[561] Rdsch. Soz. Mh. April 05, p. 345; Lerda, "Ostruzionismo ferroviario e politica proletaria", p. 376.

[562] Marazio, p. 177 ff.; Olberg, "Nachträgliches zum Eisenbahnerstreik", p. 380.

[563] Der Ausstand begann am 17. April und brach nach Annahme des Entwurfs in der Kammer sofort zusammen; offiziell wurde er übrigens erst am 21. April für beendet erklärt, nachdem die Versuche, die andern Gewerkschaften, besonders Tram- und Gasarbeiter zum Eintritt in einen allgem. Streik zu bewegen, völlig gescheitert waren (vgl. Rdsch. Soz. Mh. 05, p. 557-558; Soz. Praxis 1905; Marazio, a. a. O.).

[564] 1905 z. B. soll abermals eine solche "Metzelei" (vgl. Bebel, Prot. Parteitg. Jena 05, p. 306) stattgefunden haben. Auch bei dem eintägigen G-str., der am 10. Mai 06 aus Sympathie für streikende Turiner Baumwollarbeiter in einer größeren Zahl der bedeutendsten Städte Italiens ausbrach, kam es zu Zusammenstößen mit dem Militär (Soz. Prx. 17./5. 1906, Sp. 863). Auch der kurze Generalstreik vom Oktober 1907 (hauptsächlich in Mailand und Bologna) führte zu Zusammenstößen.

[565] Bourdeau, p. 434.

[566] Turati, a. a. O.

In materieller Hinsicht stellt der italienische Generalstreik also zweifelsohne eine "total verkrachte Aktion"[567] dar. Steht diesem Nachteil aber wirklich wenigstens ein "rein ideeller Vorteil"[568] gegenüber? Ein positiver Gewinn, wenn auch nur an Imponderabilien, wird in der Tatsache gefunden, daß der Generalstreik dazu beigetragen haben soll, "die Methode der Reformisten klar zu legen und dadurch zu stärken".[569] Zwar gelang es ihm nicht, das Proletariat vor einem weitern Fehlgriff, dem Eisenbahnerstreik 1905, zu bewahren. Immerhin schädigte er, als abschreckendes Beispiel, das Renommee der Syndikalisten und trug vielleicht auch einiges zum "Sieg" der Reformisten auf dem Parteitag in Rom bei. Man hat ferner auch darin einen Gewinn finden wollen, daß der Generalstreik, als schärfste Veranschaulichung des Klassenkampfs, die Partei von allen Gefühlssozialisten und kleinbürgerlichen Mitläufern gereinigt habe, so daß sie nun nur noch aus erprobten und zuverlässigen Klassenkämpfern bestehe; oder daß der Generalstreik das Solidaritätsgefühl, indem er es "vor eine Feuerprobe stellte", "unermeßlich" gesteigert habe;[570] der Generalstreik sei die "feierliche Mündigkeitserklärung" des italienischen Proletariats[571] und er bedeute, weil er sich wiederholen könne und wiederholen müsse,[572] eine nützliche "Drohung für die herrschenden Klassen".[573] Doch können solche Konstruktionen über den tatsächlichen Mißerfolg nicht hinwegtäuschen. Wenn man auch dem italienischen Generalstreik, dieser "grandiosa dimostrazione della forza proletaria",[574] die ihre Wurzel im moralischen Empfinden, im Solidaritätsgefühl von Hunderttausenden hatte, eine gewisse Bewunderung nicht versagen kann, so muß man sie doch, vom objektiven Standpunkt aus als eine vergebliche und schädliche Unternehmung aufs Tiefste bedauern. — Der Generalstreik-Agitation im Herbst 1907 gegenüber hat das italienische Proletariat übrigens viel Zurückhaltung gezeigt. Es darf hieraus wohl geschlossen werden, daß die harte Lehre des Jahres 1904 nicht spurlos an ihm vorübergegangen ist.[575]

[567] Leimpeters, a. a. O.; ähnl. Allg. Ztg. 20./9. 04.

[568] Olberg, "Die ital. Wahlen", p. 278.

[569] Turati, a. a. O.