„Ach ja, Herr Maupassant, ich tanze sehr gut.“
„So, dann wäre ja der Zirkus oder das Ballett gar nicht übel!“ meinte er nicht ohne Ironie. „Und welcher Tanz wäre denn Ihre Spezialität?“
„Danse de ventre.“
„So?“ Maupassant lächelte erstaunt. „Da müssen Sie mir gleich eine Probe Ihrer Fertigkeit ablegen.“
„Eh bien!“ rufe ich in heller Begeisterung: „Sie werden der Pascha sein, vor dem ich mich mit meinem Kostüm produziere.“ „So hätten wir auch das Lokalkolorit,“ ergänzte er. Ich war indessen schon so eingebürgert in der gastlichen Wohnung, daß ich die Türe öffnete und Maupassant bat, so lange meine Toilette währte, zu verschwinden. Eine golddurchwirkte Decke, die auf einem der Tischchen lag, nahm ich und wand sie um meine Lenden bis zu den Füßen herab. Ich löste meine Haare und entnahm einer Vase einige Nelken, die ich mir kreuzförmig um den Kopf flocht. Ich muß ausgesehen haben wie eine Wilde.
„Entrez, monsieur le Pascha, s’il vous plaît.“
Maupassant trat ein, auf dem ausdrucksvollen Kopfe einen Fez und um den Hals eine reiche Münzenkette, mit majestätischem Ernst nahm er auf einem zum Thron umdrapierten Sessel würdig und feierlich Platz, und die Vorstellung begann.
„Charmant, drôle, superbe!“ rief er ein über das andere Mal, und seine Würde vergessend, begann er taktmäßig den Kopf hin- und herzuwiegen bei jedem, Kastagnettenschlag markierenden, Schnippen meiner Finger. Die Nelken aus den Haaren nehmend, kniete ich zum Schluß vor ihm nieder. „Mein Fürst und Gebieter, hat deine Prinzessin Gnade vor deinen Augen gefunden?“
„Was begehrst du?“ rief der Pascha mit Pathos.
„Deine Freundschaft, Herr.“ — Wir fuhren am Abend noch, da Maupassant sich dagegen sträubte, mich in das obskure und für mich gänzlich ungeeignete Hotel „Maison Bohème“ zu bringen, in dem ich bei meiner Ankunft, da es mir wie ein Wahrzeichen erschien, abgestiegen war, zu Madame L. T. — Unterwegs bat er mich, ihn zu küssen, da er doch mein Gespiele sei. Ich war im Begriff, meinen Kopf in die Höhe zu recken und ihn zu küssen, da ich seinen Wunsch ganz natürlich fand — doch nein, — plötzlich senkte ich meinen Kopf wieder in die alte Lage zurück, denn in diesem Augenblick fiel mir ein, was Maupassant mir gesagt: „Ich verachte die Frauen, weil ich sie nötig habe.“