[90] Z. B. v. Elm, "Die Gewerkschaftsdebatte auf dem Mannheimer Parteitag"; Kautsky, "Maifeier und Generalstreik"; Prot. Parteitg. Wien 1894, p. 105 (Resolution Adler); Prot. Parteitg. Wien 03, p. 126; Prot. Parteitg., Wien 05, p. 66 ff., 121; Prot. int. Kongr. Amsterdam, p. 8, 24 ff.
Als solch extremer Fall erscheint einerseits die soziale Revolution; und zwar wird dem politischen Massenstreik eine um so bedeutendere Rolle "in den revolutionären Kämpfen der Zukunft"[91] zugewiesen, je mehr das Vertrauen auf die ökonomisch-automatische Einführung des Sozialismus verschwindet, der Glaube an den gewaltsamen Charakter der sozialen Umwälzung bestehen bleibt,[92] zugleich aber auch die "Revolution im Heugabelsinn"[93] an Kredit verliert. Durch die Entdeckung des politischen Massenstreiks soll daher das bis anhin verschwommene Bild von der proletarischen Revolution Leben und Farbe gewonnen haben.[94] Daneben wird der politische Massenstreik übrigens unter Umständen auch noch zu gelegentlicher Unterstützung des Klassenkampfs in seinen vorrevolutionären Stadien vorgesehen.[95]
[91] Kautsky, "Allerhand Revolutionäres", p. 738; ders. "Die soziale Revolution" ("Formen und Waffen der sozialen Revolution"); Umrath, p. 19, 20; Enquête, p. 208; Roland-Holst, "G-str. u. Sozd.", p. 169; Parvus, "Staatsstreich und politischer Massenstreik", p. 394; Willert, Guesdist (Prot. int. Kongr. Amsterdam, 04, p. 27). — Über den Kl-str. als modernen Ersatz für die Erhebung: Bissolati, "Das Ergebnis der italienischen Wahlen", p. 958; vgl. auch Eckstein, p. 360.
[92] Vgl. Roland-Holst, a. a. O., p. XII ff.
[93] Liebknecht (Prot. Parteitg. Jena 05, p. 327); vgl. auch Briand (Congrès général ... Paris 1899, p. 156); Parvus, a. a. O.; Kautsky, "Allerhand Revolutionäres", p. 694; Prot. Parteitg. Bremen 04, p. 193; ">Der politische Massenstreik< und der Staatsanwalt", Bericht über die Verhandlung im Prozeß gegen Löbe (wegen Abdruck der Bernstein'schen Rede), im Vorwärts, 1. Beilage zu Nr. 196, 23. Aug. 05.
— Andere, wie z. B. Hue (vgl. "Partei und Gewerkschaft"), Vliegen (vgl. "Der zehnte
Parteitag der niederländischen Sozialdemokratie"), Bömelburg (vgl. Prot. Gwft. Kongr. Köln 05) glauben, daß es auch noch andere "schärfere" Mittel zur ev. Herbeiführung der Katastrophe gäbe, als den Klassenstreik, und daß der Augenblick diese schon mit sich bringen werde.
[94] Dies rühmt z. B. Roland-Holst, a. a. O. p. 182 ff.
[95] So spricht z. B. Roland-Holst (p. 95 ff.) vom pol. M-str. am Anfang (zur Erwerbung), im Verlauf des politischen Kampfes (zur Erhaltung von Rechten) und am Schluß desselben (als soziale Revolution, während z. B. nach der Leipziger Volkszeitung vom 8. März 04 (cit bei David, "Rückblick auf Jena") der Klassenstr. einzig für die soz. Revolution in Frage käme.
Andererseits erscheint die Bedrohung der sozialen Evolution als der extreme Fall, der die ausnahmsweise Anwendung des politischen Massenstreiks rechtfertigen könne. Und entsprechend dem Parlamentarismus, den er schützen soll, erscheint hierbei auch der politische Massenstreik entweder als wirksamster, wenn auch nicht einziger "Faktor eines stetigen, organischen Fortschritts auf dem Wege .. der proletarischen .. Emanzipation",[96] oder geradezu als Voraussetzung des Sozialismus überhaupt.[97]
[96] Bernstein, "Ist der politische Streik in Deutschland möglich?"; Kampffmeyer, "Der Generalstreik und die Eroberung der ökonomischen Macht"; Bernstein, "Pol. M-str. u. pol. Lage", p. 8 ff., 34; ders. "Politischer Massenstreik und Revolutionsromantik"; Bernstein als Zeuge im Prozeß gegen Löbe, a. a. O.; v. Elm (Prot. Parteitg. Jena 05, p. 323; Jaurès, a. a. O.; — Olberg, "Der italienische Generalstreik", p. 22. — Hilferding, p. 142; Destrée und Vandervelde, p. 22; Bebel (Prot. Parteitg. Jena 05).
[97] "Hinter dem allgemeinen Wahlrecht muß stehen der Wille zum Generalstreik" (Hilferding, a. a. O. p. 139 ff.), der Generalstr. müsse die "regulative Idee" im Klassenkampf sein; z. B. von Vliegen ("Der Generalstreik als politisches Kampfmittel") als "Phrase" abgelehnt; (vgl. oben p. 14).