Eben das ist ja mein Leben und euer Leben...
Nein! Etwas Positives! Hast du geliebt? Sag!
Ich habe auch geliebt, sprach die Dichterin mild.
Die Frauenrechtlerin dachte: auch! wie sie das sagt! Vielleicht geht sie den herrlichen Erlösungsweg, den ich meinte und nicht fand. Sie, die in Einfalt wandelt. Und sie grübelte der Satzfolge nach. Nicht: auch ich habe geliebt, hatte sie gesagt. Sondern: ich habe auch geliebt. Darin lag es deutlich ausgesprochen. Unter den Erlebnissen meines Lebens war auch Liebe. Aber nicht das Einzigste, sondern nur Eins mit darunter.
Die übrigen waren enttäuscht. Nichts mehr? sagten die andern.
O ja! die Blumen z. B. sprach die Dichterin.
Nein, das meinen wir nicht.
Und Ihr-Selbst heute, ihr Lieben! Wie ihr so eure Schicksale mitteilet, die so völlig verschieden waren — da kam mir das Dasein wie eine große Blume vor. Die einen sind die Blütenblätter und die anderen der Samen, wieder andere die Kelchblätter und andere die Wurzeln im dunklen Erdreich... Und alle müssen andere Schicksale haben, das liegt ohne ihr Wollen in ihnen. Aber alle zusammen sind die Wunderblume „Leben“.
Sie ist verrückt! dachten die Zuhörerinnen. Aber tiefer, als in ihrem Denken fühlten sie, daß der Dichterin Einfalt lauschend am pulsenden Herzen des Lebens lag.