare seien verwöhnt durch allzu viel Schutz, wollten sich wichtig machen und den Diplomaten ins Handwerk pfuschen.
»Ich glaube Missionaren nie,« sagte er, »außer wenn sie die Bibel vorlesen. Die übrigen Nachrichten sind sicher von den Russen lanziert, die lauern nur auf einen Vorwand, die Mandschurei zu kapern – bin nicht umsonst jetzt gerade dort überall herumgereist. – Aufregung? Aufstände? – ist ja alles künstlich gemacht – hoffe nur, man behält bei uns den Kopf kühl und läßt sich nicht in ein Abenteuer hineindrängen.«
Hoffentlich hat der große Stone Stonehead recht? Ich wünsche es ja so sehr.
Hier denkt niemand an Gefahr.