»Ja, kommen Sie nur, Sie Moralistin!« Er läßt sie den Satz nicht zu Ende sprechen und begleitet sie unter vielen Erzählungen und Scherzen nach Haus.

»Im übrigen haben Sie ja Tee zu Haus, und in der Kantine wird auch noch etwas für Sie zu essen sein«, sagt sie einmal zwischendurch. Er stellt fest, daß sie sich sehr besorgt mit seinem Hunger beschäftigt, und wird immer lebhafter.

An der Föhrbrücke verabschieden sie sich. Sie fühlt seinen schmerzhaft festen Händedruck noch, als sie in das erhellte Wohnzimmer tritt, wo sie den Vater über der Zeitung antrifft.

Er geht ihr entgegen und hilft ihr beim Ablegen. Es fällt ihr auf, daß er sehr ernst ist. Sie war auch von ihm mit vielen guten Wünschen und unter Scherzen entlassen worden. Es scheint ihr, daß alle Menschen heute gut und heiter waren.

Sie legt daher ihren Arm um seine Schulter und lehnt das heiße Gesicht an seine Wange.

»Noch mein Kamerad?« fragt sie.

»Ja«, sagt er lächelnd. Er selbst hatte ihr vor kurzem nach einer tüchtigen Arbeit im Bureau diesen Titel gegeben. Nun bekommt er ihn zurück.

Er erkundigt sich, ob sie Hunger habe, und macht eine Bewegung zur Tür, als wolle er sie selbst noch bewirten.

Sie lehnt ab und beginnt zu berichten. Sie habe den Kapitän getroffen. Er sei auch im Konzert gewesen. Unwillkürlich sagt sie nicht, daß er ihretwegen mitgekommen sei. Sie überlegt, wovon sie zuerst erzählen solle, vom Eindruck der Musik, vom Publikum oder vom Kapitän. Sie ist ungewöhnlich plauderlustig und in einem inneren Gleichgewicht, wie sie es seit Joachim Beckers Zeit nicht mehr kannte.

Ein Geräusch, das vom Schlafzimmer herüberdringt, läßt sie aufhorchen.