O Gott und zu wissen, daß Sie dort sind!
Ob es noch andere Menschen gibt, die dieselbe Verzweiflung empfinden können wie ich? Und die Empörung, wenn man dann in derselben Zeitung, wo dieser Notschrei steht, spitzfindige Erörterungen darüber liest, ob eigentlich ein Krieg mit China bestände oder nicht, sowie Äußerungen des langjährigen Bewohners und Kenners Pekings, Herrn von Soundso, der erkläre: Prinz Tuan könne unmöglich so gehandelt haben, wie erzählt werde, er sei zwar rauh, aber ehrlich und gutmütig.
Ich glaube wahrhaftig, es gibt noch Leute, die sich was darauf einbilden, so einen chinesischen Prinzen gekannt zu haben.
Oh über den unvertilgbaren Snobismus der Welt!
52.
New York, den 6. Juli 1900.
Diese entsetzlichen Nachrichten in den Zeitungen – ein Martyrium, sie lesen zu müssen. Die schauerlichsten Einzelheiten, die auf dunklen Wegen über die letzten Kämpfe in Peking bekannt geworden, werden herausgegriffen und dann in riesigen Lettern fett gedruckt als Überschriften, die Leiden all der Unglücklichen zur geschäftlichen Spekulation ausgenutzt, die auf das Sensationsbedürfnis der Menge rechnet. Und nicht nur die Gleichgültigen lesen das, nein auch die, denen es an die innersten Wurzeln alles Lebens und Empfindens greift. Sie sehen all die furchtbaren Bilder vor den inneren Augen, Tag und Nacht! Wird nichts sie je mehr verwischen?
Und sie müssen auch lesen, daß man die Gesandtschaften als verloren aufgegeben und sich damit abgefunden hat. Es sei überflüssig, heißt es, nochmals Leben zu riskieren, um ihnen zu Hilfe zu eilen, da doch alles längst vorbei sein müsse. Man spricht sogar davon, Tientsin zu räumen. Im Herbst, wenn Hitze und Regenzeiten vorüber, solle dann ein schöner, großer Strafzug ausgeführt werden.
Was liegt uns an Strafe, die wir um unsere Liebsten bangen! wir wollen Rettung!