Und so seien wir geweiht.

Im Veilchenbund, einem Kränzchen junger Mädchen, kam es zu bedenklichen Zerwürfnissen. Isolde, Lina, Bella und die schwarze Bertha liebelten herum, flirteten mit jedem Mann, den sie erblickten und fanden nichts reizender, als Bräute oder junge Frauen zu kränken, indem sie mit deren Männern kokettierten.

Den tieferen Naturen des Veilchenbundes erschien das jedoch weder so lustig, noch heldenhaft, noch auch wert, um die heilig schönen Stunden ihrer Jugend darauf zu vergeuden.

Etwas lag in ihnen, das den noch Unwissenden vom Leben erzählte, von der tragischen Schwere, die über dem Dasein liegt.

Obwohl ihre Unschuld noch nichts erlebte, so hatten sie durch Beobachtung manches erfahren. Ihre lichten Seelen sahen manches Schmutzige, welches sie anders gewünscht hätten. Oft fragten sie, warum man ihnen das Häßliche verschwieg, wenn es nun einmal da war. Wenn es einmal dräuend auch über ihr Leben kommen mußte, das sie so gerne sternenrein und zart gewünscht hätten! Und sie zitterten vor der Rohheit des Daseins.

Einige erzählten sich auch von Büchern, die sie heimlich gelesen hätten. Es waren dies ernste, traurige Werke, an denen man fühlte, wie weh es dem Autor that, daß er solche Menschen schildern mußte. Aber es waren eben Menschen und Uebelstände unserer Zeit.

„Abscheulich sind diese Bücher,“ sagte ein kleiner Blondkopf. „Warum schreiben sie nicht etwas Holdes, damit man das Leben anlachen kann! Sondern immer nur Trübes, Schreckliches, Gequältes.“