Verstand ich dich recht, so sagtest du: des Mannes Herz ist der Boden eures Wesens. Ihr beurteilt euer Leben darnach, ob ihr nur seichtwurzelnde Blümchen darin wart, Eintagsblüten, oder starke Pflanzen mit tiefgehenden, weit verzweigten Wurzeln. Was du da fandest, ist doch wahr! Und dein Weg und Wollen dann! Was kann ein Mensch, der in heiligem Glauben einem Ziele zustrebte, Gütigeres den Künftigen sagen, als: seht, da liegt der Fehler, so dürft ihr es nicht machen. Soviel ist nun gewiß.

Alle betrachteten nun die Dichterin. Sie war ja ungefähr in ihren Jahren. Aber das Merkwürdige ihres Aeußeren schien, daß man bei ihr weder an Jugend noch Alter dachte. Es lag etwas über ihrem Wesen, wie bezaubernde Beleuchtung auf einer einfachen Landschaft. Dieses Licht aus ungeahnten Weiten und seine Farben sah man. In ihm schien alles zu liegen.

Höre mal, riefen alle. Du bist uns deine Geschichte schuldig. Erzähle nun auch du. Wir haben uns jede nicht übel zugerichtet. Nun solltest auch du offen sein!

Ach liebe Freundinnen, sagte die Dichterin, wie gerne würde ich das thun! Aber mein Leben war wesentlich einfacher als das eure. Ich könnte euch eigentlich nur Episoden mitteilen, die auch wohl nicht der Bedeutung wert schienen, für mein Inneres aber unvergeßliche Daseinsquellen wurden. Dennoch aber will ich euch erzählen, damit ihr seht, daß ich offen sein möchte wie ihr es wart. Und hauptsächlich darum, weil ich euch für die heutige Stunde unseres Zusammenseins dankbar sein werde, solange ich atme.

Keine so großen Einleitungen! Erzähle! Erzähle!

Die Dichterin wurde noch bleicher, sah noch versonnener aus, dann sprach sie: Als ich ganz jung war, hatte ich auch dieses berauschende Lebensgefühl, wie es eine von euch geschildert hat. Nur — seht ihr — nicht an mir selbst.

Sah ich Frauen mit den Blicken des Jubels in den Augen, die dahinschwebten wie von den Wolken des Stolzes getragen, da fühlte ich, was sie empfanden.

Und kannte ich Tiefeinsame, Männer, Helden des Schaffens, dann beglückte mich die Weihe ihrer entsagungsvollen Einsamkeit.

Ich-Selbst liebte draußen im Freien zu sein. Oft brachte ja das Geschick das, was Menschen Unglück und Leid nennen. Aber wenn ich für mich allein hinausging, so etwas Kleines, Erbärmliches, ein Menschlein nur! — Da wurde mir sicher zu Mute. Ich ging wie geborgen unter dem Firmamente, das wie ein goldgesticktes Gewölbe schien und doch ein tiefes Grauen von ungeheuerlichen, glühenden Welten ist. Dann wurde das Denken leer. Denn wie hätte ich Kleines, ich Nichts das Billionenmal Größere und Machtvollere begreifen können! Aber ich löste mich auf. Wurde Gefühl von jenem Gefühl, Kraft von der Allkraft, Wirkung vom Allwirken...

Nein, nein! riefen alle! Erzähl uns von dir. Was gehen uns die Sterne an!