Sie sehen einander einen Augenblick schweigend an. Da sagt sie unvermittelt:

»Sie haben eine Geige, und ich würde gern wieder Klavier spielen, wenn Sie manchmal zur Begleitung herüberkämen.«

Er wird nicht verlegen, wie es sonst seine Art ist, wenn man sein Steckenpferd erwähnt.

»Ja,« sagt er, »das will ich gern tun. Bestimmen Sie die Stunde!«

Dann beginnt er, ehe sie geantwortet hat, sehr ausführlich davon zu erzählen, wie andere Völker die Musik auffassen, die Südländer etwa oder die Chinesen. Am wenigsten könne man als Europäer bei der Negermusik etwas empfinden.

Sie hört ihm sehr unaufmerksam zu. Er hat einen gleichmäßigen, einschläfernden Tonfall. Es wäre ihr viel lieber, wenn er jetzt schwiege.

Sie muß daran denken, daß Joachim Becker sie niemals durch seine Anwesenheit oder durch überflüssige Worte störte wie dieser gebildete und rücksichtsvolle Mann, der von der Musik sehr erschüttert ist und trotzdem so viele Worte macht. Aber sie ist gerecht genug, sich einzugestehen, daß der ungeliebte Mensch eben nichts zur Zufriedenheit machen kann, der geliebte aber selbst nach den schlechtesten Handlungen noch in guter Erinnerung bleibt.

Die Musik läßt sie diese Betrachtungen wieder vergessen. Und am Schluß, nach dem ernüchternden Handgemenge an der Garderobe, sind sie wieder in ihrem Fahrwasser. Irmgard wird viel betrachtet, der Kapitän nimmt mit ironischen Bemerkungen davon Notiz.

Sie hat unwillkürlich das Gefühl, daß sie noch etwas an ihm gutzumachen habe. Es muß ihr immer erst einfallen, sie ist gewissermaßen mit dem Verstande und nicht mit dem Herzen gut zu ihm.

»Sie sind sehr weit gereist und haben viele Menschen und Gebräuche kennengelernt. Auch mein Vater wird sich auf eine Unterhaltung mit Ihnen freuen. Kommen Sie morgen abend!« sagt sie freundlich.