Was sie freute, waren die Blumen. Sie legte in diese Organismen eine Fülle von Bezauberung, welche deren Leben ihr gewährten. Es war eigentlich das Einzige, was sie wirklich liebte. Nur der Duft geliebter Blumen, (denn auch unter ihnen hatte sie Antipathien), vermochte ihrer Seele eine Weile innere Heiterkeit zu geben.
Denn wie sehr man auch darüber staunen kann, Lores Seele war voller Schwermut. Nicht, daß sie sentimental gewesen wäre, aber alles in ihr drängte nach außen, gepeinigt von Sehnsuchten, deren Ursache und Ziel sie selbst nicht kannte. Zerstört von Wunden, die verfließend schienen, wie die zartfarbigen Nebel am Himmel. Gewürzt von Enttäuschungen, die ihr das Leben schon gab, als sie es erst sah, ohne es genossen zu haben.
Das schönste war weg: die Illusionen.
Wie allen Mädchen, meinte man auch ihr nichts Besseres, Weiblicheres mitgeben zu können, als Illusionen. Diese wurden in ihr großgezogen, wie künstliche Treibhauskulturen, wo es Pflanzen voller Blüten giebt und kein einziges, lebensnotwendiges grünes Blatt.
Aber auch sie hatte Augen, sah und war unglücklich. Doch schwieg sie ängstlich darüber, daß sie das Leben so schaute, entkleidet seiner Poesie. Sie schämte sich dessen, wie ein Ungläubiger, der aus Ehrfurcht vor dem, was er verloren, eine Blasphemie auf den Lippen zurückhält, die ihm doch aus ehrlichem Herzen käme.
Mütterchen erzählt!
(Zwei Märchen.)
(Ein warmer, hellerleuchteter Raum. Um den runden Tisch sitzen: die Mutter, Fritz, 6jährig; Marie, 9jährig; Kätchen, 14jährig.)
„Mütterchen, erzähl uns was!“