Fräulein Spandau hat ein blasses flaches Gesicht und dünne aschblonde Haare, sie ist nicht hübsch, nein, das ist sie nicht. Aber sie konnte noch nie einem Menschen ihr Mitgefühl versagen. Sie hat sechs Geschwister und eine kranke Mutter. Wenn sie heimkommt, beginnt sie zu kochen, zu waschen und zu nähen, und sie ist immer froh, wenn ihr nicht weniger als fünf Stunden Schlaf verbleiben. Eine geordnete Bäckerei mit weißgestrichenen Regalen und frischen Broten scheint ihr wie das Paradies, der zufriedene Bäckermeister mit der großen, weißen Schürze wie der gute Petrus, auch wenn er Sommersprossen und rote Haare hat.
Wird Reiche nun in das Paradies einziehen? Ach — an Fräulein Spandau vorbei geht auch die Kantinenwirtin zum Kapitän, diesmal in eigener Angelegenheit. Auch sie kehrt befriedigt zurück. Und es bleibt alles beim alten. Der Kapitän hat seinen Platz in der Mitte nicht verlassen.
Selbst ein Herr Gregor hatte niemals Grund, sich über den anfangs so gefürchteten Kapitän zu beklagen. Herr Gregor gehörte zur Generaldirektion und der Kapitän zum Hafen, und so ging jeder seiner Wege, bis die Verhaftung erfolgte und Herrn Gregors Posten frei wurde.
Warum sollte der junge Dr. Felix Friemann nicht auf diesem Platz seine guten Kenntnisse erproben? Hatte er sich nicht seit Monaten im Hafen bewährt? Oder konnte jemand Klagen des Kapitäns nachweisen?
Die Frage war wichtig genug, um einen Besuch des Generaldirektors beim Kapitän herbeizuführen.
Fräulein Spandau lauscht ängstlich auf die laute Stimme Joachim Beckers.
»Können Sie mir auch nur einen praktischen Erfolg nachweisen?« fragt er erregt.
»Er steht am Anfang«, sagt der Kapitän. »Wir müssen Nachsicht üben.«
»Nachsicht, Nachsicht! Ich brauche praktische Arbeiter. Ich muß Positives leisten und kann mich nicht mit Theorien abgeben.«
»Seine Ideen sind nicht schlecht«, wendet der Kapitän ein. »Er macht zuweilen Vorschläge, die bei ihm überraschen.«