»Ja,« sagt sie, »am frühen Morgen wird man schon geärgert.«

»Aber!« meint er bedauernd. Er fragt nicht; darum beichtet sie ihm auch alles, was ihr Herz bewegt. Er ist allmählich zu ihrem Vertrauten geworden, besonders wenn es sich um Telephongespräche handelt.

»Was mache ich denn jetzt?« fragt sie. »Der Herr Gregor hat mir schon wieder geschrieben. Er denkt, daß sein erster Brief unterschlagen sei, weil ich ihm nicht antworte. Dabei schreibt er den Absender auf den Umschlag, und ich will mich hängen lassen, wenn die Reiche das nicht gesehen hat, denn die Schikanen gehen schon wieder an.«

»Ja, ich weiß nicht, ob es Ihnen recht ist. Aber für Sie will ich es gern tun und zu ihm hingehn«, meint Herr Karcher zaghaft.

»Oder soll ich ihm lieber schriftlich mitteilen, daß ich nichts mit ihm zu schaffen haben will?«

»Das könnten Sie auch.«

»Er schreibt, daß er sogar schon eine neue Stellung gefunden habe. Er muß doch etwas taugen, wenn man ihn engagiert, obgleich er eben erst aus dem Gefängnis gekommen ist.«

»Ja«, sagt Herr Karcher, während er sich wieder mit den Eintragungen in seinen Büchern beschäftigt.

Schwester Emmi sieht ihm eine Weile zu.

»Als es ihm schlecht ging,« setzt sie ihren Gedankengang fort, »hat er sich von Frau Reiche helfen lassen. Jetzt will er nichts mehr von ihr wissen — Also ich werde ihm schreiben, daß er mich in Ruhe lassen soll.«