„Nun, plötzlich anders gewillt?“ rief er erstaunt und gekränkt.

„Ah so,“ meinte er lächelnd. — — —

Madame L. T. empfing mich liebenswürdig und küßte mich nach französischer Sitte auf beide Wangen. „Hier bring’ ich Ihnen einen kleinen Robinson,“ erklärte Maupassant. „Und vor allen Dingen une belle fille,“ sagte Madame L. T. weiter. „Das finde ich keineswegs,“ warf Maupassant ein, „apart — ja — ein Mädchen mit Knabenaugen.“

Mit gedämpfter Stimme unterhielten sich die beiden, wahrscheinlich über meine Zukunft, hinter der Portiere, und dann empfahl sich mein Beschützer, nicht ohne mich nochmals ausdrücklich zu beruhigen: „Mein liebes Fräulein, seien Sie unbesorgt, Sie befinden sich in den besten Händen!“ Madame führte mich in ein kleines Boudoir, wo wir den Tee einnahmen. Sie hörte nicht auf mit Liebkosungen; und noch mehr wie meine Leidensgeschichte interessierte sie mein Renkontre mit Maupassant.

Meine Wangen glühten im Gespräch, und ich machte ihr das Geständnis, daß Maupassant mir sehr gut gefiele, daß er mich habe küssen wollen, was ich aber stolz abgelehnt. Als ich schwieg, begann die Dame, die während meiner begeisterten Aussprache erblaßt war, mir klar zu machen in der delikatesten Weise, daß man die Liebe eines Mannes wie Maupassant sich am besten bewahre durch Zurückhaltung. Und dann verstand sie in rührender Weise mich aufmerksam zu machen, wie besorgt meine Angehörigen nun wohl um mich sein würden. Sie brachte mich zu Bette wie ein Kind, und ich konnte nicht unterlassen, meine Arme um sie zu schlingen wie instinktiv, um ihr Abbitte zu leisten dafür, daß ich ihr Schmerzen bereitet hatte. Ich weinte bitterlich diese Nacht, nicht ohne das wohltuende Gefühl einer gewissen Hochachtung vor mir selbst — denn ich faßte den Entschluß, eine heroische Tat zu vollbringen, Paris zu verlassen — Maupassant nie wiederzusehen.

Morgens früh klopfte ich an die Tür der Dame und teilte ihr meinen Entschluß mit, daß, falls sie mir das Geld zur Rückreise borgen wolle, ich Paris verlassen würde. Ich glaube, im Grunde plagte mich das Heimweh, das durch das Wort Madame L. T., noch geschürt wurde.

„O, meine liebe Madame L. T., nicht wahr, Sie grüßen Monsieur Maupassant von mir?“

Albert Heine — Herodes V. Aufzug.

Hinter deiner stolzen, ewigen Wimper gingen wir unter,

Schwermütige Sterne brannten auf deinem Lide.